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28/11/2017 22:41 CET | Aktualisiert 28/11/2017 22:53 CET

13 beunruhigende Fakten zeigen, dass die Demokratie in Sachsen ein Problem hat

Fabrizio Bensch / Reuters
16 beunruhigende Fakten zeigen, wie groß das Rechtsextremismus-Problem in Sachsen ist

  • Für eine Studie haben Wissenschaftler Menschen in Sachsen zu rassistischen und rechtsextremen Einstellungen befragt

  • Das Ergebnis der Forscher ist düster: Eine Mehrheit der Sachsen wird von Überfremdungsängsten geplagt

Es war eine der bittersten Lehren aus der Bundestagswahl: Noch immer scheinen die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland, Jahre nach der Wiedervereinigung, riesig zu sein - zumindest in den Köpfen der Menschen.

In Ostdeutschland erreichte die AfD ihre besten Ergebnisse, in Sachsen waren die Rechtspopulisten gar die stärkste Partei nach Zweitstimmen.

Nach den Pegida-Märschen und nach Angriffen auf Politiker in den vergangenen Jahren legte das Wahlergebnis vor allem eines offen: Der Osten der Bundesrepublik ist radikaler als der Westen, rechtes Gedankengut scheint dort stärker verbreitet zu sein.

Eine neue Studie bestätigt diese Sicht nun für das Bundesland Sachsen. Zum zweiten Mal erhebt die Regierung dort mit dem sogenannten "Sachsen-Monitor" eine repräsentative Studie zu den Ansichten der Menschen. Die Ergebnisse sind erschreckend:

Hier sind 13 beunruhigende Fakten aus dem "Sachsen-Monitor":

1. Viele Sachsen halten "Überfremdung" durch Ausländer oder Asylbewerber für das größte Problem in ihrem Bundesland. Das sagten 17 Prozent der Befragten, keine Antwort wurde häufiger genannt. Dahinter folgen Arbeitslosigkeit (14 Prozent) und Lehrermangel (13 Prozent).

2. Insgesamt stimmen 56 Prozent der Befragten der Aussage zu, Deutschland sei durch "die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet". Das sind zwei Prozentpunkte weniger als bei der Befragung im vergangenen Jahr.

3. Im Gegensatz zu 2016 haben die Forscher nun auch gefragt, ob die Sachsen überhaupt Kontakte zu Ausländern haben. Das Ergebnis: Nur 17 Prozent der Menschen mit ausländerfeindlichen Ansichten haben auch Kontakt zu Ausländern - Vorurteile entstehen wohl hauptsächlich durch die Medien, nicht durch direkte Kontakte, schreiben die Forscher der Studie.

4. Aber: 37 Prozent der Befragten, die sich selbst der Unterschicht zuordnen, finden, dass ihre "persönliche Wohnumgebung" überfremdet sei. Mit 41 Prozent geben aus dieser Gruppe auch überproportional viele Menschen an, häufig oder manchmal Kontakte mit ausländischen Menschen in der Nachbarschaft zu haben. Das zeige, schreiben die Forscher, "dass in vielen Städten Geflüchtete in Stadtteilen mit ohnehin schon großen sozio-ökonomischen Problemen untergebracht wurden."

5. 62 Prozent fordern ein "hartes und energisches Durchsetzen deutscher Interessen" international. Im Vergleich zum vergangenen Jahr sind das neun Prozentpunkte mehr.

6. Immer noch 41 Prozent der Menschen - 21 Prozentpunkte weniger als 2016 - wollen eine "einzige starke Partei, die die Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert".

7. 15 Prozent halten die Deutschen "anderen Völkern von Natur aus überlegen".

8. Auch homophobe Einstellungen sind laut der aktuellen Studie stark verbreitet. 36 Prozent meinen, Homosexualität sei "unnatürlich". Vier Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

9. Immer noch 62 Prozent sind der Meinung, dass die meisten in Deutschland lebenden Muslime unsere Werte nicht akzeptieren würden. Das sind allerdings sieben Prozentpunkte weniger als 2016.

10. 38 Prozent fordern, dass Muslimen die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden sollte.

11.57 Prozent der Befragten mit Hauptschulabschluss oder ohne Schulabschluss glauben, dass es in Deutschland ungerecht zugeht.

12. Menschen, die sich der Unterschicht zu ordnen, glauben nicht, sozial aufsteigen zu können. In dieser Personengruppe sind nur 20 Prozent der Meinung, ein Aufstieg sei möglich. Zum Vergleich: In der oberen Mittelschicht gaben 68 Prozent an, sehr gute bis gute Aufstiegschancen zu haben.

13. Die Zahlen zeigen auch: Die These, dass persönliche Kränkung für die besondere Situation in Sachsen nach der Wende verantwortlich sei, wird von der Studie gestützt. 61 Prozent der Befragten geben an, dass die Leistungen der Ostdeutschen für den Ausbau der neuen Bundesländer zu wenig geschätzt werden würden.

Doch es gibt auch Zahlen, die Hoffnung machen:

Insgesamt stieg im Vergleich zum vergangenen Jahr die Zufriedenheit mit und das Vertrauen in die Demokratie. 60 Prozent sind sehr oder eher zufrieden damit, wie die Demokratie in der Bundesrepublik funktioniere. 9 Prozentpunkte mehr als 2016.

Auch persönlich bewertet die überwiegende Mehrheit der Befragten die eigene Situation und die Zukunftsaussichten als gut. Insgesamt 76 Prozent geben sich optimistisch.

78 Prozent bewerten die eigene wirtschaftliche Lage als "sehr gut", fünf Prozentpunkte mehr als noch vor einem Jahr.

Auch wenn die Zufriedenheit ins Sachsen insgesamt gestiegen ist und rassistische Einstellungen leicht zurückgingen, ist das Fazit der Forscher dennoch düster: "Sachsen hat ein Problem mit rechtsextremem Denken."

Der Staatskanzleichef Fritz Jaeckel (CDU) sagte dazu: "Wir dürfen nicht nachlassen in unserem Bemühen, Extremismus zurückzudrängen und die Menschen für das freiheitliche und demokratische Gemeinwesen zu gewinnen."

Mit Material der dpa.

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(lp)

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