POLITIK
25/11/2017 15:09 CET | Aktualisiert 25/11/2017 22:03 CET

"Nackt, machtgeil, unpatriotisch": Merkel reist zu ihrem Heimatverband – dort schlägt ihr plötzlich blanke Wut entgegen

Eric Vidal / Reuters
"Sie ist nackt, machtgeil, unpatriotisch": Merkel reist zu ihrem Heimatverband – dort schlägt ihr plötzlich blanke Wut entgegen

  • Bei einer Veranstaltung ihres Heimatverbands hat ein CDU-Delegierter Kanzlerin Merkel scharf angegriffen

  • Der Politiker forderte Merkel zum Rücktritt auf

Zum ersten Mal nach dem Scheitern der Sondierungsgespräche für eine Jamaika-Koalition stellt sich Angela Merkel der Parteibasis in ihrem CDU-Heimatverband. Wie es jetzt weitergehe, wisse sie nicht. Doch Wünsche hat die CDU-Chefin und geschäftsführende Kanzlerin schon.

Und die haben mit den befürchteten Neuwahlen nichts zu tun.

"Ich halte überhaupt nichts davon, wenn wir mit dem Ergebnis nichts anfangen können, dass wir die Menschen wieder bitten, neu zu wählen", sagte die CDU-Vorsitzende am Samstag beim Landesparteitag der CDU Mecklenburg-Vorpommern in Kühlungsborn in einer 30-minütigen Rede. Die Politiker hätten von den Wählern das Mandat zu einer Regierungsbildung erhalten.

Nach der Bundestagswahl sei klar gewesen, dass es schwierig sein werde, die FDP und die Grünen mit der Union zusammenzubekommen.

Nach der Ankündigung der SPD, in die Opposition zu gehen, habe es aber keine andere Möglichkeit gegeben. Aus Unionssicht seien die Ergebnisse der Sondierungsgespräche gut gewesen, es sei viel erreicht worden. "Nun nützt es nichts, den Dingen hinterherzutrauern." Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier habe die Dinge nun in der Hand.

Ein Delegierter sorgt für Aufregung im Saal

Bei der Veranstaltung in der Ostseestadt Kühlungsborn kam es wenig später zu scharfer Kritik an der Kanzlerin. Der Delegierte Wolfgang Grieger forderte den Rücktritt Merkels. "Zwölf Jahre Energiepolitik - eine Farce. Verteidigungspolitik desaströs."

Auch die Sozial- und Familienpolitik sei niederschmetternd. Merkel regiere nach Gutsherrenart. "Heute ist der Tag, an dem wir sagen müssen: Die Kaiserin hat keine Kleider an - sie ist nackt." Noch nie sei ein Kanzler so "machtgeil und unpatriotisch" gewesen, sagte Grieger. Die anderen Delegierten reagierten mit großem Unmut auf diesen Beitrag.

Doch es ist nicht das erste Mal, dass Merkel massiver Gegenwind von der Parteibasis entgegenschlägt.

Die Junge Union (JU) in Düsseldorf hat ebenfalls den Rücktritt von Angela Merkel als CDU-Bundesvorsitzende gefordert. Merkel habe das für die Union seit 1949 schlechteste Ergebnis bei einer Bundestagswahl maßgeblich mitzuverantworten, sagte der JU-Kreisvorsitzende Ulrich Wensel am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf.

"Wir haben den Eindruck, dass sie daraus aber keine Konsequenzen ziehen will", kritisierten die Jungpolitiker.

Konservative Mitglieder der CDU und CSU haben bereits zuvor den Rücktritt der CDU-Chefin vom Parteivorsitz gefordert.

"Der Schlüssel für die Niederlage in Hannover liegt leider im Berliner Wahlabend am 24. September, als man die verheerenden Verluste von über acht Prozent zu einem strategischen Sieg schöngeredet hat", sagte Wolfgang Steiger, Generalsekretär des Wirtschaftsrates der CDU nach der verlorenen Niedersachsen-Wahl.

Bislang sind es vereinzelte Stimmen. Doch der Druck auf Merkel wächst: Gelingt ihr in den kommenden Wochen kein Durchbruch bei der Suche nach einer Regierungskonstellation, könnte der Unmut im Falle von Neuwahlen zunehmen.

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(mf)

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