NACHRICHTEN
01/12/2017 11:18 CET

Forscher öffnen Grab Jesu - was sie entdecken, stellt ihr Weltbild auf den Kopf

  • Archäologen haben das Grab Jesu restauriert und dabei genau untersucht

  • Dabei kam heraus, dass das Baumaterial deutlich älter ist als vermutet

  • Im Video oben seht ihr Aufnahmen der Grabstätte

Die Grabeskirche in Jerusalem gehört für Christen weltweit zu den bedeutendsten Heiligtümern. Archäologen haben den Schrein restauriert und dabei genau untersucht. Sie datierten das Baumaterial auf das Jahr 345, wie die Zeitschrift "National Geographic" berichtet. Die bislang ältesten Funde in und um die Grabkapelle stammten aus der Kreuzfahrerzeit.

Restaurierung der Grabkapelle

Während der im März abgeschlossenen umfassenden Restaurierung der Grabkapelle hatten Forscher der Technischen Universität Athen unter anderem erstmals seit mehr als 200 Jahren die Marmorplatte auf dem Grab Christi entfernt, unter der eine zweite, von manchen Experten ins 7. Jahrhundert datierte Platte zum Vorschein kam.

Eine chemische Analyse des verbauten Mörtels ergab den Angaben zufolge die neue Datierung. Damit falle die Entstehungsphase des Originalbaus der heutigen Ädikula eindeutig in konstantinische Zeit.

Bisherige Annahmen offenbar widerlegt

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchungen deuten laut dem Bericht darauf hin, dass es sich bei den Resten der Kalksteinhöhle in der Kirche um Reste des von den Römern nach historischen Quellen im Jahr 326 gefundenen Grabes handelt. Die erste Kirche an dieser Stelle wurde unter Kaiser Konstantin 335 geweiht.

Das Grab habe - entgegen bisherigen Annahmen - die Zerstörung der Grabeskirche Kaiser Konstantins durch den Fatimiden-Sultan Al-Hakim im Jahr 1009 überdauert, so die Zeitschrift.

Fund der Marmorplatte völlig unerwartet

Der emeritierte britische Archäologe der Universität Oxford und Kenner der Grabeskirche, Martin Biddle, hatte den Fund einer verdeckten Marmorplatte als unerwartet bezeichnet. Im Gegensatz zu Interpretationen des Franziskaner-Archäologen Eugenio Alliata, der die Platte in die Kreuzfahrerzeit datierte, sprach sich Biddle für eine frühere Datierung aus.

"In meiner Interpretation ist die Platte deswegen so stark beschädigt, weil es sich um die Platte aus der Zeit der Zerstörung unter Hakim handelt", so Biddle. Die jetzt von "National Geographic" veröffentlichten Untersuchungsergebnisse stützen Biddles These.

Kritik an der Berichterstattung

Kritik an der der Berichterstattung äußerte unterdessen die Chefredakteurin des franziskanischen "Terre Sainte Magazine", Marie-Armelle Beaulieu. Der Artikel enthalte "ein einziges interessantes Element", das einem interessierten Publikum jedoch bereits seit Frühjahr bekannt gewesen sei.

Dies sei der unerwartete Fund der unteren Marmorabdeckung der Grablege, die nun durch den Mörtel in byzantinische Zeit datiert werden könne.

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(jg)