POLITIK
30/11/2017 10:04 CET | Aktualisiert 30/11/2017 17:12 CET

Geschwisterkrieg: Trump twittert die USA in eine diplomatische Krise mit ihrem engsten Verbündeten

Kevin Lamarque / Reuters
Britische Regierung rügt Trump für Verbreitung islamfeindlicher Videos - der reagiert mit einem pampigen Tweet

  • Donald Trump hat die Hass schürenden Videos einer britischen Rechtsextremen auf Twitter verbreitet

  • Die britische Premierministerin Theresa May verurteilte sein Handeln und wurde dafür von Trump heftig attackiert

  • Ein diplomatischer Eklat, der wie eine pure Dummheit wirkt - tatsächlich aber Teil einer verzweifelten Strategie des US-Präsidenten ist

Donald Trump zerstört gerade eine Jahrzehnte alte Freundschaft - per Twitter. Am Mittwoch teilte der US-Präsident Tweets der rechtsextremen Politikerin aus Großbritannien - und damit drei Videos, die Hass auf Muslime schüren sollten.

Jayda Fransen gehört der Partei Britain First an. Die Gruppierung veranstaltet in Großbritannien "christliche Patrouillen", es ist ihr aufgrund von Vorverurteilungen wegen Hassverbrechen untersagt, Moscheen zu betreten. Im vergangenen Jahr brachte ein Anhänger von Britain First die Labour-Abgeordnete Jo Cox um.

Trump ist das egal. Er twitterte - und die britische Regierung reagierte. Sie verurteilte den Vorfall in einem Statement: “Die Briten lehnen die mit Vorurteilen geladene Rhetorik der extremen Rechten ab, die den Werten dieses Landes widersprechen: Anstand, Toleranz und Respekt.”

Werte, die Trump in seiner Reaktion auf den Ärger der britischen Regierung mit Füßen trat.

Trump: "Uns geht es hier ganz ausgezeichnet!"

Denn anstatt sich beim wichtigsten Verbündeten der USA zu entschuldigen, ging Trump zum Angriff auf Großbritanniens Premierministerin Theresa May über. "Konzentrieren Sie sich nicht auf mich, Theresa May, konzentrieren Sie sich auf den zerstörerischen radikal-islamischen Terrorismus im Vereinigten Königreich", wütete der "Anführer der freien Welt".

Und fügte pampig hinzu: "Uns geht es hier ganz ausgezeichnet!"

Zuvor hatte schon Trumps Sprecherin Sarah Sanders erklärt, es sei “egal, ob das Video echt ist. Die Gefahr ist echt.” Mit der “Gefahr” meinte Sanders offenbar den radikalen Islam.

Diese arrogante Haltung der US-Regierung ist selbst in Zeiten von Trump außergewöhnlich. In den vergangenen Jahrzehnten traten Großbritannien und die Vereinigten Staaten auf der Weltbühne stets als unzertrennliche Partner auf.

Die Briten sind die Waffenbrüder der Amerikaner im Kampf gegen den Terror und zogen mit George W. Bush in den Irakkrieg. Auf den Brexit und die Wahl Donald Trumps reagierte Theresa May mit den Worten: "Die USA und Großbritannien werden wieder gemeinsam die Welt anführen."

Dass ihr Trump nun in den Rücken fällt, erscheint erstaunlich - ist aber Teil einer verzweifelten Strategie des US-Präsidenten.

Trumps letzte Verbündete sind seine Anhänger

Eine Strategie, die Brendan Cox, Witwer der ermordeten Jo Cox, in einem Beitrag für den "Guardian" auf den Punkt brachte.

Cox verurteilte Trumps Verbreitung von Hass und Ausländerfeindlichkeit - aber stellte treffend fest, dass der US-Präsident dadurch seine Anhänger mobilisieren wolle. Tatsächlich seien diese die letzten Verbündeten des US-Präsidenten auf der Welt.

Laut einer Erhebung des Pew Research Centers hat Trump weltweit das Image der USA schwer beschädigt. Der US-Präsident vergrault seine Verbündeten - so nannte Kanzlerin Merkel die USA nach Trumps Wahl nicht mehr "Freund", sondern nur noch Partner.

Und in seinem Heimatland ergeht es Trump nicht besser: Von Umfrage zu Umfrage wird er unbeliebter, so schnell und so dramatisch, wie kein US-Präsident vor ihm.

Trumps einziger Trumpf ist seine Basis, dieser Kern an Anhängern, die ihn für seine Hasskommentare und seinen angeblichen Kampf gegen das System vergöttern. Trumps politische Strategie ist es, diese Basis bei Laune zu halten - und zu hoffen, dass sie im Gegenzug seine Macht erhalten.

Wenn er dafür islamophobe Videos einer Rechtsextremen verbreiten und so ein ganzes Land gegen ihn aufbringen muss, ist das ein Preis, den der US-Präsident bereit ist zu zahlen. Denn wenn es um Macht und Ansehen geht, hört für Trump die Freundschaft auf - auch, wenn diese Jahrzehnte lang gehalten hat.

Mit Material der dpa

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