POLITIK
24/11/2017 13:51 CET | Aktualisiert 24/11/2017 14:04 CET

Sie bauten vor Höckes Haus ein Holocaust-Mahnmal – jetzt müssen sie um ihr Leben fürchten

dpa
Jenni Moli und Morius Enden errichteten ein Holocaust-Denkmal neben Björn Höckes Haus – jetzt müssen sie um ihr Leben fürchten

  • Das “Zentrum für politische Schönheit” hat ein Kunstprojekt im Nachbargarten von AfD-Politiker Björn Höcke errichtet

  • Dafür bekommt das Künstlerkollektiv nun Morddrohungen

Da war es mit der Idylle dahin: Die thüringische Ortschaft Bornhagen, ein beschauliches 270-Seelen Dorf, wird in diesen Tagen zum Schauplatz eines politischen Protests.

Das Kollektiv “Zentrum für politische Schönheit” (ZPS) hat auf einem Nachbargrundstück des Thüringer AfD-Chefs Björn Höcke das Berliner Holocaust-Mahnmal nachgebaut – aus Protest gegen eine umstrittene Rede Höckes in Dresden.

Höcke sagte im Januar, das Holocaust-Mahnmal in Berlin-Mitte sei ein"Denkmal der Schande" und eine forderte eine "erinnerungspolitische Wende um 180 Grad".

Mehr zum Thema: Björn Höcke verachtet das Deutschland, auf das ich stolz bin

”Du wirst erschossen, du Sack!”

Nun muss das Künstlerkollektiv um sein Leben fürchten.

Seit sie das Denkmal errichtet haben, erhalten die Aktivisten Morddrohungen. Auf Twitter teilten das ZPS einen Mitschnitt eines Telefonats mit einem Mann, der sich selbst als Mitglied der “AfD Totenkopfstandarte” ausgibt. “Du wirst erschossen, du Sack”, teilt er dem Künstler am anderen Ende der Leitung mit.

Zudem erhalten die Künstler nach eigener Aussage “hunderte Mordmails”, angeblich ermitteln Polizei und Staatsschutz gegen die Verfasser der Drohbotschaften.

Höcke will bei Neuwahlen für den Bundestag kandidieren

Das Nachrichtenmagazin “Spiegel Online” berichtet unterdessen von tätlichen Angriffen auf Journalisten, die vor Ort über das Kunstprojekt berichten.

Ein bürgerwehrähnlicher Mob habe sich in Höckes Einfahrt zusammengerottet und Vertreter der Presse zunächst beleidigt und bedroht.

Mehr zum Thema: Reporter findet bei Höcke-Rede eine Notiz auf einem Bierdeckel – sie entlarvt das doppelte Spiel der AfD

Ein wütender Rentner, der sich selbst als Björn Höckes bester Freund bezeichnet, habe den Kamerateams zugerufen: "Ich muss jetzt mal 'nen Knüppel herholen, früher hätt' ich euch mit der Schlinge weggefangen!"

Höcke ist in Thüringen Partei- und Fraktionschef und gilt als Rechtsaußen der AfD.

Im Falle von Neuwahlen erwägt er unterdessen, für den Bundestag zu kandidieren. “Sollte es zu Neuwahlen kommen, gibt es eine neue Lage, die sicherlich auch die Frage aufwirft, ob ich nicht doch nach Berlin wechseln sollte”, sagte er dem “Tagesspiegel”.

2017-09-07-1504786616-8796518-CopyofHuffPost4.png Inside AfD - Die Community für Kritiker der Rechtspopulisten

Mit Material der dpa.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

(jkl)