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30/11/2017 17:09 CET | Aktualisiert 30/11/2017 17:16 CET

"Was läuft hier verkehrt?" Der entsetzte Brief eines Vaters auf der Suche nach einem Kitaplatz

  • Viele Eltern verzweifeln bei der Suche nach einer Kinderbetreuung

  • Auch der Vater Markus Brandl ist entsetzt über den Wettbewerb um Kita-Plätze

  • Seine aufwühlende Erfahrung teilte er in einem Brief an seinen Sohn

Wer kümmert sich um mein Kind, wenn ich in der Arbeit bin? Wo bringe ich mein Kind unter? Diese und ähnliche Fragen rauben zahlreichen Eltern die Nerven. Denn die Kita-Suche gestaltet sich in vielen Großstädten schwer.

So geht es auch einem Vater aus Köln. Für seinen Sohn sucht Markus Brandl schon seit längerem einen Kita-Platz. Deshalb hat er sich mit seiner Frau eine Kindertagesstätte angesehen. Von seiner aufwühlenden Erfahrung dort berichtet er in einem Brief an seinen Sohn auf Facebook:

"Lieber Paul, gestern haben Mama und ich uns eine Kita für dich angesehen. Wir und ca. 15 weitere Elternpaare." So beginnt der Brief. Dann berichtet der Vater, wie hart umkämpft jeder einzelne Kita-Platz sei. Laut Brandl sei es ein unerträglicher Wettbewerb gewesen.

Die Suche nach einem Platz ist ein Wettbewerb

Die 15 Elternpaare dort hätten versucht, die Leiterin der Kita mit Gehältern und Flexibilität zu überzeugen und versprochen, sich ehrenamtlich für die Kita zu engagieren. Einige Elternpaare hatten sogar einen Familienlebenslauf dabei. "Familienlebenslauf! Herrje, ich wusste noch nicht mal, dass es so etwas gibt", schreibt der aufgewühlte Vater.

Brandl vergleicht die Kita-Suche mit der Wohnungssuche in Köln. Denn auch dort kämpften seine Frau und er um die Wohnung. Eine schlechtere Wohnsituation würde er sogar in Kauf nehmen.

Bei der Kita-Suche möchte er das aber nicht hinnehmen: "Dass sich dieselbe Entwicklung gerade in der Betreuung unserer Kinder, unserer Zukunft abzeichnet, macht mich richtig wütend."

"Erzieher werden nicht genug wertgeschätzt"

Besonders wütend ist er über den abschließenden Satz der Kita-Leiterin: "Sofern Sie keinen Kita-Platz bekommen, können Sie einen Platz ja immer noch einklagen. Steht Ihnen vom Gesetz her ja zu!"

Das ist zwar richtig, jedoch fehlt den meisten Eltern die Zeit und das benötigte Geld für solch eine Klage. "Weihnachten fällt dieses Jahr übrigens aus, das Christkind organisiert dir gerade einen Kita-Platz und braucht dafür ordentlich Taler", ergänzt der Vater sarkastisch.

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Brandl spricht damit etwas an, das viele Eltern erleben. Er ist entsetzt darüber, wie schwierig es im Jahr 2017 noch ist, eine Kinderbetreuung zu organisieren. Und auch darüber, wie wenig Wertschätzung Erziehern entgegengebracht wird.

"Wir zahlen den Erzieherinnen und Erziehern viel zu wenig Lohn, bieten jungen, talentierten Menschen keine Anreize, diesen Beruf zu erlernen. Dabei ist ihre Verantwortung so groß, ihr Wissen so wichtig."

Der Vater hofft, dass sich diese Situation geändert haben wird, wenn Paul den Brief lesen wird. Er wünscht sich, dass es dann genügend Raum für Kinder gibt und die Erzieher ordentlich bezahlt werden. "[Ich hoffe,] dass sie respektiert und ja, bewundert werden."

Für Aufmerksamkeit hat er allemal gesorgt. Brandls Post wurde bereits mehr als 20.000 Mal geteilt.

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(lk)