POLITIK
30/11/2017 10:42 CET

"Entgleister Abend": So rechnet die "FAZ" mit Moderatorin Maischberger ab

Screenshot ARD
"Entgleister Abend": So rechnet die "FAZ" mit Moderatorin Maischberger ab

  • In der Sendung “Maischberger” diskutierten die Gäste am Mittwoch über die Verrohung der Gesellschaft

  • Zu Gast waren unter anderem AfD-Politikerin Alice Weidel und der Bürgermeister von Altena, Andreas Hollstein, auf den ein Attentat verübt wurde

  • Für die “FAZ” ist der größte Aufreger des Abends jedoch Moderatorin Maischberger selbst

"Verroht unsere Gesellschaft?“, fragte Sandra Maischberger am Mittwoch in der ARD ihre Gäste. Antworten sollten unter anderem der geschäftsführende Justizminister Heiko Maas, Kriminologe Christian Pfeiffer und AfD-Politikerin Alice Weidel.

Letztere profitierte immens von Maischbergers Moderation. Die FAZ schreibt von einem “entgleisten Abend”.

Schon an der Dekoration des Studios hat Kritiker Hans Hütt etwas auszusetzen. “Im Hintergrund sieht man eine schwer bepackte Menschengruppe von hinten einen Bergweg erklimmen, im Vordergrund ein Grenzschild der Bundesrepublik, darunter die Kilometerangabe 0” beschreibt der Journalist das ARD-Set und fragt sich: “Was sagt dieses Bild? Die Horden sind da? Nach uns die Sintflut? Rette sich, wer kann?”

Für Hütt erzeugt die Text-Bild-Schere den Eindruck eines Zusammenhangs zwischen liberaler Flüchtlingspolitik und dem Attentat auf den nordrhein-westfälischen Bürgermeister Andreas Hollstein. Diesen habe Gastgeberin Maischberger im weiteren Verlauf des Abends befördert, meint der “FAZ”-Autor.

Mehr zum Thema: "Maischberger": SPD-Frau berichtet von ihrer Ehe mit AfD-Politiker - und Anfeindungen aus der eigenen Partei

"FAZ": Maischberger macht sich AfD Positionen zu eigen

In erster Linie kritisiert die “FAZ” die scheinbar unkritische Haltung der Moderatorin gegenüber der AfD-Abgeordneten Alice Weidel.

Maischberger hätte es versäumt, heikle Aussagen Weidels zu hinterfragen, etwa als diese wiederholt behauptete, die Kriminalität von Ausländern in Deutschland sei angestiegen. Als Kriminologe Christian Pfeiffer die genaueren Zusammenhänge erläutern wollte, habe die Moderatorin zudem wenig Interesse an seinen Aussagen gezeigt.

Die Problemgruppe seien diejenigen, die keinen rechtlich abgesicherten Aufenthaltsstatus haben, sagte Pfeiffer. Ausweisungsverfügungen würden nur zu einer Überlastung der Verwaltungsgerichtsbarkeit führen. Sinnvoller empfand Pfeiffer Rückkehrerprogramme, die Migranten eine Perspektive in ihren Herkunftsländern ermöglichen.

Laut “FAZ” habe Maischberger das aber gar nicht so genau wissen wollen. Mehr noch, die Moderatorin habe sich AfD-Politikerin Weidels Argumentation in ihrer Fragestellung gelegentlich zu eigen gemacht, schreibt die “FAZ”.

Autor Hütt schreibt: “Frau Maischberger scheint sich Weidels Vorhaltungen zu eigen zu machen und fragt Jan Fleischhauer, ob die Politik und die Gesetzbrüche der Bundesregierung die Gesellschaft gespalten haben.”

Mehr zum Thema: "Ich habe eine Waffe dabei": AfD-Anhänger will Gast bei "Maischberger" von seiner Partei überzeugen

Für Maischberger fallen auch Hassparolen unter die Meinungsfreiheit

Als problematisch erachtet "FAZ"-Journalist Hütt auch Maischbergers Haltung zum Thema Hasskommentare im Netz.

Der geschäftsführende Justizminister Heiko Maas wollte aufzeigen, wie unterschiedlich soziale Netzwerke mit Hassparolen umgehen. YouTube lösche 90 Prozent beanstandeter Inhalte, Twitter und Facebook wären bei Weitem nicht so konsequent.

Dazu schreibt Hütt: “Frau Maischberger begrüßt diesen Befund, es sei wichtig, dass es differenzierende Meinungen gebe, womit sie scheinbar auch strafbare Äußerungen zu legitimen Meinungen erklärt.”

AfD scheinbar zufrieden mit Maischbergers Moderation

Bemerkenswert erscheint Maischbergers Moderation an diesem Abend aber auch vor dem Hintergrund, dass die AfD sich in den Polit-Talkshows der öffentlich-rechtlichen Sender nicht angemessen vertreten fühlt.

Im Juli sagte der Parteivorsitzende Jörg Meuthen dem Nachrichtenmagazin "Focus": "Wir überlegen gerade, ob wir uns in die Talkshows einklagen. Rechtlich ist das möglich."

Ob es Maischbergers Intention war, oder nicht: Nach der Sendung am Mittwoch scheint die AfD zunächst beschwichtigt. Auf Twitter teilte die Alternative für Deutschland mehrere Tweets des Talkshow Accounts – unkommentiert. Das gibt es selten.

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(jg)

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