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01/12/2017 17:04 CET | Aktualisiert 01/12/2017 17:43 CET

"Niemals endende Vergnügungstour": So ist es, mit einer Sextherapeutin verheiratet zu sein

laflor via Getty Images
"Ganz egal, wo wir gerade sind, können wir uns sicher sein, dass die anderen auf irgendeine Art darauf reagieren, wenn ich ihnen von meinem Beruf erzähle."

  • Viele glauben, dass Sextherapeutinnen in ihrem Privatleben wildesten Sex haben

  • Jetzt verraten Sextherapeutinnen und ihre Ehemänner, wie ihr Privatleben wirklich aussieht

Wenn du glaubst, mit einer Sextherapeutin verheiratet zu sein würde bedeuten, dass sich immer alles nur um Sex dreht, dann irrst du dich. Diese Ehen sind ganz genauso wie alle anderen auch, mit dem einzigen Unterschied, dass in ihnen häufiger direkte und offene Gespräche über das gemeinsame Sexleben stattfinden.

Um herauszufinden, was es wirklich bedeutet, mit einer Sex-Expertin verheiratet zu sein, haben wir direkt an der Quelle nachgefragt und die Ehemänner von Sextherapeutinnen interviewt. In diesem Artikel geben uns Sextherapeutinnen und ihre Partner sowohl Einblicke in ihr Eheleben als auch in ihr Schlafzimmer.

Shannon Chavez, Psychologin und Sextherapeutin aus Los Angeles:

“Mein Mann hat mich in meinem Beruf immer unterstützt, auch wenn er hin und wieder mal Witze darüber macht. Wenn man mit einer Sextherapeutin verheiratet ist, braucht man Offenheit und einen Sinn für Humor. Ich bin dankbar, dass er über beides verfügt.

Die Leute haben immer ein reges Interesse an unserem Sexleben. Ganz egal, wo wir gerade sind, können wir uns sicher sein, dass die anderen auf irgendeine Art darauf reagieren, wenn ich ihnen von meinem Beruf erzähle. Danach kommen meist viele Fragen.

Wir nehmen es mit Humor und mein Mann findet es toll, dass ich mich so sehr für Sex begeistere. Er weiß mittlerweile wahrscheinlich mehr über Sex, als er je wissen wollte.”

Ihr Ehemann, Raehan Qureshi, sagt dazu:

“Es macht alles sehr viel leichter. Zum einen ist es nicht gleich ein Weltuntergang, wenn wir mal einen Streit haben oder unterschiedlicher Meinung sind. Denn wir sind uns immer darüber bewusst, dass viele andere Paare mit zahlreichen und in manchen Fällen auch mit äußerst schwerwiegenden Problemen zu kämpfen haben.

Außerdem sind bestimmte Gespräche, die manchen Paaren unangenehm sind, für uns ganz normal und selbstverständlich. Wenn ich meine Ruhe haben will und mir stumpfsinnige Dinge im Fernsehen anschauen möchte, ohne dabei gestört zu werden, kann ich das ohne Bedenken einfach sagen.

Und meine Frau kann es mir andersherum auch sagen, wenn sie keine Lust hat, mich auf eine Weihnachtsfeier zu begleiten. Wir nehmen es uns gegenseitig nicht übel.”

Mehr zum Thema: Sex-Experten raten: Diese 9 Dinge solltet ihr mit eurem Partner viel öfter machen

Tammy Nelson, Sextherapeutin, Sexologin und Autorin des Buches “Der Sex meiner Träume” aus New Haven, Connecticut:

“Ich glaube, dass für meinen Mann ein Traum wahr geworden ist, als er eine Sextherapeutin heiratete. Ich habe jede einzelne Sex-Übung aus meinen Büchern auch bereits mit ihm ausprobiert.

Wir haben alle Sex-Tipps, die ich meinen Patienten in der Therapie empfehle, bereits selbst versucht. Wenn die Tipps bei uns nicht funktionieren, gebe ich sie gar nicht erst an andere Leute weiter.”

Ihr Ehemann, Bruce Hirshfield sagt dazu:

“Mit einer Sextherapeutin verheiratet zu sein ist eine niemals endende Vergnügungstour, und zwar für uns beide. Was sollte man auch anderes erwarten?

Wenn sie anderen – insbesondere Männern – erzählt, was sie beruflich macht, blicken die meisten natürlich erst einmal überrascht drein. Meist verwandelt sich dieser Blick dann in ein neidisches Grinsen.

Manchmal bekommt sie auch ein High-Five. Das schmutzige kleine Geheimnis dahinter ist jedoch, dass ich derjenige bin, der ihre Bedürfnisse, Wünsche, Sehnsüchte und Fantasien befriedigt. Für manche bedeutet es ein gewisses Tabu, dass sie eine Sex-Expertin ist. Für mich ist es jedoch nichts anderes, als einfach mit einer Therapeutin verheiratet zu sein, die selbst bestimmte Probleme mit sich und ihrem Leben hat.

Wie man sich wahrscheinlich vorstellen kann, brauche ich sehr viel Bereitschaft, an mir selbst arbeiten zu wollen. Ich versuche jedoch, sie auch selbst immer wieder dazu aufzufordern.”

Kimberly Resnick Anderson, Sextherapeutin aus Los Angeles

“Mein Beruf hilft mir dabei, mein Sexleben bewusst zu pflegen und dabei jedoch auch all die Dinge zu würdigen, die potenziell schiefgehen könnten. Manchmal macht mein Mann Witze darüber, dass ich mich für das Sexleben von anderen Menschen mehr begeistere als für mein eigenes.

Vor allem, wenn ich einem Paar gerade dabei helfe, nach einer längeren Pause von Jahren oder sogar Jahrzehnten wieder eine sexuelle Verbindung miteinander herzustellen. Auf langweiligen Cocktail-Partys bittet mein Mann mich manchmal, etwas Interessantes oder Neues von meiner Tätigkeit als Eisbrecherin zu erzählen.

Da er sämtliche Powerpoint-Präsentationen für meine Schulungen erstellt, hat er sich bereits so einige Fachkenntnisse über die menschliche Sexualität angeeignet. Um mich zu beeindrucken versucht er manchmal, etwas von diesem Wissen in unsere Gespräche mit einzubauen. Das ist einfach hinreißend!”

Ihr Ehemann, Michael Anderson, sagt dazu:

“Ich bin fasziniert von der Tatsache, dass meine Frau eine Sextherapeutin ist. Als ein gemeinsamer Freund uns damals miteinander verkuppeln wollte, fragte er mich, ob es ein Problem für mich sei, dass sie als Sextherapeutin arbeitet. Ich antwortete sofort, dass ich mich darüber gewiss nicht beschweren würde.

Ich finde die Geschichten, die sie mir zuhause erzählt, sehr spannend (sie nennt dabei selbstverständlich keine Namen). Und es interessiert mich auch, welche Diagnose sie den Paaren jeweils stellt. Meine Frau nennt mich sogar einen Möchtegern-Mediziner!

Manchmal habe ich den Eindruck, dass sie mich analysiert, weil es schwer ist, Privates von Beruflichem zu trennen. Wenn sie mich analysiert, macht sie das jedoch sehr gut. Ich glaube, sie ist froh, dass mit ihrem eigenen Sexleben alles in Ordnung ist. Naja, es könnte allerdings ruhig ein bisschen häufiger passieren.”

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Megan Fleming, Sextherapeutin und Autorin des Buches “Invisible Divorce: Finding Your Way Back to Connection”:

“Wir sind ein Jahr, bevor ich meine Ausbildung zur Sextherapeutin begonnen habe, zusammen gekommen. Manchmal lachen wir darüber, dass Sex das letzte ist, woran ich denke, nachdem ich den ganzen Tag darüber gesprochen habe.

Aber mal im Ernst: Ich sehe jeden Tag, wie wertvoll eine gesunde Beziehung ist. Und Sex ist nun einmal ein wesentlicher Bestandteil davon. Wir wissen aus eigener Erfahrung, dass Monogamie nicht unbedingt auch Monotonie bedeuten muss. Das Gras ist immer da am grünsten, wo man es am meisten gießt. In diesem Hinblick sind wir also sozusagen unter die Gärtner gegangen.”

Ihr Ehemann, Dave Elliott, sagt dazu:

“Manche Leute denken vielleicht, dass der Sex und die Beziehung immer toll sind, wenn man mit einer Sextherapeutin verheiratet ist. Nach 20 Jahren Beziehung und mit zwei Kindern habe ich jedoch gelernt, dass man sich bewusst dafür entscheiden muss, seine Beziehung pflegen zu wollen, und dass dies Arbeit erfordert.

Statt vor den Herausforderungen und schwierigen Phasen des Lebens wegzulaufen, kann man als Paar nur zusammenwachsen, wenn man sich ihnen stellt und sich durch sie hindurchkämpft.

Megans nützliche Tipps und Tricks sowie ihre wertvollen Erfahrungen mit Dingen, die funktionieren und Dingen, die nicht funktionieren, haben mir dabei geholfen, als Partner zu wachsen und es hat auch unsere Beziehung gestärkt.

Mit voller Begeisterung versucht sie, Paaren so gut wie möglich wieder auf den Weg zu gutem Sex und einer glücklichen Beziehung zurückzuführen. Sie kann es gar nicht vermeiden, diese Energie auch mit nach Hause zu bringen.”

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Laurel Steinberg, Psychotherapeutin und Sexologin aus New York City:

“Sextherapeuten haben von Natur aus eine positive Einstellung zum Thema Sex. Sie lieben es, Sex zu haben und über Sex zu sprechen. Wir wissen, dass Sex der Kleber ist, der Beziehungen zusammenhält. Und zwar vor allem in schweren Zeiten. Und wir tun unser Bestes, um uns auf gesunde und angenehme Weise mit unserem Partner zu vergnügen.”

Ihr Ehemann, Russell Steinberg, sagt dazu:

“Sextherapeuten sind großartig darin, aufrichtige und liebevolle Beziehungen aufzubauen und tolle Gespräche anzuregen. Ich muss mir nie Sorgen machen, dass es ein Problem geben könnte, dessen ich mir nicht bewusst bin. Und ich muss auch keine Angst vor irgendwelchen Jedi-Gedankentricks haben.

Ich weiß auch, dass ich jedes wichtige Thema ansprechen kann. Außerdem ist sie nicht prüde und sie hat einen lockeren und offenen Umgang mit dem Thema Sex. Das macht sie zu einer angenehmen Partnerin.

Mein Tipp an alle Singles: Wenn ihr das nächste Mal eine Sextherapeutin trefft, die nicht vergeben ist, solltet ihr unbedingt mit ihr ausgehen. Wir haben uns über JDate.com kennengelernt. Danke, JDate!”

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Angela Skurtu, Sextherapeutin und Eheberaterin aus St. Louis:

“Es gibt viele Irrtümer darüber, was es bedeutet, eine Sextherapeutin zu sein. Manche Menschen glauben, man müsse dafür toll im Bett sein oder gerne in den Swingerclub gehen. Um das klarzustellen: Als Sextherapeutin spreche ich jeden Tag mit meinen Patienten über ihre sexuellen Probleme.

Es geht dabei also viel um verletzte Gefühle, um Aufklärung und um Menschen, die Probleme mit ihrem Sexleben haben. Mein Job hat viele schöne Seiten, zum Beispiel dass ich mit meinem Mann Podcasts veröffentlichen kann, dass ich auf Konferenzen über eine gesunde Sexualität sprechen kann und dass ich Artikel schreiben darf.

Größtenteils geht es bei meiner Arbeit jedoch darum, über Probleme zu sprechen und Paaren dabei zu helfen, diese Probleme zu überwinden. Mein Job bringt mich nicht dazu, jeden Tag über meinen Mann herzufallen, wenn ich nach Hause komme.”

Ihr Ehemann, Joshua Skurtu, sagt dazu:

“Naja, es ist schon okay. Wenn sie den Ausdruck Sextherapeutin hören, beginnen die meisten Leute heftig darüber zu spekulieren, was das eigentlich bedeutet. Sie glauben, dass wir ein wildes und verrücktes Sexleben haben. Das stimmt zwar, doch ihr Job hat ziemlich wenig damit zu tun.

Viele Leute gehen davon aus, dass meine Frau vor Leidenschaft nur so brodelt und mich sofort anspringt, wenn sie nach Hause kommt, weil sie ja den ganzen Tag nichts anderes tut, als über Sex zu reden. In Wahrheit geht es bei einer Sexualtherapie jedoch hauptsächlich um sexuelle Funktionsstörungen. Sie hilft Menschen, die an einem Trauma oder an Erektionsstörungen leiden.

Und da sie außerdem auch Eheberaterin ist, kommt die Hälfte ihrer Patienten wegen Untreue zu ihr. Ganz schön sexy, stimmt's? Der Vorteil, mit einer Sextherapeutin verheiratet zu sein, ist der, dass es ihr leichter fällt, über Sex und Beziehungen zu sprechen als den meisten Menschen.

Manchmal spricht sie sogar ein bisschen zu offen über Sex. Und deshalb mussten wir auch die Vereinbarung treffen, dass sie auf Partys nicht mehr über Analsex sprechen darf.”

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei der HuffPost USA und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

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(ks)

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