POLITIK
24/11/2017 19:52 CET | Aktualisiert 25/11/2017 15:00 CET

Die Journalisten Augstein und Blome streiten sich über Kanzlerin Merkel - am Ende sitzt einer unter dem Tisch

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Jakob Augstein und Nikolaus Blome: Zwei sich liebende Feinde

  • "Schafft Merkel sich ab?", fragten sich die Journalisten Jakob Augstein und Nikolaus Blome am Freitag in ihrer Sendung

  • Naturgemäß stritten sich die beiden heftig darüber, wie viel Schuld die Kanzlerin am Scheitern von Jamaika hat

  • Ein weiterer Konfliktpunkt: Ob die SPD sich wieder in eine GroKo unter Merkel zwängen sollte

"Wir können gerne in dieser Sendung gleich dahingehen, wo es echt wehtut", sagt Jakob Augstein. "Nämlich: Warum soll die SPD jetzt den Allerwertesten unserer Bundeskanzlerin retten?"

Schließlich, echauffierte sich Augstein, wolle doch Merkel Bundeskanzlerin werden - da soll sie sich dann auch selbst ihre Mehrheit holen. Sein Gegenüber Nikolaus Blome blieb gelassen: "Das tut sie doch gerade."

Der Beginn einer Auseinandersetzung, an dessen Ende Blome zugeben musste, keine Ahnung zu haben, was die Zukunft bringt - und Augstein sich unter seinem Tisch zusammenkauerte.

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Blome über Merkel und Jamaika: "Die Dompteuse des Flohzirkus"

Die zwei Streitthemen der Journalisten:

Wer ist Schuld am Scheitern von Jamaika?

Kann und muss sich die SPD noch einmal eine Große Koalition unter Merkel antun?

Für Blome war der Abbruch der Verhandlungen ein Scheitern aller Beteiligten, inklusive der Kanzlerin als "Dompteuse des Flohzirkus". Für Augstein hingegen war die "lustlos" verhandelnde Merkel ganz allein Schuld: "Verantwortung ist ein pyramidiales System von oben nach unten."

Blome war nicht überzeugt: "Das war kein pyramidiales System, sie Holzpfosten, sondern eine Geschichte auf Augenhöhe."

Einigen konnten sich die beiden Streithähne - wie so oft - nicht. Noch strittiger wurde das Gespräch zwischen dem "Freitag"-Herausgeber und dem Mitglied der "Bild"-Chefredaktion aber, als die SPD zur Sprache kam.

"Warum hat Schulz gesagt, dass er in die Opposition geht, am Wahlabend?", fragte Augstein provokant. "Weil sie verloren haben", antwortete Blome. "Nein, nein, nein, mein lieber Freund", kam die aufmüpfige Replik, "die SPD verliert immer."

Der eigentliche Grund für die SPD-Absage an die GroKo wäre, dass die SPD eben mit 20 Prozent verloren hätte. Mit 25 oder 28 Prozent hätte Schulz den Gang in die Opposition nicht angekündigt. "Das heißt, Schulz hat gesagt - und damit hat er finde ich vollkommen Recht -, die SPD ist in einem nicht-regierungsfähigen Zustand", sagte Augstein.

Augstein: "Ich bin die Große Koalition, ich bin die kleine Koalition"

Jedoch nicht, weil sie mit Merkel regiert habe, konterte Blome. "In der Sache hat die SPD ganz viel bekommen, die letzten vier Jahre, sie haben ganz viel demokratisches durchgesetzt." Diese Erfolge aber, die habe sich Merkel unter den Nagel gerissen, antwortete Augstein.

Mehr zum Thema: "Erinnert an ein Insekt": Publizist Jakob Augstein verwirrt mit geschmacklosem Tweet über Merkel

Also Neuwahlen, als Ausweg der SPD aus ihrem Dilemma?

Auf jeden Fall, erklärte Augstein. Auf keinen Fall, argumentierte Blome. "Weil ich auch glaube, der Wähler mag schizophren gehandelt haben, einzelne Wähler mögen auch unterbemittelt sein - aber in Summe ist es der Souverän." Was der auf den Tisch lege, das werde auch gekocht.

"Es gibt keinen ag­gre­gie­rten Wählerwillen, das ist Unfug", entgegnete Augstein. Wenn es doch einen gebe, dann den, dass die Große Koalition abgewählt worden sei.

Sprach es, und verschwand zur Verdeutlichung unter dem Tisch: "Ich bin die Große Koalition, ich bin die kleine Koalition."

Blome konnte da nur noch genervt schmunzeln. Seine Antwort: "Sie sind gar keine Koalition, sie sind ganz alleine auf der Welt, mit dieser Meinung." Den Vorwurf, er habe doch auch keine Ahnung, wie es weitergeht, konnte der "Bild"-Journalist jedoch nicht bestreiten.

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(mf)

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