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28/11/2017 18:37 CET | Aktualisiert 29/11/2017 23:18 CET

77-Jährige hat nicht mal Radio oder Fernseher - so knallhart geht die GEZ gegen sie vor

  • Eine 77-jährige Rentnerin besitzt weder Fernseher noch Radio

  • Nun wird ihre Rente gepfändet, weil sie die Rundfunkgebühr nicht gezahlt hat

  • Im Video oben: ARD und ZDF hetzen Inkasso-Büros auf Gebührenverweigerer

Jeder Deutsche kennt ihn und viele Deutsche fürchten sich vor ihm: Dem ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice.

Von vielen noch immer GEZ (Gebühreneinzugszentrale) genannt, treibt die öffentlich-rechtliche Organisation die Rundfunkgebühren ein. Wie gnadenlos dabei vorgegangen wird, zeigt aktuell der Fall einer 77-Jährigen aus Wismar.

Ursula Gierke ist Rentnerin und besitzt nach eigener Aussage weder einen Fernseher noch ein Radio. ”Ich habe elf Kinder großgezogen und immer gearbeitet. Ich brauche keinen Fernseher“, sagte Gierke in der “Ostsee-Zeitung”. Dennoch wurde nun ihre Rente gepfändet – weil die Seniorin jahrelang keinen Beitragsservice zahlte.

Fernseher oder nicht - spielt keine Rolle

Denn: Für die Eintreiber des Beitragsservice spielt es keine Rolle, ob jemand einen Fernseher besitzt oder nicht. Seit 2013 gibt es eine Wohnungspauschale, die in der Regel alle deutschen Haushalte entrichten müssen.

Seit 2015 sind das immerhin 17,50 Euro pro Monat. Ausnahmen gelten zum Beispiel für Menschen mit Behinderung, von denen noch 5,83 Euro monatlich verlangt werden. Völlig von der Gebühr ausgeschlossen sind Sozialhilfeempfänger, Arbeitslose oder Bezieher von Grundsicherung.

Zahlen muss also fast jeder, auch Menschen wie Ursula Gierke, die nie einen Fernseher besessen haben. Gierkes Rente wurde nun gepfändet - 95 Euro im Monat, bis die Schuld getilgt ist, die sie seit Bestehen der Regelung angehäuft hat. Für die Rentnerin viel Geld.

Der Fall von Frau Gierke ist dabei kein Einzelfall. Jeder Zehnte Haushalt hat Probleme mit dem Beitragsservice, rund 4,9 Millionen Mahnverfahren oder Vollstreckungen gab die Einrichtung Ende 2015 in einer Statistik an.

Oft werden Gehälter oder Konten gepfändet, in manchen Fällen sogar Autos.

Das Vorgehen ist gnadenlos

Immer wieder gibt es auch Menschen, die wegen versäumter Zahlungen sogar ins Gefängnis gehen: Wie der Fall der zweifachen Mutter Mandy Bock aus Eisfeld in Thüringen.

Das teilweise gnadenlose Vorgehen bei der Vollstreckung hat auch damit zu tun, dass immer häufiger Inkasso-Unternehmen das Eintreiben der Gebühren übernehmen.

Eins ist zumindest sicher: Die Skepsis, die viele Deutsche gegenüber dem Rundfunkbeitrag haben, wird durch Zwangsmaßnahmen, wie im Falle der Rentnerin Gierke, wohl kaum abnehmen.

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