POLITIK
28/11/2017 17:43 CET | Aktualisiert 28/11/2017 18:16 CET

Eine Paartherapeutin erklärt, wie die zerrüttete Beziehung zwischen Union und SPD noch zu retten ist

Reuters

  • Eine Neuauflage der Großen Koalition wird mit jedem Tag wahrscheinlicher

  • Doch in der Beziehung von Angela Merkel und Martin Schulz kriselt es

  • Eine Paartherapeutin erklärt, unter welchen Bedingungen die GroKo funktionieren kann

Kanzlerin Angela Merkel hat es gerade nicht leicht. Ihr potenzieller Partner, die FDP, hat sie im Stich gelassen und die Jamaika-Verhandlungen unerwartet abgebrochen. Es ist, als hätte Christian Lindner sie direkt vor dem Altar sitzen gelassen. Jetzt hat Deutschland auch neun Wochen nach der Wahl noch keine Regierung.

Wenn die Kanzlerin nun keine Neuwahlen oder eine Minderheitsregierung will, bleibt ihr nichts anderes übrig, als eine neue Beziehung wieder aufleben zu lassen, eine Große Koalition mit der SPD - und wahrscheinlich Martin Schulz.

Klar, der ist nicht gerade ihre große Liebe. Und auch Schulz freut sich auf eine GroKo ungefähr so sehr wie auf den Besuch bei den verhassten Schwiegereltern. Eher als einer Traumhochzeit gleicht die Neuauflage der GroKo jetzt der Situation um fünf Uhr morgens im Club: Man muss den Partner nehmen, der noch da ist. Restesondierung sozusagen.

Aber die Sondierungen haben noch nicht einmal begonnen, da kracht es schon zwischen den potenziellen GroKo-Partnern. Wenn es so weiter geht, wird es nicht mehr lange dauern und die SPD und die Union werden sich gegenseitig mit dem Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat vergiften.

Aber immerhin: Es gibt auch Schnittmengen. Und die Hoffnung darauf, dass die Große Koalition doch noch gelingen kann.

Die Münchner Paartherapeutin Juliette Boisson zumindest ist zuversichtlich. Sie sagt: Die Beziehung zwischen Merkel und Schulz könnte noch zu retten sein. Aber nur unter einer Bedingung: Merkel und Schulz müssen sich auf Kompromisse einlassen und wieder zueinander finden.

Das sind ihre Tipps für Merkel und Schulz:

"Was ihnen gerade fehlt, ist eine Haltung der Vernunft", sagte Boisson der HuffPost. "Sie gehen da viel zu emotionsgeladen ran. Es gibt in jeder Ehe oder Beziehung Dinge, die nicht so romantisch sind. Aber es gibt immer auch Gemeinsamkeiten. Darauf sollten sie sich besinnen. Und sie sollten auch an ihre Kinder, an uns, das Volk, denken."

Die Paartherapeutin will zwar niemandem vorschreiben, nur wegen der Kinder zusammenzubleiben. Denn eine Trennung sei völlig legitim, sagt sie. Und: Wenn die Ehe zu schlecht verlaufe, dann würden das die Kinder ohnehin merken - also in diesem Fall wir - und unter den Konsequenzen leiden.

Und dennoch: Es gebe viele Möglichkeiten, das Feuer der Liebe neu zu entfachen. Selbst Merkel und Schulz könnten neue Leidenschaft in ihre potenzielle Partnerschaft bringen - wenn sie sich nur ein bisschen anstrengen würden.

Mehr zum Thema: Die Grokostrophe: Warum ein Bündnis aus Union und SPD ein Desaster für Deutschland wäre

"Die beiden müssen sich bewusst miteinander auseinandersetzen", rät die Beziehungsexpertin. "Sie sollten nicht im Alltag gefangen sein und mal was Schönes zusammen unternehmen. Das kann ein nettes Abendessen oder ein schönes Wochenende sein - oder nun ja, im Falle der beiden vielleicht zumindest eine besonders schöne Sitzung."

Denn auch während der Arbeit könnten die beiden wieder zueinanderfinden, glaubt Boisson. Der Schlüssel dazu laute: gegenseitige Wertschätzung.

"Merkel könnte beziehungsgestört sein"

"Sie sollten sich gegenseitig loben und ihr Selbstbewusstsein stärken", rät die Expertin. Und dabei gehe es nicht allein darum, Sympathiepunkte zu gewinnen, denn: "Je selbstbewusster der Partner ist, desto offener ist er auch und desto eher lässt er sich auf Verhandlungen ein", erklärt sie.

Merkel und Schulz sollten sich also ruhig gegenseitig schmeicheln - aber übertreiben sollten sie es auch nicht. Immerhin geht es ums Geschäft. Außerdem könne auch Abstand Leidenschaft entfachen, sagt Boisson.

"Und wenn man sich dann doch oft sieht, ist es wichtig, den Partner immer wieder zu überraschen. In einer Beziehung könnte das zum Beispiel mit einem neuen Sextoy sein. Merkel und Schulz könnten sich gegenseitig vielleicht durch eine neue Art der Kommunikation überraschen."

Mehr zum Thema: Kann die GroKo gelingen? Wo sich Union und SPD einig sind - und wo nicht

Kommunikation sei ohnehin das Wichtigste in einer Partnerschaft, gerade in dieser. Denn Schulz habe es mit Merkel nicht leicht, weil sie immerhin gerade erst verlassen worden sei - von der FDP und Christian Lindner.

"Sie könnte dadurch beziehungsgestört sein", sagt Boisson. "Denn unsere alten Erfahrungen prägen uns. Wenn ich gerade verlassen worden wäre, würde ich meinem neuen Partner ganz ehrlich sagen: Du, wenn ich mich mal irrational verhalte, dann kann es daran liegen."

"Auch Polygamie wäre möglich"

Der Beziehungscoach kann sich gut vorstellen, dass Merkel nun Verlustängste entwickelt hat. Umso wichtiger sei es nun, dass ihr neuer Partner, Schulz, Verständnis und Rücksicht zeige.

Entscheidend sei auch, dass keiner der beiden versuche, den anderen zu ändern. "Ich kann meine eigene Haltung gegenüber einem bestimmten Verhalten meines Partners ändern, aber nicht die Haltung meines Partners", weiß die Therapeutin aus Erfahrung.

Am glücklichsten seien ihrer Meinung nach die Paare, die sich so akzeptieren, wie sie sind. Und die sich vertrauen. Das sei immer ein Risiko, denn für Vertrauen gebe es keine Garantie. Aber es sei die einzige Möglichkeit, eine Beziehung zu führen.

Im Falle von Merkel und Schulz könnte sich die Paartherapeutin durchaus auch Polygamie oder eine offene Beziehung vorstellen, also in diesem Fall eine Minderheitsregierung. Aber raten würde sie dazu niemandem. "Aus meiner Erfahrung als Paartherapeutin ist es so, dass eine offene Beziehung immer nur von einer Person ausgeht. Es kommt sehr selten vor, dass wirklich beide Partner sagen, sie hätten überhaupt kein Problem damit", sagt sie.

Therapeutin sicher: "Es kann funktionieren"

Der Beziehungscoach sieht deshalb nur einen Ausweg für die Beziehung von Merkel und Schulz: Sie müssen das Risiko eingehen, die positiven Eigenschaften des anderen sehen und sich auf eine Große Koalition einlassen. Was für einen Erfolg spreche, sei, dass die Union und die SPD sich gut kennen. Sie hätten immerhin schon viele Legislaturperioden zusammen verbracht. Die Therapeutin sieht Potenzial.

"Wenn beide endlich ihr Ego zurückschrauben, dann kann das auch funktionieren", sagt sie.

"Nur wenn der Mensch eine Form von Risiko eingeht, kann eine kreative Beziehung entstehen. Wenn alle die Hosen vollhaben, geht auch nichts. Man muss den Mut haben zu sagen: Ich investiere jetzt in etwas, von dem ich nicht weiß, ob es was wird."

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(lk)

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