POLITIK
02/12/2017 16:29 CET | Aktualisiert 03/12/2017 09:25 CET

Leipziger Skandal-Professor äußert sich zu rassistischen Tweets: "Ich teile die Ansichten der AfD"

  • Der umstrittene Leipziger Professor Rauscher hat in einem Interview Nähe zur AfD zugegeben

  • Er wolle sich nicht zensieren lassen, erklärte Rauscher

  • Im Video oben: So alltäglich ist das Thema Rassismus in Deutschland

Es fing mit ein paar Tweets an und wurde ein Streit über Meinungsfreiheit im akademischen Raum.

Der Leipziger Jura-Professor Thomas Rauscher, der bei Twitter für ein "weißes Europa" warb und den Islam als "kriegerisch" bezeichnete, hatte im November eine Welle der Empörung losgetreten. Ausgefochten ist der Konflikt auch mehrere Wochen später noch nicht.

Nach mehreren Protestaktionen linker Studenten wandte sich Rauscher nun in einem Interview mit dem MDR erneut an die Öffentlichkeit. Er erklärte: "Ich habe nicht vor, mich selber zu zensieren." An seiner Universität werde intern seine Entlassung eingeleitet. Er wolle jedoch weiter seine Meinung vertreten.

"Erdrückende Stimmung an der Universität"

Rauscher spricht von einer "erdrückenden" Stimmung innerhalb der Fakultät. Und äußert sich weiter zu seiner politischen Einstellung: Zur AfD habe er eine kritische Position. Er teile die "Ansichten der AfD in Sachen Euro und ich teile die Ansichten in puncto Migrationspolitik", sei in anderen Fragen aber näher an CDU und FDP.

Der Professor kann die Aufregung über seine rassistischen Tweets nicht verstehen. Er habe sich lediglich zur Frage äußern wollen, "ob wir die Europa in großer Zahl drohende Migrationswelle aus Nahost, aus Afrika, auch aus Teilen Asiens, hier sozusagen entgegennehmen müssen, weil es eine koloniale Schuld zu begleichen gäbe" – und diese verneint.

Rauscher gibt offen zu, das Konzept des Ethnopluralismus gutzuheißen. Also eine Vermischung von Menschen unterschiedlicher Kulturen in einer Gesellschaft abzulehnen. "Ich habe großes Interesse daran, dass diese Kulturen (...) in ihrem Wesenskern erhalten bleiben", sagte der Akademiker dem MDR.

Studierende der Uni Leipzig protestieren gegen Rauscher

Rauscher war an der Universität nach Bekanntwerden seiner Tweets ein harscher Gegenwind entgegengeschlagen.

Studierende der Universität Leipzig protestieren auf dem Campus der Universität in Leipzig (Sachsen) gegen Rassismus, Sexismus, Islamophobie und Homophobie. Einige Studierende störten eine Vorlesung des Professors, der seinen Twitter-Account nach der ersten Empörungswelle löschte.

Dennoch berichtet Rauscher auch von positiven Rückmeldungen. "Ich habe in all meinen Vorlesungen von zahlreichen Studenten Zuspruch bekommen. Auch per E-Mail. In den Veranstaltungen ist da keinerlei Nachteil zu spüren", erklärte der Jura-Professor.

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