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01/12/2017 06:32 CET | Aktualisiert 01/12/2017 16:13 CET

"Illner"-Gäste kritisieren SPD-Chef Schulz heftig - ausgerechnet Altmaier von der CDU verteidigt ihn

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"Schulz hat fertig": Gäste bei "Illner" nehmen SPD-Chef in die Mangel - ausgerechnet CDU-Mann Altmaier verteidigt ihn

  • Drei Gäste bei "Maybrit Illner" haben SPD-Chef Martin Schulz hart kritisiert - er solle den Parteivorsitz abgeben

  • Ausgerechnet CDU-Politiker Peter Altmaier sprang Schulz dann bei

Eine der drängendsten Fragen in Berlin derzeit lautet: Wollen die Sozialdemokraten - oder wollen sie nicht? Noch ist nicht klar, ob die SPD wieder eine Große Koalition mit der Union bilden möchte.

Die Gäste bei "Maybrit Illner" jedenfalls waren von dem sozialdemokratischen Zickzack-Kurs der vergangenen Tage enttäuscht. Eingeladen waren neben SPD-Bürgermeister Olaf Scholz und CDU-Kanzleramtschef Peter Altmaier die Journalisten Hajo Schumacher und Dorothea Siems und die Politikwissenschaftlerin Andrea Römmle.

Gerade die letzten drei Gäste kritisierten SPD-Chef Martin Schulz ausführlich. Dem sprang dann ausgerechnet CDU-Politiker Altmaier bei.

"Alle fragen sich, wohin mit Martin?"

Zunächst wollte Moderatorin Bettina Schausten, die Maybrit Illner dieses Mal vertrat, von Olaf Scholz wissen. "Kann Schulz noch einmal Parteivorsitzender werden?" Darüber wird die SPD bei einem Parteitag im Dezember abstimmen.

Scholz' Antwort fiel knapp aus: "Er wird wieder zum Parteivorsitzenden, er ist der einzige Kandidat."

Hier schaltete sich Journalist Schumacher ein: "Das ist so traurig". Darauf redete sich der frühere "Spiegel"-Journalist förmlich in Rage über den Noch-SPD-Chef Schulz: "Alle fragen sich, wohin mit Martin?" In Hintergrundgesprächen in Berlin bekomme man derzeit die "abenteuerlichsten Geschichten" über die künftige SPD-Parteiführung erzählt.

"Manche sagen, Schulz ist fertig", sagte Schumacher. "Mit solch einer Figur in die Koalitionsverhandlungen zu gehen, heißt nur, sich kleiner zu machen, als man ist. Ein großer Parteivorsitzender hätte letzte Woche eine Rede gehalten. Und gesagt: Frau Merkel, Sie haben dieses Land in die Grube geleitet." Nun liege es an der SPD, Deutschland wieder eine stabile Regierung zu verschaffen.

Auch Siems und Römmle äußerten sich ähnlich. Schulz sei ein angezählter Parteichef. Er habe alles vergeigt, was man vergeigen kann - das war ihr Tenor.

"Es gibt keinen, der das machen will"

Schausten wollte von Scholz wissen, ob die Kritik stimme. Ob Schulz nur noch ein "geduldeter Parteichef sei".

"Ich lese das ab und zu", sagte Scholz über Schumachers Gespräche mit frustrierten Sozialdemokraten. "Es gibt manche, die sagen das in Hintergrundgesprächen. Ich gehöre nicht dazu."

Eine leidenschaftliche Verteidigung des eigenen Parteichefs klingt anders. Auch Scholz werden immer wieder Ambitionen auf den Parteivorsitz nachgesagt. In der Sendung wollte er sich dazu aber nicht äußern.

Besonders deutlich wurde "Welt"-Journalistin Dorothea Siems über die Probleme der SPD derzeit: "Ich glaube, es gibt keinen, der es machen will." Es gebe zwar gutes Personal bei den Sozialdemokraten für die Parteispitze - aber niemand wolle wohl die Verantwortung übernehmen. So gehe es derzeit mit Schulz nur noch bergab, war ihr Fazit.

Altmaier verteidigt Schulz

Ausgerechnet CDU-Mann Altmaier sprang seinem SPD-Kollegen Schulz dann bei. "Ich will meinen vielleicht künftigen Koalitionspartner verteidigen." Die Runde lachte.

Sein Argument: "Ich denke, die Menschen interessiert gar nicht so sehr, wer die SPD in die Große Koalition hineinführt, sondern mit welchen Inhalten und mit welchen Themen."

Schausten fragte dann Scholz, wie denn die Stimmung an der Basis der SPD sei. Denn die soll auch mitentscheiden, ob die Partei den Versuch unternehmen soll, noch einmal mit der Union zu regieren. "Ist die Stimmung da wirklich 50:50?"

Eine eindeutige Antwort ließ sich Scholz allerdings nicht entlocken. Er sei richtig, jetzt zusammenzuhalten als Partei. "Da brauchen wir von niemanden Ratschläge." Der Ausschluss der Regierungsbeteiligung noch am Wahlabend sei kein Fehler gewesen. "Irgendwie muss man ja Wahlergebnisse ja ernst nehmen. Und dieses Wahlergebnis war besonders ernst."

Altmaier warf ein: "Die Wähler haben an der Wahlurne keinen Oppositionsführer gewählt." Scholz antwortete mit einer Gegenattacke: "Es fehlt im Augenblick an Führung. Das ist die Kritik, die ich an der Kanzlerin habe."

Eine Antwort, wann die SPD nun zu einer Entscheidung kommen werde, blieb Scholz allerdings schuldig.

Die lieferte Politikwissenschaftlerin Andrea Römmle: Die SPD werde erst nach dem Parteitag im Dezember entscheiden. Die Entscheidung, die Parteimitglieder in den Prozess mit einbeziehen, verstand sie nicht: "Was ist, wenn die Mitglieder nach erfolgreichen Gesprächen mit der Union 'Nein' zu einer Großen Koalition sagen?"

Journalistin Siems fügte hinzu: "Die Mitglieder werden nur 'Ja' sagen, wenn man große Trophäen mitbringen kann." Wenn die SPD also der Union einige Zugeständnisse abringen konnte.

Deutschland erwartet demnach nach den gescheiterten Jamaika-Sondierungen einmal mehr ein hartes Ringen um Kompromisse.

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(jg)

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