POLITIK
30/11/2017 12:22 CET | Aktualisiert 30/11/2017 13:01 CET

So entlarvte der Kriminologe Christian Pfeiffer bei "Maischberger" die Panikmache der AfD

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Krimonologe Pfeiffer entlarvt bei "Maischberger" die Panikmache der AfD - Weidel hetzt einfach weiter

  • Alice Weidel verdrehte bei ihrem Auftritt in der Talkshow "Maischberger" offensichtlich Fakten

  • Der Kriminologe Christian Pfeiffer wollte das nicht hinnehmen - und schoß zurück

Mit Talkshows hat es die AfD-Politikerin Alice Weidel nicht so. Wenn es ihr zu bunt (oder zu kritisch) wird, dann nimmt sie gerne auch einmal Reißaus.

In der ARD-Sendung "Maischberger" zeigte sich nun, was passiert, wenn Weidel sitzenbleibt: Sie und ihre kruden Überzeugungen werden entlarvt.

Aufhänger bei "Maischberger": Das Attentat auf den Altenaer Bürgermeister Andreas Hollstein und die Frage, ob die deutsche Gesellschaft zunehmend verroht. Für Weidel eine klare Sache: Ja, das tut sie! Schuld sind Merkel, die Flüchtlinge, die kriminellen Ausländer und nochmal Merkel.

Moderatorin Maischberger ließ Weidels Panikmache unwidersprochen durchgehen. Nur der Kriminologe Christian Pfeiffer schritt irgendwann ein - und das in aller Deutlichkeit.

Pfeiffer: "Sie erfinden eine Realität"

"Ich würde gerne ein konkretes Beispiel nehmen, wo Sie die Wirklichkeit sich so basteln, wie Sie sie brauchen, um dann politische Forderungen aufstellen zu können", begann Pfeiffer.

"Gerne, Herr Pfeiffer", antwortete Weidel, in einem Tonfall, als hätte dieser ihr gerade eine Zahnbohrung angeboten.

Der Kriminologe ließ sich nicht beirren: "Ich habe mir heute auf der Herfahrt ihr Parteiprogramm durchgelesen. Und dann steht da, dass die Brutalität unter jungen Menschen so zugenommen hat, dass man einerseits die Strafmündigkeit auf zwölf Jahre herabsetzen sollte und alle Heranwachsenden zwischen 18 und 20 nach Erwachsenenstrafrecht härtesten bestraft werden sollten."

Pfeiffer wies Weidel dann darauf hin: "Die Fakten sind nur völlig anders." Die seien nämlich wie folgt:

Die Kinderkriminalität sei seit dem Jahr 2000 gerade im Gewaltbereich um ein Drittel gesunken.

"Es gibt gar keine Brutalisierung", sagte Pfeiffer. Die Zahl krankenhausreif geschlagener Kinder an deutschen Schulen sei innerhalb von 20 Jahren um 82 Prozent gesunken.

Die durch Jugendliche begangenen Gewaltverbrechen seien im selben Zeitraum und bezogen auf 100.000 Vertreter dieser Altersgruppe um 42 Prozent gesunken.

Pfeiffer führte weiter aus, dass auch der Alkoholkonsum, das Schulabbrechen und auch die Suizidrate unter Jugendlichen stark rückläufig sei. Sein Fazit: "Sie erfinden eine Realität, an die Sie dann politische Forderungen knüpfen, die ein unbedarfter Leser, der das alles gar nicht weiß, dann für richtig hält."

Weidel leugnet die Fakten - und lenkt ab

Da sprang Weidel kurzzeitig der Journalist Jan Fleischhauer bei. Er finde ja auch Sätze im Programm der Linken oder Grünen nicht so gut, aber da müsse man ja nicht drüber diskutieren.

"Aber es geht darum, ob diese Sätze den Fakten entsprechen", erinnerte Moderatorin Sandra Maischberger. Anlass für Fleischhauer, daran zu erinnern, dass ein Berliner AfD-Bezirksabgeordneter den Nazi Reinhard Heydrich loben könne, ohne dass das in der AfD Konsequenzen hätte.

"Es geht hier doch um Jugendkriminalität", lenkte Weidel schnell ab. Dem stimmte Pfeiffer zu: "Es geht darum, dass hier behauptet wird, die Jugend werde immer brutaler, dabei sprechen die Fakten eindeutig dagegen." Die heutige Jugend sei die "bravste, die es je gegeben" habe.

"Das stimmt doch gar nicht", leugnete Weidel die Realität. "Sie können nicht von der Hand weisen, dass das einfach alles erfunden ist", sagte die AfD-Politikerin - ohne zu bemerken, dass sie sich mit diesem Versprecher selbst entlarvte.

Die Gewalt an Berliner Schulen und durch Berliner Jugendliche habe zugenommen, führte Weidel weiter aus. Das stimmt laut neusten Statistiken tatsächlich - ist aber kein Gegenargument für Pfeiffers Feststellung, dass die Jugendgewalt in Deutschland statistisch seit 20 Jahren stark zurückgeht.

"Das stand sogar in der Zeitung", echauffierte Weidel sich. Die sei doch Lügenpresse, belustigte sich Justizminister Heiko Maas über dieses Schauspiel. Weidel reagierte genervt: "Genau das ist das Problem, das man nicht sachlich diskutieren kann."

Die Ironie dieser Aussage blieb ihr verborgen.

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