POLITIK
29/11/2017 10:30 CET | Aktualisiert 29/11/2017 10:31 CET

Interview mit "Sputnik": Wie sich SPD-Mann Ralf Stegner zum Helfer für Putins Propaganda macht

Axel Schmidt / Reuters
Interview mit Sputnik-News: Wie sich SPD-Mann Ralf Stegner zum Helfer für Putins Propaganda macht

  • SPD-Vize Ralf Stegner hat am Montag der russischen Nachrichtenseite "Sputnik" ein Interview gegeben

  • Damit hat sich ein weiterer führender Sozialdemokrat zum Helfer von Putins Propaganda gemacht

Der Kontrast könnte größer kaum sein.

Als Emmanuel Macron im Mai gefragt wurde, warum er die russischen Nachrichtenportale "RT", das frühere "Russia Today", und Sputnik im Wahlkampf geschnitten habe, sprach der frisch gewählte französische Präsident Klartext: Für ihn verbreiten die beiden Kanäle, die in vielen Ländern der Welt aktiv sind, nichts als "Lügenpropaganda".

"Wenn Presse-Unternehmen verleumderische Unwahrheiten verbreiten, dann sind sie keine Journalisten, sondern Mittel der Einflussnahme“, polterte Macron.

Zu solch eindeutigen Tönen ringen sich in Deutschland leider nur wenige Politiker durch. Ganz im Gegenteil: Führende Sozialdemokraten hofieren "RT" und "Sputnik" regelrecht - indem sie die Nachrichtenseiten mit Interviews aufwerten. Zuletzt etwa sprach Partei-Vize Ralf Stegner mit der Nachrichtenseite "Sputnik".

Stegner macht sich zum Helfershelfer von Putins Propaganda

"Sputnik", das ebenso wie "RT" zum staatlichen Medienunternehmen Rossija Sewodnja gehört, feiert ein Interview des streitbaren Links-Auslegers der SPD zur möglichen Großen Koalition auf seiner Seite mit den Großbuchstaben "EXKLUSIV".

Schon das macht deutlich, worum es Putins Infokriegern geht: Sich aufzuwerten durch zumindest vermeintlich wichtige Gesprächspartner.

Bei genauerem Betrachten entpuppt sich das Interview als ein 56-Sekunden-Gespräch.

Nicht auszuschließen also, dass Stegner etwa vor der Parteizentrale von einem Reporter von "Sputnik" abgefangen wurde, und sich möglicherweise gar nicht so recht klar war, wem er da auf seine Fragen antwortete.

Aber sollte Stegner in die Irre geführt worden sein, hätte er genügend Zeit gehabt, das öffentlich klipp und klar festzustellen.

Spätestens mit seinem Schweigen macht sich Stegner aber zum Helfershelfer von Putins Propaganda, die sich gegen sein eigenes Land richtet. Der Partei-Vize ist nicht der einzige führende Sozialdemokrat, der sich mit den russischen Propaganda-Helfern abgibt.

Stegner macht sich zum Helfershelfer von Putins Propaganda

Sigmar Gabriel, der als Außenminister eigentlich besonders gut über ausländische Propaganda Bescheid wissen sollte, gab "RT" im Wahlkampf 2017 gleich zwei Interviews.

Auf die Frage von "Spiegel Online", ob das der Versuch sei, noch Wählerstimmen zu gewinnen, antwortete der Außenminister:

"Wenn es so wäre, was wäre daran auszusetzen? Wir müssen uns doch als deutsche Politiker daran gewöhnen, dass es nicht nur unsere etablierten Medien gibt. Zum einen sind da die sozialen Netzwerke, zum anderen auch ausländische TV-Sender, die Programme in deutscher Sprache machen. Wir reden auch mit anderen, wie mit Al Jazeera, und warum nicht auch mit chinesischen Sendern? Und zu 'RT': Deren Zuschauer will ich jedenfalls nicht der AfD überlassen."

Hat Gabriel bemerkt, dass er damit eigentlich eine Bankrotterklärung der deutschen Politik verkündet hat? Wenn er wirklich glaubt, eine bedeutende Zahl von Wählern sei nur noch über ausländische Propaganda-Medien erreichen, sollte er dringendst die gesamte Öffentlichkeitsarbeit von Regierung und Partei auf den Prüfstand stellen.

Gabriel bewies im gleichende Interview auch erschreckende Inkompetenz. Er sagte über "RT": "Jedenfalls erreiche ich da Menschen russischer Herkunft, die bei uns in Deutschland leben und nicht 'Spiegel Online' lesen."

Propaganda-Instrumente im Dienste des Kremls

"RT" ist das Auslands-Propaganda-Instrument des Kremls, während Moskau die in Deutschland lebenden Russischsprachigen über seine russischsprachigen Medien ins Visier nicht. Eben nicht über "RT", das auf Nicht-Russen zugeschnitten ist.

"Spiegel Online" hakte nach. Auch mit anderen umstrittenen Medien würde Gabriel neue Leserschichten erreichen – tue es aber nicht: "Das würden Sie mit der rechts-nationalen 'Jungen Freiheit' wohl auch schaffen, trotzdem geben Sie denen kein Interview."

Auch hier offenbarte Gabriels Antwort pures Unwissen: "'RT' ist nicht die 'Junge Freiheit'. Wir haben doch als deutsche Demokraten ein Interesse daran, dass auch in autoritären Staaten unsere Stimme gehört wird."

Nochmal: RT wie Sputnik sind ein Propagandainstrument des Kremls für das Ausland – und ein ungeeigner Kanal, wenn man seine Stimme in Russland gehört haben will.

Ob Gabriel - und auch Stegner - wirklich so inkompetent ist oder als enger Freund von Putins Kumpel Gerhard Schröder einfach nur einen Schmusekurs mit Moskau fährt, sei dahingestellt.

Putins nützliche Idioten

In der Gerassimow-Doktrin gibt Russlands ranghöchster Militär, Waleri Gerassimow, ganz offen zu, dass sich die Grenzen zwischen Krieg und Frieden auflösten, und die neuen Kriege geführt wurden mit Hilfe von "breit gestreutem Einsatz von Desinformationen", "die in Verbindung mit dem Protestpotential der Bevölkerung zum Einsatz kommen".

"RT" ist dabei ein Werkzeug Moskaus in just jenem hybriden Krieg, den Gerassimow beschreibt. Sollten die SPDler hier noch Aufklärungsbedarf haben, bräuchten sie nur Macrons Zitate durchlesen.

Oder in der "Neuen Zürcher Zeitung" nachschlagen.

Unter der Überschrift "Der Lange Arm des Kreml" berichtet das Blatt von einer Studie, die "RT"-Strategien als Plattform der Unzufriedenen im Westen analysiert hat. Titel der Studie: "Die Kreml-Plattform für 'nützliche Idioten' im Westen."

Zu einem solchen hat sich mit dem Interview vom Montag gerade auch Ralf Stegner gemacht.

Mehr zum Thema: Propaganda, Lügen, Machtkämpfe: So sichert sich Wladimir Putin seinen Einfluss

Die Majestätsbeleidigung: Eine persönliche Begegnung mit Putin zeigt, was in Russland schief läuft

Diese 14 Dinge kann jeder Deutsche tun, um Wladimir Putin zu stoppen

Psychoterror, Medienattacken und Morddrohungen: Das gefährliche Leben der Putin-Kritiker

Putins Fight Club: Wie der Kreml in Europa Kämpfer für einen geheimen Krieg rekrutiert

Die 10 Propagandamythen des russischen Präsidenten Wladimir Putin

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Sponsored by Trentino