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24/11/2017 16:57 CET | Aktualisiert 25/11/2017 08:24 CET

Syrische Eltern müssen ihre Kinder jetzt mit Müll füttern, damit sie nicht verhungern

Bassam Khabieh / Reuters
Hala al-Nufi, zwei Jahre alt, Kind in Ghuta.

  • Weil Assads Truppen die Stadt belagern, müssen sich Kinder in der syrischen Stadt Ghuta von Abfall ernähren, um nicht zu verhungern

  • Vor einem Monat starb die kleine Sahar Dofdaa im Krankenhaus an Mangelernährung

  • Experten gehen von mehr als 1000 Menschen mit Mangelernährung in Ghuta aus

Eltern wollen alles tun, um ihrem Kind ein gutes Leben zu ermöglichen. Nicht auszumalen also, wie schlimm es für eine Mutter oder einen Vater sein muss, wenn sie nicht mal die Grundbedürfnisse ihrer Kleinen erfüllen können: dass sie in Sicherheit aufwachsen, dass sie es warm haben, dass sie immer genug zu essen bekommen.

Doch vor eben dieser Situation stehen syrische Familien zurzeit: Damit ihre Kinder nicht verhungern, haben die Bewohner der Stadt Ghuta begonnen, ihnen Abfall zu füttern.

Denn die andauernden Belagerungen des Assad-Regimes in der Region um die Hauptstadt Damaskus haben eine schwere Hungersnot ausgelöst.

Bilder von ausgemergelten Körpern

Mehrere Kinder haben so schon ihr Leben verloren. Im Oktober etwa starb die kleine Sahar Dofdaa an Mangelernährung. Die Bilder ihres ausgemergelten Körpers sorgten auf der ganzen Welt für Entsetzen. Ein kleiner Junge, der ebenfalls ausgehungert war, nahm sich vor kurzem das Leben, wie die Welthungerhilfe berichtet.

(Die traurige Geschichte von Sahar Dofdaa seht ihr im Video. Achtung: Die Bilder und Schilderungen können für Betrachter verstörend wirken.)

"Es gibt in Ost-Ghuta ungefähr 1100 Fälle von Mangelernährung, darunter hunderte Menschen, die an schwerer und akuter Unterernährung leiden", sagte der Arzt Mohamad Katoub von der Hilfsorganisation Syrian American Medical Society der HuffPost.

Kinder müssen sich von Abfall ernähren

Um ihre Kinder am Leben zu halten, haben viele Familien in Ghuta daher begonnen, ihre Kinder mit Abfällen, Tierfutter oder abgelaufenen Lebensmitteln zu ernähren.

Mehr zum Thema: Erste Hilfe für Aleppos Tiere: Syrischer Tierarzt leistet Grundversorgung im Auftrag der Welttierschutzgesellschaft

Seit etwa fünf Jahren belagern Assads Truppen die Stadt, in der etwa 400.000 Menschen leben. Sie hindern die Bewohner daran, die Stadt zu verlassen und ermöglichen ihnen keinen Zugang zu Lebensmitteln oder Medikamenten. Nur sechs Hilfskonvois ist es in diesem Jahr gelungen, zu den Bedürftigen durchzudringen.

Darüber hinaus hat die syrische Regierung das Nervengas Sarin eingesetzt, wodurch 1429 Menschen in Ghuta ums Leben kamen.

Eltern verzichten tagelang auf Mahlzeiten, um Kinder zu ernähren

Welche katastrophalen Folgen Assads Vorgehen mit sich bringt, hat auch die Belagerung der syrischen Stadt Aleppo gezeigt. Tausende Zivilisten fanden in den Gefechten zwischen den Rebellen und dem Regime den Tod. Durch die Belagerung will der syrische Präsident seine Macht demonstrieren und diejenigen, die gegen ihn sind, in die Knie zwingen.

Und das ist ihm gelungen: Aleppo, eine einst blühende Metropole, liegt nur noch in Schutt und Asche. Es ist eine regelrechte Geisterstadt.

Experten fürchten nun, dass Ghuta dasselbe Schicksal ereilen könnte. Nach Informationen des Nachrichtensenders Al Jazeera kam in den vergangenen Wochen eine Vielzahl von Zivilisten in der Stadt ums Leben. Von Assads Truppen eingekesselt, sind sie den Bombenangriffen schutzlos ausgeliefert.

Seit 14. November eskaliert der Konflikt in der Region. Die Welthungerhilfe geht davon aus, dass sich die Hungersnot dadurch weiter verschlimmern wird.

"Meine Tochter weint, weil sie weiß, dass sie heute mit leerem Magen zu Bett gehen muss"

In vielen Familien verzichteten die Erwachsenen tagelang auf Mahlzeiten, damit wenigstens ihre Kinder etwas zu essen hätten, heißt es in dem Bericht. Andere Familien hätten ein Rotationsprinzip eingeführt: Geschwister müssen abwechselnd einen Tag lang aufs Essen verzichten.

“Ich muss das wenige Essen, das uns bleibt, zwischen meiner 13-jährigen Tochter und meinen verwaisten Enkelkindern aufteilen”, sagte eine Frau der Welthungerhilfe. “Meine Tochter weint, weil sie weiß, dass sie heute mit leerem Magen zu Bett gehen muss.”

Dieser Artikel erschien zuerst bei der HuffPost US und wurde von Anna Rinderspacher aus dem Englischen übersetzt und bearbeitet.

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(lk)

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