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30/11/2017 23:05 CET | Aktualisiert 01/12/2017 06:29 CET

"Ein dummer Jungenstreich": SPD-Politiker Scholz rechnet bei "Illner" mit Schmidts Glyphosat-Alleingang ab

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"Ein dummer Jungenstreich": SPD-Politiker rechnet bei "Illner" mit Agrarminister Schmidt ab

  • SPD-Politiker Olaf Scholz hat bei "Maybrit Illner" Agrarminister Christian Schmidt für dessen Glyphosat-Alleingang angegriffen

  • CDU-Mann Altmaier gab zu, Schmidt habe einen Fehler gemacht - glaubte aber nicht, dass die Entscheidung schwere Folgen haben werde

Die Gespräche im Schloss Bellevue, dem Sitz des Bundespräsidenten, dauerten noch an - da sprachen im ZDF bei "Maybrit Illner" Politiker von CDU und SPD über die Möglichkeiten einer Großen Koalition. "Merkels letzte Hoffnung" lautete der Titel der Sendung.

Dieses Mal moderierte Bettina Schausten als Vertretung von Maybrit Illner die Sendung. Wie sehr das Vertrauen zwischen Union und SPD in den vergangenen Tagen gelitten hat, machte Sozialdemokrat Olaf Scholz, Bürgermeister in Hamburg, deutlich.

Er attackierte CSU-Agrarminister Christian Schmidt für dessen Alleingang bei der Abstimmung über den Unkrautvernichter Glyphosat.

"Das machen 16-Jährige"

"Das war ein dummer Jungenstreit", wetterte Scholz. "Das machen 16-Jährige aber nicht ausgewachsene Bundeslandwirtschaftsminister."

Er sei dafür gewesen, gegen die Verlängerung des umstrittenen Unkrautmittels zu stimmen ."Es gibt berechtigte Bedenken", sagte er. Laut einige Studien besteht ein Krebsrisiko bei der Verwendung von Glyphosat, einig ist sich die Wissenschaft in dieser Frage allerdings nicht.

Scholz verwies auf den französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Der hatte angekündigt, das Mittel spätestens in drei Jahren verbieten zu wollen. Scholz lobte die Initiative ausdrücklich.

Für einen Lacher sorgte daraufhin der Journalist Hajo Schumacher. Er war der Meinung, Schmidt habe seine Entscheidung aus Geltungssucht getroffen. "Das waren 15 Minuten Ruhm", spottete er.

Hat Merkel Schmidts Namen vergessen?

Schumacher wandte sich dann an CDU-Kanzleramtschef Peter Altmaier, der ebenfalls mit in der Runde saß. "Ist das ein Gerücht, dass Merkel ihn (Schmidt, Anm.) rausschmeißen wollte? Und dann ist ihr der Name nicht eingefallen?" Die Runde lachte - bis auf Altmaier.

Der CDU-Politiker kanzelte alle Bedenken ab, Kanzlerin Angela Merkel habe ihre Minister nicht mehr unter Kontrolle. "Ich glaube, wir müssen über solche Dinge reden, wenn sie vorkommen. Und wir müssen es versuchen, es soweit wie möglich zu vermeiden.”

Altmaier spielte dann den Ball zurück an die SPD und forderte die Sozialdemokraten auf, jetzt Verantwortung zu übernehmen. "Wir regieren zusammen - und nicht erfolglos, wie ich meine." Er zählte die wirtschaftlichen Erfolge der Großen Koalition auf, das Wirtschaftswachstum und die niedrige Arbeitslosenzahl.

Scholz aber wollte sich dazu nicht äußern - und wollte auch keine Zusage für eine Große Koalition liefern. Natürlich.

Mehr zum Thema: Gift für die GroKo: Wie der Glyphosat-Eklat Merkels Regierungsbildung verbauen könnte

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(jg)