POLITIK
24/11/2017 12:17 CET | Aktualisiert 25/11/2017 09:18 CET

Der saudische Kronprinz gibt der "New York Times" ein Interview - es sollte Europa große Sorgen machen

FAYEZ NURELDINE via Getty Images
Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman

  • Saudi-Arabiens Kronprinz bezeichnet Irans obersten Führer als "neuen Hitler des Nahen Ostens"

  • Damit setzt Mohammed bin Salman seinen aggressiven Kurs fort

Der saudi-arabische Kronprinz Mohammed bin Salman hat Irans obersten Führer, Ajatollah Ali Chamenei, als "neuen Hitler des Nahen Ostens" bezeichnet. "Aber wir haben von Europa gelernt, dass Beschwichtigungspolitik nicht funktioniert", sagte er der "New York Times".

"Wir wollen nicht, dass der neue Hitler im Iran im Nahen Osten wiederholt, was in Europa passiert ist."

Es sind alarmierende Worte.

Der Kronprinz verschärft die Spannungen mit dem Iran

Der erst 32 Jahre alte Mohammed bin Salman hat in den vergangenen Monaten versucht, sich als Reformer zu präsentieren. Hat gigantische Wirtschaftsprojekte angestoßen, Frauen das Autofahren erlaubt, die Befugnisse der Religionspolizei eingeschränkt, eine beispiellose Anti-Korruptionskampagne angestoßen.

Über die Motive – echter Erneuerungswille oder kalte Machtpolitik – streiten Experten.

Unumstritten ist: Mohammed bin Salman ist maßgeblich daran beteiligt, dass die Spannungen zwischen den Erzrivalen Saudi-Arabien und Iran immer weiter steigen. Die Katar-Krise ist vor diesem Hintergrund zu sehen, die Regierungskrise im Libanon und vor allem der blutige Stellvertreterkrieg im Jemen.

Henner Fürtig, Direktor des Hamburger Giga-Instituts für Nahoststudien, warnte im Gespräch mit der HuffPost kürzlich, der Kurs des designierten Thronfolgers sei höchst gefährlich.

Mehr zum Thema: Mohammed bin Salman: Der Prinz, der über Leichen geht

Indem Mohammed bin Salman Ajatollah Chamenei als "Hitler" bezeichnet, heizt er die Situation weiter an.

Das Zitat ist eine weitere Kampfansage an den Iran

Zwar wird Adolf Hitler von vielen Menschen im Nahen Osten mehr als charismatischer Politiker denn als Kriegsverbrecher gesehen, aber der Prinz spricht mit der renommiertesten Zeitungen der westlichen Welt. Es ist undenkbar, dass er sich der Dimension des Gesagten nicht bewusst ist.

Der Zusatz, Beschwichtigungspolitik bringe aus der Erfahrung heraus nichts, zeigt, dass der Prinz seinen aggressiven Kurs fortsetzen will. Es ist ein Kurs, der die ohnehin chronisch instabile Region weiter ins Chaos stürzen kann.

Dass Mohammed bin Salman für solche Worte eine US-Zeitung wählt, ist indes nicht weiter verwunderlich. Bislang gibt ihm Präsident Donald Trump Rückendeckung. Es ist eine Entwicklung, die auch innerhalb von Sicherheitsexperten in den USA und sowieso in Europa sehr kritisch gesehen wird. Solange aber Trump den Ton angibt, kann das Thema auch die Kluft zwischen den USA und Europa weiter verschärfen.

Der deutsche Bundesnachrichtendienst hatte bereits vor zwei Jahren vor Mohammed bin Salman und seiner unberechenbaren Politik gewarnt.

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(ben)

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