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03/12/2017 13:45 CET

Mit einem Tweet zur Russland-Affäre könnte sich Donald Trump ein Eigentor geschossen haben

getty / huffpost
Mit einem Tweet zur Russland-Affäre könnte sich Donald Trump ein Eigentor geschossen haben

  • Ein Tweet zur Russland-Affäre bringt US-Präsident Donald Trump in Bedrängnis

  • Kritiker glauben, er habe damit eine Straftat zugegeben

  • Das Trump-Team behauptet, der Tweet stamme gar nicht von Trump selbst

Twitter ist Donald Trump Wunderwaffe. Der US-Präsident nutzt den Kurznachrichtendienst, um Rivalen zu attackieren, von Problemen abzulenken - oder sich selbst zu feiern.

Als der US-Sender ABC am Samstag wegen eines Fehlers einen Bericht zur Russland-Affäre zurückziehen und einen Reporter beurlauben musste, freute sich Trump: "Gratulation an ABC News für die Suspendierung von Brian Ross wegen seines entsetzlich fehlerhaften und unehrlichen Berichts über die Russland-, Russland-, Russland-Hexenjagd."

Bei einem Livebericht hatte der ABC-Reporter Brian Ross am Freitag behauptet, ein Vertrauter von Trumps ehemaligen Sicherheitsberater, Michael Flynn, habe gesagt, dieser sei bereit zu bezeugen: Trump habe Flynn aufgefordert, er solle russische Beamte während des Wahlkampfs kontaktieren. Eine Behauptung, die sich allerdings nicht halten ließ.

Mit zwei Tweets am Samstag und Sonntag tat sich Trump dann allerdings keinen Gefallen. Einer der beiden könnte ihm gar zum Verhängnis werden, glauben seine Kritiker.

"Wenn das stimmt, warum haben Sie dann so lange gewartet?"

"Ich musste General Flynn feuern, weil er den Vizepräsidenten (Mike Pence) und das FBI belogen hat", twitterte Trump am Samstag. "Er hat sich dieser Lügen schuldig bekannt. Es ist eine Schande, denn seine Handlungen während des Übergangs waren rechtsgemäß. Es gab nichts zu verbergen!"

Trump bezog sich damit auf Flynns Gespräche im Dezember 2016 mit dem damaligen Moskauer Botschafter in Washington, Sergej Kisljak. Flynn hatte sich am Freitag vor Gericht schuldig bekannt, in den FBI-Ermittlungen über mögliche Absprachen des Trump-Lagers mit Moskau wiederholt falsche Angaben gemacht zu haben.

Flynn trat im Februar von seinem Posten als Sicherheitsberater zurück. Mit diesem Tweet korrigierte Trump aber offenbar die bisherige Darstellung, indem er behauptete, er habe Flynn entlassen und auch davon gewusst, dass dieser gelogen habe.

Das war neu. Und genau dieser Umstand könnte Trump gefährlich werden. Denn damit gab er indirekt zu, von einer Straftat gewusst - und sie nicht angezeigt zu haben.

Kritiker griffen den US-Präsidenten umgehend für diesen Tweet an: "Wenn das stimmt, Herr Präsident, warum haben Sie dann so lange gewartet, um Flynn zu feuern? Warum haben Sie es nicht geschafft, zu handeln, bevor seine Lügen öffentlich wurden? Und warum haben sie Direktor Comey gedrängt, 'das fallen zu lassen"', schrieb der demokratische Politiker Adam Schiff.

War Trump der Autor des Tweets?

Einen Tag nach Flynns Rücktritt hatte sich Trump mit dem damaligen FBI-Direktor James Comey getroffen. Comey führte über die Gespräche mit dem Präsidenten Protokoll. Laut den Aufzeichnungen habe Trump Flynn damals als "guten Typen" bezeichnet und gesagt, er hoffe, Comey könne die Untersuchung zu Flynn fallen lassen.

Matthew Miller, ein ehemalige Mitarbeiter des US-Justizministeriums, twitterte: "Oh mein Gott, er hat gerade Behinderung der Justiz zugegeben. Wenn Trump wusste, dass Flynn das FBI belogen hat, als er Comey fragte, es (die Untersuchung, Anm.) fallenzulassen, dann ist hier unser Fall."

Sollte Trump die FBI-Ermittlungen willentlich behindert haben, hätte er sich strafbar gemacht - und könnte in einem komplizierten Verfahren auch möglicherweise seines Amtes enthoben werden. Der Tweet sorgte daher für einiges Aufsehen in den USA.

Mittlerweile behauptet das Team des US-Präsidenten, die Kurznachricht stamme gar nicht von Trump selbst. Der Anwalt des Präsidenten, John Dowd, sagte gegenüber dem US-Sender ABC, der Tweet sei eigentlich von ihm. Der Text sei schlampig formuliert.

"Die Anwälte von Trump nicht stoppen, sich selbst zu belasten"

Am Sonntagmorgen schickte Trump einen weiteren Tweet ab, der negativ auf ihn zurückfallen könnte. "Ich habe Comey nie gefragt, die Untersuchung von Flynn zu stoppen. Einfach nur weitere Falschmeldungen, die eine weitere Comey-Lüge verbreiten."

Es ist nicht das erste Mal, dass Trump den geschassten Ermittler einen Lügner nennt. Bereits im Sommer sagte Trump, er würde auch unter Eid Aussagen, dass Comey in der Russland-Affäre lügt.

Der von Trump gefeuerte FBI-Direktor Comey hatte bei einer Anhörung vor dem US-Senat unter Eid ausgesagt: Er habe Trumps Bitte, von Flynn abzulassen, als Aufforderung verstanden.

Der Politikwissenschaftler Ian Bremmer stellte auf Twitter klar, dass Trump Comey also eines Meineids bezichtigte. "Die Anwälte im Weißen Haus können nicht verhindern, dass Trump sich selbst belastet", schrieb Bremmer.

Mehr zum Thema: "Krieg gegen Comey": Wie US-Präsident Trump den Ex-FBI-Chef in der Russland-Affäre diskreditieren will

Mit Material der dpa.

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