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24/11/2017 16:13 CET

Ich schenkte einem Fremden noch ein Jahr seines Lebens - und jeder von euch kann das auch tun

christoph

  • Christoph Bruschek ist 24 Jahre alt und registrierter Spender bei der DKMS

  • 2016 spendete er zum ersten Mal Stammzellen

  • Der HuffPost erklärt er, wieso wir alle spenden sollten

Alle 15 Minuten erhält ein Patient in Deutschland die Diagnose Blutkrebs. Das einzige, was dann noch helfen kann, ist eine Spende.

Anfang 2016 bekam Christoph Bruschek Post von der DKMS: Er ist kompatibel für eine Stammzellenspende. Er kann einem Menschen Leben schenken.

Nur ein Drittel aller Patienten haben das Glück und finden einen Spender in der eigenen Familie, der Rest ist auf die Hilfe eines Fremden angewiesen. Die Wahrscheinlichkeit, darunter einen geeigneten Spender zu finden, liegt bei 1:20.000 bis hin zu mehreren Millionen.

Als Christoph erfährt, dass er helfen kann, steht für ihn fest, dass er genau das machen wird. Als kurz nach seinem 20. Geburtstag einer von Christophs besten Freunden völlig unerwartet an Leukämie erkrankte und starb, fasste er einen Entschluss: Jeder sollte sich als Stammzellenspender registrieren.

Mit dem Slogan "Mund auf. Stäbchen rein. Spender sein.“ wirbt die DKMS. Sie vermittelt Stammzellspenden an Patienten, die an Blutkrebs erkrankt sind. Denn: Interessierte müssen lediglich einen Wangenabstrich machen. Das Set - bestehend aus einer Einverständniserklärung und zwei steril verpackten Wattestäbchen - schickt die DKMS den potenziellen Spendern kostenlos zu.

So leicht ist es, Spender zu werden

Bisher haben sich sieben Millionen Menschen registriert. Trotzdem findet alleine in Deutschland jeder siebte keinen passenden Spender.

Für die meisten Patienten ist eine Spende die einzige Möglichkeit auf eine Chance zu überleben. Für den Spender oft keine große Sache. Die Kosten werden komplett übernommen. Und die Schmerzen? Sind es wert, findet Christoph.

Sie sind von Fall zu Fall unterschiedlich. Christoph hatte starke Knochenschmerzen wegen eines sogenannten Wachstumsfaktors, den er einnehmen musste. Ein Medikament, das die Anzahl der Stammzellen im Blut steigert. Die Zellen werden dann direkt aus dem Blut gewonnen. Diese Methode wird bei 80 Prozent aller Spender angewendet. Es ist keine Operation notwendig.

"Die Schmerzen sind für mich kein Grund, es nicht noch einmal zu tun. Ich habe einem Menschen die Möglichkeit gegeben weiter zu leben. Ihm noch mehr Momente mit seiner Familie und Freunden geschenkt, Schmerzen sind in solchen Momenten zweitrangig."

In seiner Ausbildung zum Notfallsanitäter sieht Christoph jeden Tag Menschen sterben. "Manchmal sind wir einfach zu spät. Deshalb ist es mir noch wichtiger, anderen zu helfen, solange ich die Möglichkeit habe."

Hier findet ihr eine Liste der kommenden Spenden-Veranstaltungen: DKMS-Aktionen

"Jeder sollte sich fragen, wie er entscheiden würde, wenn es um den besten Freund geht. Um die Schwester, Tochter oder den Vater. Man muss aus seinem eigenen Umfeld ausbrechen und weiter denken. Der Mann, die Frau oder das Kind, dem man das Leben retten kann, ist auch von jemandem die Mama oder der kleine Bruder."

Christoph lernte den Empfänger seiner Spende nie kennen. Er weiß nur, dass es ein Mann aus der Schweiz war. Und dass er ein Jahr nach der Spende verstarb.

"Mich hat es nicht gestört, meinen Empfänger nicht kennenlernen zu dürfen. Ich wollte nur wissen, wie es ihm geht und ob es ihm geholfen hat."

"Als er gestorben ist, habe ich Bescheid bekommen. Ich habe zwar in diesem Fall kein Leben gerettet, aber wahrscheinlich hätte er ohne mich nicht mal mehr das eine Jahr gelebt. Ich habe ihm also ein Jahr Leben geschenkt.“

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(best/jds)

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