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27/11/2017 22:45 CET | Aktualisiert 28/11/2017 07:36 CET

"Das ist Pillepalle": Ex-BR-Chef bringt mit einem Satz bei "Hart aber fair" alle gegen sich auf

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"Pillepalle": Ex-BR-Chef bringt mit einem Wort bei "Hart aber fair" alle gegen sich auf

  • Der ehemalige Chefredakteur des Bayrischen Rundfunk, Sigmund Gottlieb, hat den Glyphosat-Streit zwischen SPD und Union in der ARD-Sendung "Hart aber fair" als "Pillepalle" bezeichnet

  • Alle Gäste widersprachen ihm lautstark

Nach dem Jamaika-Aus beschäftigt die Medien vor allem eine Frage: Kommt die Neuauflage der Großen Koalition - oder nicht?

In der ARD-Sendung "Hart aber fair" stand die SPD im Mittelpunkt, denn Moderator Frank Plasberg wollte von seinen Gästen wissen, wie schlimm die GroKo eigentlich für die Sozialdemokraten sei.

Richtig laut wurde es in der Sendung, als es um eine aktuelle Nachricht an diesem Montag ging: Die SPD fühlt sich bei der Entscheidung des Agrarministers Christian Schmidt (CSU) getäuscht, auf EU-Ebene für die weitere Zulassung des Unkrautmittels Glyphosat zu stimmen.

Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hatte sich dagegen ausgesprochen - und erwartete, dass Deutschland sich bei der Abstimmung enthalten würde.

Die SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles sprach von einem "schweren Vertrauensbruch". Es war der erste große Eklat der geschäftsführenden Bundesregierung - und ein schlechtes Zeichen für die GroKo.

Einer der Gäste sah das allerdings anders - als einziger. Der ehemalige Chefredakteur des Bayerischen Rundfunks (BR), Sigmund Gottlieb, sagte dazu in der Sendung: Der Streit sei der Aufgeregtheit der geschäftsführenden Regierung geschuldet. "Das ist Pillepalle", rief Gottlieb in die Runde - und konnte seinen Satz gar nicht mehr ausführen, so lautstark fielen ihm die anderen Gäste ins Wort.

"So geht man mit Koalitionspartnern nicht um"

"Also nee, Pillepalle ist das nun wirklich nicht", rief Schauspieler Ulrich Matthes. Auch SPD-Politikerin Katarina Barley, Bundesarbeitsministerin in der geschäftsführenden Großen Koalition, widersprach; die "taz"-Journalistin Bettina Gaus bezeichnete Schmidts Entscheidung als klaren Bruch der Geschäftsgrundlage der amtierenden Regierung.

Barley fand schließlich deutliche Worte für die Entscheidung der Union an diesem Tag. "So geht man mit Koalitionspartnern nicht um", bekräftigte sie. Es habe mehrere Koalitionsbrüche der Union gegebenen, nun komme ein weiterer hinzu.

An dieser Stelle seufzte CDU-Politiker Jens Spahn, der ebenfalls mit in der Runde saß, hörbar und schüttelte mit dem Kopf. "Die SPD kann sich echt nicht beklagen", warf er ein. Die SPD habe in der Großen Koalition viele ihrer Forderungen umsetzen können.

Moderator Plasberg brachte die Debatte abermals auf das Thema Glyphosat zurück. "Ich habe Angst, dass es zu einer Wiederaufführung des Jamaika-Theaters kommt", warnte er.

"Verstehen Sie meine Angst?"

SPD-Politikerin Barley versuchte, dem Moderator diese Angst zu nehmen. Niemand ziehe rote Linien, auch wenn die Union das der SPD derzeit vorwerfe. Plasberg hakte noch einmal nach: "Verstehen Sie meine Angst? Wenn das jetzt schon so losgeht, wo soll das hinführen?"

Barley aber gab sich unaufgeregt. Ihre Partei werde alle Optionen - eine Fortführung der Großen Koalition, eine Minderheitsregierung oder eine Neuwahl - diskutieren.

Einen Tipp für die nächste Verhandlungsrunde hatte am Ende der Schauspieler Ulrich Matthes für die Politiker übrig: Er forderte, dass alle Handys vor den Verhandlungen abgegeben werden sollten - um dann endlich in Ruhe reden zu können. "Wie in einer Enklave".

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(amr)

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