POLITIK
28/11/2017 17:59 CET | Aktualisiert 28/11/2017 18:39 CET

Nach Messerangriff auf NRW-Bürgermeister: AfD-Sympathisanten fantasieren im Netz über Bürgerkrieg

Ralph Orlowski / Reuters
Nach Messerangriff auf NRW-Bürgermeister: So abscheulich reagieren AfD-Sympathisanten auf das Attentat

  • Ein Flüchtlingsgegner hat den Bürgermeister von Altena (NRW) mit einem Messer verletzt

  • Auf Facebook reagieren AfD-Sympathisanten mit Häme

Es ist eine bestürzende Nachricht: Der Bürgermeister der nordrhein-westfälischen Kleinstadt Altena wurde von einem Fremdenfeind mit einem Messer verletzt.

Der Angreifer stamme aus Deutschland, sei 56 Jahre alt und zum Tatzeitpunkt alkoholisiert gewesen sein, berichtet die Zeitung “Westfalen Post”. Laut Informationen von "Spiegel Online" habe der Täter den Bürgermeister Andreas Hollstein (CDU) lautstark wegen dessen liberaler Flüchtlingspolitik (Altena nimmt mehr Flüchtlinge auf, als die Stadt es nach dem Verteilungsschlüssel müsste) kritisiert. Dann verletzte er ihn mit einer 30 Zentimeter langen Klinge.

Ebenso besorgniserregend wie der Gewaltausbruch ist die Reaktion auf einschlägigen rechten Facebookseiten. Einige AfD-Sympathisanten sehen in dem Attentat offenbar gar den Ausgangspunkt für einen Bürgerkrieg – den sie allem Anschein nach sogar begrüßen.

”So fängt Bürgerkrieg an”

“Ja die Flüchtlingspolitik rächt sich, immer mehr unzufriedene Menschen wehren sich, und sei es mit Gewalt”, kommentiert ein Fan der Facebook-Seite “AfD deckt auf und fragt nach” die Nachricht vom Attentat auf Hollstein.

dsf

“Es werden immer mehr Stimmen laut in Deutschland und wie man sieht, greifen auch die ersten Deutschen zur Waffe. So fängt Bürgerkrieg an”, ist sich der Mann sicher.

Zu einem merkwürdigen Schluß kommt eine andere Userin: “Der Bürgermeister von Altena, Andreas Holstein, hat immer gehört, dass die Menschen durch Flüchtlinge, mit dem Messer gestochen worden sind. Jetzt kann er als Politiker seinen Kollegen beschreiben, wie schmerzhaft diese Verletzungen sind. Vielleicht werden die Politiker sich doch überlegen, straffällige Flüchtlinge sofort abzuschieben.”

Die Kommentare offenbaren einmal mehr, wie aufgeheizt das politische Klima in Deutschland noch immer ist. Und dass einige nicht einmal davor zurückschrecken, brutale Attentate zu rechtfertigen.

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Hass auf die Medien

Immer wieder schwingt auch die Skepsis gegenüber den berichtenden Medien mir.

Ein User schreibt, der Vorfall werde nur deshalb von den Medien “hochgespielt”, weil es in diesem Fall “einen Polit-Clown getroffen hat.” Ein anderer kommentiert: “Schwer verletzt” mit einem lachenden Smiley dahinter.

Hollstein war mit einer Wunde am Hals ins Krankenhaus transportiert worden, sprach selbst von einer "leichten Verletzung". Laut Definition der Polizei war jedoch aufgrund der ambulanten Behandlung zunächst von einer "schweren Verletzung" die Rede.

Andere Nutzer sind in der Lage sich differenziert zu dem Vorfall äußern: “Ich bin mit unserer Politik auch nicht zufrieden und habe AfD gewählt, deswegen würde ich aber keinem nach dem Leben trachten ! ALSO ENTSPANNT EUCH!” fordert ein Facebook-Fan.

Mehrheit der AfD-Abgeordneten äußert sich nicht zum Attentat

Die rechte Partei selbst blieb bemerkenswert still.

Mario Hau, Mitglied des Landesvorstandes der AfD Rheinland-Pfalz, ist einer der wenigen AfD-Politiker, die sich bisher zu dem Attentat von Altena geäußert haben.

Jedoch nicht, um die Tat zu verurteilen. Hau twitterte: "Würden die Medien die Nationalität der Täter doch nur immer so hervorheben wie in Altena, dann ergäbe sich für die Bürger, die sich damit nicht täglich beschäftigen, endlich mal ein realistisches Gesamtbild. Und das Entsetzen würde sich gegen Merkel richten.”

Immerhin meldete sich AfD-Politikerin Ulrike Schielke-Ziesing aus Mecklenburg-Vorpommern als Stimme der Vernunft zu Wort. “Ich verurteile die Messerattacke auf den Bürgermeister von Altena aufs Schärfste!”, stellte sie auf Twitter klar. “Gewalt, die sogar den Tod eines Menschen in Kauf nimmt, darf niemals Mittel der politischen Auseinandersetzung sein.”

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Sven Tritschler, Vorsitzender der Jungen Alternative für Deutschland und stellvertretender Vorsitzender der AfD-Fraktion im NRW Landtag schrieb: “Dem Bürgermeister von Altena wünsche ich eine schnelle Genesung. In schweren Stunden müssen Demokraten beieinander stehen und gemeinsam gegen Gewalt und Extremismus einstehen.”

Bedauerlich, dass sich nicht mehr AfD-Abgeordnete derart klar von Rechtsextremen wie dem Täter von Altena distanzieren.

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(lp)

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