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30/11/2017 15:56 CET

Journalisten haben mit dem Koch der Kim-Familie gesprochen: So war der Diktator als Kind

KCNA KCNA / Reuters
Journalisten haben mit dem Koch der Kim-Familie gesprochen: So war der Diktator als Kind

  • Die Nachrichtenagentur Reuters hat in einem ausführlichen Porträt beschrieben, wie Kim Jong-un aufwuchs und wie er seine Macht sicherte

  • Darin kommt auch der japanische Chefkoch der Kim-Familie zu Wort - und beschreibt die Kindheit des Diktators

Er ist der wohl gefürchteste Mann der Welt. Und das mit gerade einmal 33 Jahren: Kim Jong-un. Erst am Dienstag wieder provozierte der nordkoreanische Diktator mit einem Raketentest die internationale Gemeinschaft.

US-Präsident Donald Trump bezeichnet Kim gerne als "Wahnsinnigen", aber Experten sind sich einig: Hinter all dem atomaren Wahnsinn seines Regimes steckt Methode.

Auch Aussagen von Wegfährten des Diktators zeichnen das Bild eines Mannes, der früh wusste, wie er seine Macht auf der koreanischen Halbinsel festigen und ausbauen konnte. Journalisten der renommierten Nachrichtenagentur Reuters haben etwa für ein ausführliches Porträt von Kim mit dem ehemaligen Chefkoch der nordkoreanischen Diktatorenfamilie gesprochen.

Seine Erinnerungen geben einen Einblick in die Kindheit von Kim Jong-un - und verraten viel darüber, wie der Machthaber tickt.

Der kleine Kommunist

Kenji Fujimoto, so nennt sich der Koch selbst, bereitete 12 Jahre lang für die Kim-Familie Essen zu. Damals war Kim Jong-uns Vater, Jong-Il, Nordkoreas Anführer. In mehreren Büchern verarbeitete der Japaner seine Erinnerungen an die Zeit mit der Diktatoren-Familie.

2001 gab er nach eigenen Angaben seinen Job auf, damals war Kim Jong-un 17 Jahre alt. Den Kim-Sprössling, das letzte und dritte Kind seines Vaters, beschreibt der Koch laut Reuters als "widerspenstiges, wetteiferndes Kind".

In einem seiner Bücher beschreibt er, wie der kleine Kim wütend auf seine Tante Ko Yong-suk geworden sei - weil sie ihn den "kleinen General" genannte habe, schildert Reuters. Kim aber habe als "Kamerad General" bezeichnet werden wollen. Die kommunistische Doktrin einer Gesellschaft der Gleichen scheint stark in dem jungen Kim ausgeprägt gewesen zu sein.

Ein Denker in frühen Jahren?

Doch Kim erkannte offenbar auch früh, dass die ursprüngliche kommunistische Linie irgendwann ausgedient hatte. Reuters zitiert eine Episode von Fujimoto, die das verdeutlicht.

Während Kim Jong-il weiter freiere Märkte in seinem Land unterdrücken wollte, habe Kim China als Vorbild gesehen. Die Volksrepublik hatte sich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion langsam dem Ausland geöffnet - und die wirtschaftlichen Vorgaben der Partei zurückgefahren.

Während der Schulferien im Jahr 2000 - Kim Jong-un besuchte damals angeblich ein Internat in der Schweiz - habe der Diktatoren-Sohn seinem Vater während eines Gesprächs im privaten Zug der Kims empfohlen, es China gleich zu tun.

"Lass uns reden", zitiert Fujimoto Kim Jong-un. "Ich höre von weiter oben, dass China an vielen Fronten erfolgreich ist. Ingenieurwesen, Handel, Hotels, Landwirtschaft - alles", habe Kim Jong-un gesagt. "Müssen wir uns sie nicht in vielfacher Weise als Vorbild nehmen?"

Tatsächlich strebt Kim Jong-un nicht nur an, sein Land zu einer Atommacht zu machen. Sondern er will auch die Wirtschaft vorantreiben und das Leben seiner Untertanen verbessern. Im Gegensatz zu seinem Vater habe er nach dessen Tod 2011 bei Schwarzmärkten ein Auge zugedrückt, berichtet Reuters.

In der sogenannten Byingjin Doktrin lässt sich die Vision Kims für Nordkorea nachlesen: Diese gibt die "gleichzeitige Entwicklung von Nuklearwaffen und der Wirtschaft" als Priorität Nordkoreas vor - eine klare Abkehr von der "military first"-Strategie Kim Jong-ils, wie der Asien-Experte David Kang im US-Magazin "Foreign Affairs" analysiert.

Mehr zum Thema: Die Welt hält Kim Jong-un für einen irren Diktator - ein Nordkorea-Experte erklärt, warum das ein schwerer Fehler ist

Kim Jong-un als Lego-Liebhaber?

Die Episoden aus den Kindheits- und Jugendjahren zeigen, wie früh Kim Jong-un sich damit beschäftigte, später das Land seines Vaters zu führen.

Viel ist nicht bekannt aus diesen Jahren von Kim. Die "Washington Post" hatte kürzlich versucht, die Kindheit des Diktators zu rekonstruieren. Die US-Journalisten sprachen dafür mit der Tante Kims, die er als Kind anfauchte, weil sie ihn "General Diktator" genannt haben soll.

Ko Yong-su floh Ende der 90er Jahre in die Vereinigten Staaten, wo ihr die CIA eine neue Identität verschaffte - in der Hoffnung, von ihr Informationen über das abgeschottete Regime auf der koreanischen Halbinsel zu erhalten.

Demnach sei Kim Jong-un mit zwölf Jahren nach Bern gezogen. Dort besuchte er die Liebefeld-Steinhölzli Schule - und habe dort auch Deutsch gelernt.

Eine ehemalige Mitschülerin beschrieb den Nordkoreaner gegenüber der "Washington Post" als aggressiven Außenseiter. "Er trat uns in die Schienbeine oder spuckte uns sogar an", berichtete die Frau.

Seine Tante Ko dagegen spricht von einer normalen Kindheit. "Ich habe ihn ermutigt, Freunde nach Hause zu bringen. (…) Sie haben Kuchen gegessen und mit Lego gespielt", sagte sie.

Mehr zum Thema: Weggefährten berichten über Kim Jong-uns Kindheit: Der Diktator sprach Deutsch

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(ujo)