POLITIK
04/12/2017 10:05 CET | Aktualisiert 04/12/2017 11:47 CET

Gauland spricht in einem Interview von der "Seele der AfD" - und verrät damit, wie rechts die Partei tatsächlich ist

Fabian Bimmer / Reuters
Die AfD-Bundesvorsitzenden Alexander Gauland und Jörg Meuthen

  • Der Parteitag der AfD hat die Konfliktlinien innerhalb der Partei offenbart

  • Viele Beobachter glauben, dass sich die ohnehin schon rechte Partei weiter radikalisiert

  • In einem Interview will AfD-Chef Gauland das abstreiten - mit einem vollkommen absurden Argument

Als einen "gärigen Haufen" hat Alexander Gauland die AfD einmal bezeichnet - im Bemühen, die rechten Strömungen innerhalb der Partei zu relativieren. Wie stark diese Strömungen sind, konnte am Wochenende auf dem Parteitag der AfD beobachtet werden.

Nach einem Wahlchaos am Sonntag stand fest: Der rechte Flügel um Björn Höcke hat die AfD fest im Griff.

Mit Müh und Not konnten die gemäßigteren Rechtspopulisten um Georg Pazderski die Wahl der zuvor unbekannten Rechtsaußen Doris von Sayn-Wittgenstein verhindern - nur, damit anschließend Alexander Gauland zum Vorsitzenden gewählt wurde.

"Die AfD ist eine radikalere Partei, als ihr bewusst ist", schrieb in Reaktion darauf die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

Wie Recht die Zeitung damit hatte, zeigte am Montagmorgen Alexander Gauland höchstselbst - in einem denkwürdigen Interview mit dem Deutschlandfunk.

Gauland und die "Seele der Partei"

Denn in diesem Gespräch wies Gauland einen Rechtsruck der AfD entschieden zurück.

Mehrfach betonte Gauland, seine Partei sei an diesem Wochenende nicht nach rechts gerückt. "Wir haben ein Programm, wir sind eine geschlossene Partei, es gibt unterschiedliche Strömungen. Die sind nicht entscheidend", sagte er.

Dann wurde der neue AfD-Vorsitzende auf die Rede von Doris von Sayn-Wittgenstein angesprochen. Die hatte in dieser einen stramm rechten Kurs der AfD propagiert und die rechtsextreme Bewegung der Identitären als "harmlose Truppe" propagiert.

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Gauland sagte zu von Sayn-Wittgensteins Ausführungen, die Partei komme eben aus dem Gleichgewicht, wenn jemand ihre Seele anspreche. "Wenn eine Rede so gut ist, dann fragen die Menschen nicht: Welches Lager ist das? Wo kommt die her? Sondern sie sagen, die ist gut, die gehört da hin", sagte er.

Von Sayn-Wittgenstein habe schlichtweg mit ihrer Rethorik begeistert. Das habe nichts mit einem Rechtsruck zu tun - so Gaulands wirres Argument.

Auch die Relativierung der Rechtsextremen von der Identitären Bewegung ließ Gauland der Politikerin durchgehen: "Da haben die Leute gelacht und das nicht ernst genommen, völlig harmlos." Mehr noch: Gauland wiederholte Sayn-Wittgensteins Aussage, dass die Identitären eine "harmlose Truppe" wären. Obwohl sie von Verfassungsschutz beobachtet wird.

Es waren Aussagen, mit denen Gauland seine Behauptungen, in der AfD finde kein Rechtsruck statt, ad absurdum führte.

Gauland offenbart das nach rechts driftende Wesen der AfD

Das wurde nochmal deutlicher, als der ehemalige CDU-Politiker auf den AfD-Rechtsaußen Björn Höcke angesprochen wurde. Höcke gilt als Strippenzieher mit großem Einfluss in der AfD - er soll maßgeblich für deren immer extremere Gesinnung verantwortlich sein.

Gauland distanzierte sich jedoch nicht von dem AfD-Vorsitzenden in Thüringen - sondern nahm ihn ausdrücklich in Schutz.

"Wenn Höcke sagt, es stehe ein Denkmal unserer Schande in unserer Hauptstadt, dann hat er Recht, dann hat er das völlig richtig beschrieben", sagte Gauland. Höcke habe nicht gesagt, dass der Holocaust keine Schande sei. Er habe gesagt, es sei ein Denkmal unserer Schande.

"Das hat doch nichts mit völkisch oder nationalistisch zu tun", sagte Gauland. Eine absolut falsche Behauptung.

Denn Höcke sprach nicht von einem Denkmal unserer Schande. Sondern von einem Denkmal der Schande, dass sich das deutsche Volk in seine Hauptstadt gestellt habe. Ein Volk wie eine "durchgegenderte, Multikultieingreiftrupp", dem die Alliierten im Zweiten Weltkrieg die Identität geraubt hätten - eine Identität, die Höcke augenscheinlich im Nationalsozialistischen Regime intakt sah und sieht.

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Gegen Höcke läuft in der AfD in der Folge dieser Worte ein Ausschlussverfahren. Eines, das wohl erfolglos bleiben wird. Denn Gauland sagte im Deutschlandfunk: "Wir wollen Gerechtigkeit, auch gegenüber Björn Höcke." Das Ausschlussverfahren gegen ihn habe er immer für falsch gehalten - und es komme eh nicht voran. Ähnlich äußerte sich auch Gaulands Co-Vorsitzender, Jörg Meuthen, im ZDF-Morgenmagazin.

Höcke wird also wohl Teil der AfD bleiben - und die Partei wird weiter nach rechts driften. Egal, wie sehr Alexander Gauland das auch abstreiten mag.

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(ll)

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