POLITIK
25/11/2017 14:20 CET | Aktualisiert 26/11/2017 08:58 CET

Hanfpflanzen und Kampfgeist: Diese Aussagen auf dem Parteitag zeigen, dass sich die Grünen als Jamaika-Sieger sehen

HuffPost

  • Die Grünen haben sich auf ihrem Bundesparteitag für gelungene Jamaika-Verhandlungen gefeiert

  • Die Partei will Verantwortung übernehmen – eine Minderheitsregierung mit der Union scheint denkbar

Die Brust ist breiter denn je.

Auf der Bundesdelegiertenkonferenz der Grünen in Berlin hat sich die Parteispitze nach den geplatzten Jamaika-Verhandlungen kämpferisch gezeigt. Grünen-Vorsitzender Cem Özdemir betonte, seine Partei wolle weiter Verantwortung bei der Regierungsbildung übernehmen.

“Wir sind bereit zu Gesprächen mit allen demokratischen Parteien und bereit zu Kompromissen, die Deutschland und Europa voranbringen”, sagte Özdemir am Samstag zum Auftakt des Parteitages. Die Grünen bestärkten sich gegenseitig darin, bei den Jamaika-Verhandlungen einen guten Job gemacht zu haben. "Sonntag war nicht aller Tage, auf die Grünen in Deutschland kann man zählen, keine Frage", schob Özdemir nach.

Zeitweise wirkte die Konferenz beinahe wie die große Jamaika-Afterparty der Öko-Partei.

Kampfgeist in den Verhandlungen

Mehrere Minuten lang standen die vierzehn Grünen-Jamaika-Chefunterhändler auf der Bühne, Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt dankte ihren Parteikollegen unter heftigem Applaus einzeln für ihren Einsatz.

"Ich glaub Claudia hat zwanzig Stunden nur über ein Thema verhandelt. Ich bin einmal reingekommen und habe gesagt: 'Bitte mach das Fenster auf'. Da war Kampfgeist drin", sagte Göring-Eckardt etwa über Claudia Roth, die für die Grünen vor allem beim Thema Asyl die Verhandlungen geführt hatte.

Auch über Özdemir verlor Göring-Eckardt viele lobende Worte. Vor allem für dessen Hartnäckigkeit. "Wenn um 23:30 noch einer meinte, wir müssen mal über Cannabis reden, das war Cem. Danke, Cem."

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Özdemir: "Ich hätte lieber neben einer Hanfpflanze gestanden"

Özdemir selbst betonte, wie anstrengend die vierwöchigen Sondierungen gewesen seien.

"Wenn ich da manchmal auf dem Balkon vor der Parlamentarischen Gesellschaft stand, um ein bisschen Luft zu schnappen, habe ich mich gelegentlich gefragt, ob ich da nicht lieber vielleicht grad eine Hanfpflanze neben mir stehen hätte als den ein oder anderen Mit-Sondierer der anderen Parteien", erklärte der Parteichef, der vor allem der FDP die Schuld am Scheitern gab.

Besonders die Schuldzuweisungen gegenüber der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) brachten Özdemir auf die Palme. "Ich kann es nicht mehr hören! Die sind an sich gescheitert und nicht an starken Frauen!", rief der Grüne – um dann zu spekulieren: “Wer weiß, wie die Verhandlungen ausgegangen wären, wenn die FDP nicht so ein Männerclub wäre."

Die Grünen, die in den Umfragen seit den geplatzten Verhandlungen leichte Gewinne verzeichnen können, werden als möglicher Juniorpartner in einer unions-geführten Minderheitsregierung gehandelt.

Im Gegensatz zur SPD, die sich eher widerwillig in Richtung Große Koalition bewegt, ist vielen Grünen dieser Tage der Gestaltungswille anzumerken. “Wir sind die letzte handlungsfähige progressive linke Partei, die es in diesem Land gibt", rief der Fraktionsvorsitzende Anton Hofreiter seinen Parteikollegen zu.

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Minderheitsregierung? Union ist weiter skeptisch

Doch eine Minderheitsregierung gilt noch immer als unwahrscheinlich, nicht nur weil Kanzlerin Angela Merkel der unsicheren Machtkonstellation skeptisch gegenübersteht.

Besonders in außen- und europapolitischen Fragen könnte eine Minderheitsregierung zu Problemen führen, wenn sich die Kanzlerin oder der Kanzler vor jedem EU-Treffen neu ihrer Mehrheit im Bundestag versichern müsste.

Und: Im Gegensatz zu den Grünen selbst hegen andere in Deutschland noch immer große Skepsis, was die Regierungsfähigkeit der Ökos angeht. Nicht nur FDP-Chef Christian Lindner (“Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Grünen auf Bundesebene ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht möglich") hält wenig vom Kurs der Partei.

Auch in der CSU hat sich trotz der oft beschriebenen “menschlichen Annäherung” wenig an der Einschätzung der Grünen-Programmatik getan, die CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt einmal mit zwei Worten beschrieb. “Linke Spinnereien.”

Über alle aktuellen Entwicklungen nach dem Jamaika-Aus hält euch unser News-Blog auf dem Laufenden.

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(mf)

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