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28/11/2017 16:13 CET | Aktualisiert 28/11/2017 16:43 CET

Macron reist nach Afrika – schon vor seiner Ankunft schlägt dem Franzosen eine Welle der Wut entgegen

POOL New / Reuters
In Burkina Faso erlebt Macron, dass selbst er Frankreichs Geschichte nicht weglächeln kann

  • Der französische Präsident reist derzeit durch Afrika

  • In Burkina Faso wurde er am Dienstag mit Steinwürfen und brennenden Barrikaden empfangen

Rauch steigt auf, Flammen schlagen hoch. “Nieder mit dem Kolonialismus”, rufen die Studenten in Burkina Fasos Hauptstadt Ouagadougou. Sie haben Barrikaden angezündet.

Später wird hier an diesem Dienstag an der Universität der französische Präsident Emmanuel Macron erwartet. Er will eine Grundsatzrede zur französischen Afrika-Politik halten.

Wie für sein eigenes Land hat der junge Politiker auch für den afrikanischen Kontinent einen weitgehenden Reformplan. Macron will für eine Erneuerung der Beziehungen zwischen Frankreich und der ehemaligen Kolonie Burkina Faso eintreten, so wird erwartet.

Doch der Neustart dürfte dem Franzosen schwerfallen. Die Unterdrückung der vergangenen Jahrhunderte ist nicht vergessen - das zeigen die Bilder vor und während Macrons Ankunft in Burkina Faso.

Zwei Anschläge in wenigen Stunden

Bereits in der Nacht von Montag auf Dienstag ist ein Fahrzeug der französischen Armee im Norden von Ouagadougou mit einer Granate angegriffen worden. Drei Passanten seien verletzt worden, hieß es aus Sicherheitskreisen.

Zwei vermummte Männer hätten demnach die Granate von einem vorbeifahrenden Motorrad geschleudert.

Am Dienstag dann die nächste Attacke. Mehrere Angreifer griffen ein Fahrzeug der Delegation von Macron mit Steinen an. Ein Sprecher des Élysée-Palastes bestätigte den Vorfall. Der Sender BFMTV berichtete, dass eine Scheibe des Kleinbusses kaputt gegangen sei.

Der französische Journalist Hugo Clément sorgte kurzzeitig für Verwirrung. Er berichtete auf Twitter von dem Angriff und schrieb dazu: "Niemand weiß, wo Macron ist".

Der französische Präsident befand sich allerdings gar nicht in dem Fahrzeug, zum Zeitpunkt des Vorfalls sprach Macron gerade mit dem Staatspräsidenten von Burkina Faso, Roch Marc Kaboré.

"Frankreich ist nicht mehr überall erwünscht"

"Frankreich ist nicht mehr überall in Afrika erwünscht, das Bild nicht besonders gut", zitiert die deutsche Tageszeitung "Die Welt" einen Berater von Macron.

Tatsächlich lässt sich die Vergangenheit nicht einfach beiseite wischen. Frankreich hat seine Interessen in Afrika nie außer Augen gelassen, noch heute ist Französisch die Amtsprache in Burkina Faso, das französische Mineralölunternehmen Total etwa ist seit 1954 massiv präsent in dem Land.

In seiner Rede in Ouagadougou vor 800 Studenten will Macron seine zukünftige Afrikapolitik darlegen. Vor allem an die Jugend möchte er sich wenden. Es solle eine Rede geprägt von "Demut" werden, berichtet die "Welt".

"Afrika ist nicht nur der Kontinent der Migranten und der Krisen. Es ist der Kontinent der Zukunft", sagte Macron bereits im August. Vor den Studenten will er über Jobmöglichkeiten und Unternehmertum reden.

burkina faso

Emmanuel Macron bei seiner Rede vor Studenten in Burkina Faso

Der französische Präsident bemüht sich um eine neue Afrika-Politik im Vergleich zu seinen Vorgängern. Es ist bereits seine dritte Reise, die ihn während seiner erst knapp sechsmonatigen Amtszeit nach Afrika führt.

Große Gesten und guter Wille

Er bezeichnete die französische Kolonialpolitik als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit". Er will Fluchtursachen bekämpfen und Afrikanern ermöglichen, legale Fluchtwege nach Europa ermöglichen. “Über Asylanträge wird künftig in Afrika entschieden”, verkündete Macron auf dem Afrika-Gipfel von vier EU-Staaten im August.

Schlepperbanden in Libyen möchte Macron das Handwerk legen, das bekräftigte der Präsident am Dienstag. Dazu wolle er beim EU-Afrika-Gipfel am Mittwoch einen Vorschlag machen.

Bloße Gesten der Versöhnung und des guten Willens werden nicht reichen, die Beziehungen zwischen Frankreich und Afrika zu bessern.

Ob Macrons Mission für den afrikanischen Kontinent gelingt, wird sich zeigen. "Es ist ein starkes Zeichen", sagt jedenfalls der kongolesische Politikwissenschaftler Tumba Shango Lokoho dem Auslandssender Deutsche Welle über Macrons Auftritt vor den Studenten.

"Wenn die afrikanische Jugend die Zukunft sein soll, brauchen sie Bildung und berufliche Perspektiven auf dem Kontinent, um die Transformation Afrikas voranbringen zu können", betont Lokoho.

Nach Burkina Faso reist Macron am Mittwoch weiter in die Elfenbeinküste und schließlich nach Ghana. Dort will er weitere Zeichen zum Aufbruch setzen: Er will das englischsprachige Land auch für Frankreich öffnen - und ein Startup besuchen.

Mehr zum Thema: Zuwanderung aus Afrika: Europa ist auf die nächste Flüchtlingskrise nicht vorbereitet

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