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04/12/2017 18:21 CET | Aktualisiert 05/12/2017 11:26 CET

Als Ärzte den Vibrator erfunden haben, hatte es nichts mit Selbstbefriedigung zu tun

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Aus diesem Grund haben Ärzte den Vibrator erfunden - es hatte nichts mit Selbstbefriedigung zu tun

  • Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erfanden Ärzte den Vibrator

  • Allerdings nicht zur Selbstbefriedigung - sie dachten, er würde eine Krankheit heilen

  • Erst später stellte sich heraus, was es wirklich damit auf sich hatte

Ob in Kakteenform, mit Häschen-Kopf oder einfach als überdimensional großer Penis: Vibratoren gibt es mittlerweile in allen Farben und Formen - und verpönt sind sie längst nicht mehr. Viele Frauen sprechen offen darüber, sich damit Befriedigung zu verschaffen.

Was die meisten nicht wissen dürften: Das Gerät hat eine lange interessante Geschichte hinter sich. Es ist laut der Wissenschaftlerin Rachel Maines das fünfte elektronische Haushaltsgerät, das je erfunden wurde. Um das Jahr 1910 - wenn man den Vibrator denn als Haushaltsgerät bezeichnen möchte.

Damit wurde der Vibrator übrigens neun Jahre vor dem Staubsauger und ein ganzes Jahrzehnt vor der elektrischen Pfanne erfunden.

Angeblich litten die Frauen unter "Hysterie"

Allerdings waren Vibratoren ursprünglich gar nicht zur Selbstbefriedigung gedacht. Ärzte verwendeten sie, um damit eine Frauenkrankheit zu heilen. Also zumindest dachten sie das. Die angebliche Krankheit nannten sie "Hysterie".

Der britische Arzt Havelock Ellis schrieb in seiner 1913 erschienen Arbeit "The Sexual Impulse on Women", dass schätzungsweise 75 Prozent aller Frauen unter der Krankheit litten, wie das Online-Magazin "broadly.vice" berichtet.

Die Symptome hätten von Kopfschmerzen und epileptischen Anfällen bis hin zu "rüder Sprache" gereicht.

Ärzte fanden schließlich ein schnelles und simples Heilmittel, um die Frauen von ihrer angeblichen Krankheit zu befreien: Sie massierten ihre Beckenregion und stimulierten die Klioris der Frauen.

Der "Manipulator" sollte Ärzten die Arbeit erleichtern

Jedoch nicht aus sexuellen Gründen - für die Ärzte war es eine Art der Heilung. Die Frauen wären danach entspannt, gar euphorisch gewesen. Die Ärzte selbst hätten dabei allerdings keine Lust verspürt. Ganz im Gegenteil: Die Fingermassage sei "sehr anstrengend und langwierig" für die Ärzte gewesen, wie das Magazin "Der Spiegel" 1999 berichtete.

Um diese Anstrengung zu vermeiden, erfanden die Ärzte also ein Gerät, das ihnen die Stimulation der Klitoris abnehmen sollte: einen Vibrator. Zunächst hieß dieser allerdings "Manipulator".

Mehr zum Thema: Diese absurden Sex-Tipps haben Frauen im 19. Jahrhundert bekommen

1869 ließ sich der amerikanische Arzt George Taylor den dampfbetriebenen Manipulator patentieren. Der Kopf vibrierte und in der Mitte war eine Massageliege installiert. Deshalb war er deutlich größer und schwerer als die aktuellen Vibratoren und nur für Kliniken geeignet.

Über die Jahre optimierten die Ärzte den Vibrator aber immer weiter. Wenig später pries etwa die American Vibrator Company ein Gerät an, das "niemals müde wird" - ganz ähnlich wie "der Gerät" also.

Plötzlich tauchte das Gerät in Pornos auf

Erst 1908 erfand die erste Frau einen Vibrator. Für nur fünf Dollar war ihr sogenannter Bebout-Vibrator erhältlich. Der war ein wahrer Traum für die damalige Frau: Denn als Alleskönner soll er durch entsprechende Adapter Vibrator, Nähmaschine und Mixer gleichzeitig gewesen sein.

Das Modell soll sich bei Frauen laut Maine größter Beliebtheit erfreut haben, aber um 1920 plötzlich aus den Arztpraxen verschwunden gewesen sein. Die Vermutung Maines: Es hatte sich herumgesprochen, dass der Vibrator der Frau Lust verschafft, daher galt er als schmutzig. Unter anderem könnte das damit zusammenhängen, dass das "Haushaltsgerät" plötzlich in Pornofilmen auftauchte - ups.

Nun konnte niemand mehr behaupten, die Geräte hätten nichts mit Sex zu tun.

Erst mit Beginn des 21. Jahrhunderts wurde der Vibrator salonfähig - und Frauen müssen heutzutage nicht mehr so tun, als würden sie das Gerät bloß als Adapter für einen Mixer verwenden. Wie schön.

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(ks)

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