NACHRICHTEN
30/11/2017 20:16 CET | Aktualisiert 30/11/2017 20:21 CET

Kinderschänder-Dorf in Norwegen: Behörden schauten bei systematischem Missbrauch jahrelang weg

dpa
Kinderschänder-Dorf in Norwegen: Behörden schauten bei systematischem Kindesmissbrauch weg.

  • In der norwegischen Kommune Tysfjord werden 92 Personen verdächtigt, dutzende Kinder missbraucht zu haben

  • Ein unfassbarer Missbrauchsskandal - und die Behörden schauten weg

Die 82 Kinder haben jahrelang Höllenqualen gelitten. Und ihre Familien und die Behörden schauten einfach weg: In Norwegen wird jetzt ein unglaublicher Fall von systematischen Kindesmissbrauch bekannt, in den ein ganzes Dorf verwickelt war.

Die Polizei ermittelt in dem kleinen nordnorwegischen Ort Drag wegen mehr als 150 Fällen von sexuellem Missbrauchs. In der Kommune mit rund 2000 Einwohnern Tysfjord würden 92 Personen der Taten verdächtigt, teilte die Polizei mit. Bislang sind 82 Opfer im Alter zwischen vier und 75 Jahren identifiziert, viele Fälle seien allerdings schon verjährt.

Das jüngste Missbrauchsopfer war erst vier Jahre alt

Allein 40 Mal sollen Kinder missbraucht worden sein, das jüngste von ihnen war erst vier Jahre alt. Ein Verdächtiger soll den Missbrauch damit gerechtfertigt haben, ein Schamane zu sein. Viele Dorfbewohner sind Angehörige der ethnischen Minderheit der Samen, die ihre eigene Religion ausüben, eine spezielle Form des Protestantismus.

Opfer erzählen gegenüber der norwegischen Zeitung "VG", dass das ganze Dorf in den Missbrauch verwickelt war - auch die eigenen Familien. Anzeigen bei den Behörden hatten für die Täter oft kaum Folgen, ein junger Mann berichtet sogar, dass er als Kind trotzdem wieder in die Pflegefamilie gegeben worden sei, in der er sexuell missbraucht wurde.

Ein Opfer, Marion Anne Knutsen, sagte in einem Interview: "Die Übergriffe haben das Leben meiner Mutter zerstört. Zwei Männer haben auch mich missbraucht". Ihre Mutter beging später Selbstmord.

"Die Arbeit der Polizei bis Juni 2016 war nicht gut genug"

Eine andere Frau berichtete, dass sie als Neunjährige vergewaltigt und dann später nochmals mehrmals vor anderen Männern missbraucht wurde, die sie dabei ausgelacht hätten.

Laut Polizei sollen meist 15 oder 16 Jahre alte Mädchen missbraucht worden sein - nach bisherigen Erkenntnissen oft von Familienmitgliedern oder Freunden der Familie.

"Die Arbeit der Polizei bis Juni 2016 war nicht gut genug", betonte Polizeisprecherin Tone Vangen. Damals hatten elf Frauen und Männer den Missbrauch öffentlich angezeigt. Auch wenn viele Fälle Jahre zurücklägen, werde die Polizei nun enger mit Kindergärten, Schulen und Kinderärzten zusammenarbeiten, kündigte Vangen an.

Mit Material der dpa

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

(ll)

Sponsored by Trentino