POLITIK
28/11/2017 07:53 CET | Aktualisiert 28/11/2017 08:01 CET

"Hart aber fair": CDU-Politiker Spahn verteidigt Merkel erst, als Moderator Plasberg ihn dazu auffordert

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Jens Spahn findet, dass Angela Merkel viel Verantwortung übernimmt - sagt es aber erst, wenn man ihn fragt

  • Bei "Hart aber fair" werden die Führungsqualitäten von Kanzlerin Angela Merkel in Frage gestellt

  • CDU-Politiker Jens Spahn hört sich die Vorwürfe zunächst ruhig an

  • Erst als Moderator Plasberg ihn auffordert, Merkel zu verteidigen, reagiert Spahn - und lenkt bald darauf ab

Deutschland wartet auf die nächste Große Koalition. Weil sich die SPD aber noch ziert, ihren gerade erst angewärmten Platz auf der Oppositionsbank zu räumen, befindet sich die Republik im Wartezustand.

Eine Hochphase für die Talkshow-Runden im Land: Am Montag war Frank Plasberg an der Reihe, das vor-großkoalitionäre Vakuum mit angeregten Was-Wäre-Wenn-Diskussionen zu füllen.

"Zwangsheirat mit Angela - ist die Große Koalition so schlimm?" hatte Plasbergs Redaktion die Sendung genannt - und mit der geschäftsführenden Arbeitsminister Katarina Barley und dem CDU-Politiker Jens Spahn zwei Vertreter der alten und vielleicht auch zukünftigen Großen Koalition eingeladen.

Dass Letztere nun (schon) wieder Zustande kommen könnte, machte Barley auch an einer Eigenschaft der Bundeskanzlerin fest: Angela Merkel mangele es an Führungsqualitäten. Ein Angriff, der Moderator Plasberg mehr zu treffen schien als Merkels Parteikollegen Spahn.

Barley: "Merkel müsste tun, was sie zwölf Jahre vermieden hat"

Barley hatte der Kanzlerin vorgeworfen, sie würde sich an keine Minderheitsregierung oder ein Kenia-Bündnis zwischen Union, SPD und Grünen mit wechselnden Mehrheiten wagen, weil sie in solchen Konstellationen klar Stellung beziehen müsste.

"Dann müsste sie das tun, was sie zwölf Jahre vermieden hat: Sie müsste nämlich führen, dann müsste sie sagen was sie will." Der Journalist Dieter Krause schmunzelte da: "Das wäre natürlich eine Katastrophe, ist wahr."

Jens Spahn nahm die Attacke hingegen stoisch hin - bis Plasberg sich einschaltete. Der musste den CDU-Mann erst einmal daran erinnern, dass dies doch ein perfekter Moment für diesen sei, die Kanzlerin zu verteidigen. Ein wenig ertappt - "Keine so einfache Übung für Herrn Spahn", warf der Schauspieler Ulrich Matthes ein - tat das Spahn dann auch.

Spahn verteidigt Merkel spät - und fährt dann den Gegenangriff

"Wenn überhaupt jemand Garant für Stabilität und Verantwortungsübernahme ist in diesem Land, dann ja wohl Angela Merkel", sagte der CDU-Politiker. "Das zeigt sich in diesen Tagen einmal mehr."

Den Vorwurf Barleys, das Merkel dies aber "ohne jeden eigenen Inhalt" tue, überhörte er bewusst. Und die launige Anmerkung Krauses, dass Merkel damit ja nur ihre Pflicht erfüllt habe, tat er als niveaulos ab.

Mehr zum Thema: "Liegt es vielleicht an Ihnen?": Ein Journalist stellt Merkel eine freche Frage – die Kanzlerin reagiert souverän

"Frau Barley versucht sich hier schon wieder rauszumogeln", ging Spahn dann zum Gegenangriff über. "Die Frage ist: Will die SPD eine Große Koalition, oder nicht?" Er verstehe, dass Barley diese Frage nicht abschließend beantworten könne - die Sozialdemokraten müssten es aber in den nächsten Tagen tun.

"Wir sind auch nicht bang vor einer Situation wo Sie sagen, wir wollen nicht", sagte Spahn, "aber ich finde, das sollten sie dann vor dem deutschen Wähler auch dokumentieren."

Schon war der Spieß umgedreht und Barley sah sich genötigt, ihre Partei in Schutz zu nehmen. Spahn hatte Merkels Ehre als Kanzlerin verteidigt - wenn auch etwas halbherzig.

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