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01/12/2017 13:15 CET

Frauke Petry bezeichnet sexuelle Belästigung in Deutschland als "liebgewordene Tradition"

Wolfgang Rattay / Reuters
FFrauke Petry bezeichnet sexuelle Belästigung als "lieb gewordene Tradition"

  • In einem WDR-Interview wurde Frauke Petry zur #metoo-Debatte befragt

  • Die ehemalige AfD-Chefin bezeichnet die Aufregung über sexuelle Belästigung als "völlig übertrieben"

  • Die Debatte würde uns "vernünftiges und liebgewordenes an Traditionen" nehmen, behauptet sie

Die #metoo-Debatte um sexuelle Belästigung bricht nicht ab. Tausende Frauen auf der ganzen Welt, auch viele Prominente, haben mittlerweile berichtet, wie Männer sie bedrängt, begrapscht oder vergewaltigt haben.

Jetzt schaltet sich die ehemalige AfD-Politikerin Frauke Petry in die Debatte ein. Ihre Meinung: Die Beschwerden über sexuelle Belästigung seien vollkommen übertrieben, sagt sie. In einem Interview für das WDR-Format "Docupy" erklärt Petry außerdem, dass die Debatte "über den angeblichen Sexismus von einer Minderheit instrumentalisiert" werde.

Ok...

Allein auf Twitter wurde der Hashtag #metoo bis Ende Oktober 2017 übrigens von 726.000 verschiedenen Nutzern gebraucht. Von einer Minderheit kann also nicht die Rede sein.

Aber Petrys Aussagen werden noch abstruser.

"Die Debatte ist im Stande viel vernünftiges und liebgewordenes an Traditionen und Gewohnheiten in unserem Land zu beseitigen", sagt sie.

Ja, wer kennt sie nicht, die liebgewordenen, vernünftigen Traditionen wie das ungefragte Anfassen von Brüsten oder den kleinen Klaps auf den Hintern von fremden Männern.

Petry verschließt die Augen vor den Fakten

Auch Vergewaltigungen gibt es in Deutschland immerhin schon seit Jahrzehnten, sie sind sozusagen ein Teil unserer Kultur. Nun will uns eine Minderheit von Frauen also auch noch diese deutschen Traditionen nehmen - das zumindest scheint uns Frauke Petry weismachen zu wollen.

Dass sie im Zusammenhang mit sexueller Belästigung von "liebgewordenen Traditionen" spricht, zeigt nur, dass sie nicht verstanden hat, wie groß dieses Problem in unserer Gesellschaft mittlerweile ist und wie viele Frauen darunter leiden.

Mehr zum Thema: "Er drängte sich zwischen meine Beine": Stewardessen berichten über sexuelle Übergriffe in ihrem Job

Die Weltgesundheitsorganisation WHO bezeichnet Gewalt gegen Frauen als eines der größten Gesundheitsrisiken von Frauen weltweit. 40 Prozent der Frauen in Deutschland haben seit ihrem 16. Lebensjahr körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt. Je nach Gewaltform haben 56 Prozent bis 80 Prozent der Betroffenen psychische Folgebeschwerden davongetragen.

Entweder kennt Petry diese Zahlen nicht - oder sie interessieren sie einfach nicht.

Petry: "Frauen sollten das schwache Geschlecht bleiben"

Sie selbst habe nichts dagegen, dass Frauen weiterhin "das schwache Geschlecht" seien, fügt sie hinzu. "Weil wir objektiv anders sind als Männer", sagt sie.

Stimmt, zweifellos sind wir Frauen anders als Männer. Unsere biologischen Unterschiede machen uns aber nicht automatisch "schwach".

Die Kommentare unter dem Video sind eindeutig.

"Was stimmt denn mit ihr nicht?!?", fragt sich eine Nutzerin irritiert.

"Mir fehlen die Worte.. was hat sie denn lieb gewonnen, das durch das aufmerksam machen auf Sexismus und sexistische Übergriffe verloren geht?!", fragt sich eine andere.

Eine weitere Nutzerin bringt das wirre Petry-Interview mit den folgenden Sätzen vielleicht am besten auf den Punkt: "Ich glaube nicht, dass sie eine Frau ist. Sie ist ein emotionsfreier Politroboter, von ewiggestrigen, machtgeilen Männern programmiert."

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(ben)

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