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29/11/2017 16:55 CET

Darum geht Daniel Day-Lewis in Hollywood-Rente

Daniel Day-Lewis lässt keinen Zweifel daran, dass es ihm mit der Hollywood-Rente ernst ist

Daniel Day-Lewis (60, "Gangs of New York") gilt als einer der besten Schauspieler der Filmgeschichte. Umso schwerer wiegt seine Entscheidung aus dem Juni dieses Jahres, nach seinem anstehenden Film "Der seidene Faden" dem Schauspielfach für immer den Rücken zu kehren. Jetzt, knapp ein halbes Jahr später, hat der Ausnahme-Mime in einem bemerkenswerten Interview mit dem "W Magazine" erklärt, wieso er nicht anders konnte, als die Reißleine zu ziehen.

Eine entscheidende Rolle habe dabei der Film "Der seidene Faden" gespielt, der nun sein letzter sein soll: "Bevor ich den Film gemacht habe, wusste ich selbst noch nicht, dass ich mit der Schauspielerei aufhören werde", so Day-Lewis. Doch das Drama von Paul Thomas Anderson (47) über den berühmten Schneider Reynolds Woodcock habe etwas in ihm unwiderruflich verändert: "Ich weiß noch, dass Paul und ich viel gemeinsam gelacht haben, bevor wir den Film drehten. Und dann hörten wir auf zu lachen, weil wir beide von einem Gefühl der Trauer übermannt wurden. Das hat uns beide überrascht: Wir hatten nicht realisiert, was wir da auf die Welt gebracht haben. Es war schwer damit zu leben und das ist es noch immer."

Als "Der letzte Mohikaner" können Sie Daniel Day-Lewis hier sehen

Warum ihn der Film über einen begabten Schneider mit einer derartigen Trauer erfüllt, wird wohl erst vollends ersichtlich, wenn man ihn auch gesehen hat. Die Trailer zu dem Streifen lassen aber auf einen eindringlichen und psychologisch anspruchsvollen Seelenstriptease der Hauptfigur schließen - vielleicht zu viel für den Mimen, der sich stets zu 100 Prozent mit seinen Figuren identifiziert. Das kontrollierte und durchgeplante Leben seiner Figur Reynolds Woodcock wird darin durch eine junge Frau immerhin komplett auf den Kopf gestellt. Möglich, dass er sich deshalb auch privat nach einem Lebenswandel sehnte.

Kein Rückzieher vom Rückzieher

Es scheint, als habe der mitunter manische Method-Actor die Leidenschaft für seine einstige Liebe verloren, wenn man seinen Ausführungen weiter folgt: "Ich muss an den Wert von dem glauben, was ich tue. Arbeit kann lebensnotwendig sein. (...) Und wenn das Publikum sie einem abkauft, sollte das gut genug für mich sein. Aber zuletzt war es das nicht mehr." Wohl auch deshalb habe er vor, den fertigen Film "Der seidene Faden" zu meiden: "Den Film nicht ansehen zu wollen, ist mit der Entscheidung verknüpft, nicht mehr als Schauspieler arbeiten zu wollen."

Zu rütteln gibt es an seinem Rückzug offenbar nichts. Er habe im Juni extra ein Statement veröffentlicht, um sich selbst die Tür nach Hollywood zuzuschlagen: "Ich wollte eine klare Grenze ziehen und nicht in ein weiteres Projekt gezogen werden. Mein ganzes Leben habe ich darüber gesprochen, dass ich mit der Schauspielerei aufhören sollte. Ich weiß nicht, was dieses Mal anders war. Aber der Impuls aufzuhören, hatte sich so tief in mir verwurzelt, dass es zu einem Zwang wurde. Etwas, das ich tun musste."

Seine unnachahmliche Leinwandpräsenz wird in Zukunft sicherlich schmerzlich vermisst werden. Der als introvertiert und zuweilen schwierig geltende Day-Lewis ist aktuell der einzige Schauspieler, der dreimal einen Oscar als bester Hauptdarsteller gewinnen konnte ("Lincoln", "There Will Be Blood", "Mein linker Fuß"). Ab dem 25. Dezember 2017 wird sein letzter Film "Der seidene Faden" in den deutschen Kinos anlaufen.

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