LIFESTYLE
24/11/2017 14:40 CET | Aktualisiert 29/11/2017 20:44 CET

An den Arzt, der mich gedemütigt hat, als ich das T-Shirt hochzog

  • Der Körper einer Frau sieht nach der Geburt ihres Babys anders aus als zuvor - das ist ganz normal

  • Der Arzt einer Mutter aus Kanada war so unsensibel, sie darauf hinzuweisen

  • In einem Facebook-Post teilt sie ihm mit, was sie davon hält

"Sieht so aus, als hätten Sie ganz schön viele Dehnungsstreifen bekommen." Caitlin Wilton traute ihren Ohren nicht, als ihr Arzt das bei ihrer jährlichen Routineuntersuchung zu ihr sagte.

Kurzentschlossen teilte sie ein Bild von sich bei Facebook und schrieb an den Arzt gerichtet: "Wie schön, dass Ihnen meine Dehnungsstreifen aufgefallen sind! Ich habe vor 3,5 Monaten ein Kind geboren - und Sie dachte, ich hätte nicht bemerkt, dass mein Bauch, in dem übrigens ein knapp 5 Kilo schweres Kind herangewachsen ist, ganz anders aussieht als zuvor?"

Sein Kommentar über das Aussehen ihres Körpers sei zwar korrekt gewesen, aber völlig unangebracht.

"Das ist mein er", schreibt sie außerdem. "Mein Bauch mit allen Dehnungsstreifen, die sie kommentieren mussten."

Sie versuchte, die Aussage mit einem Lachen abzutun

Ihr sei es egal, was ihr Arzt oder irgendjemand anderes sage. Sie sei ein Rockstar. Sie möchte sich von niemanden ein schlechtes Gewissen einreden lassen, denn die Dehnungsstreifen und Extra-Pfunde kommen von der Geburt ihres Kindes.

"Es ist mir egal, wenn irgendjemand findet, dass mein Körper nicht den klassischen Schönheitsidealen entspricht - denn es ist meiner und er muss mir gefallen", schreibt Wilton an den Arzt gerichtet. "Und nur fürs Protokoll: Mein Körper ist stärker, als Ihre Worte es jemals sein werden."

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Caitlin Wilton mit ihrem Sohn, eine Woche nach seiner Geburt. - Foto: Caitlin Wilton

Mehr zum Thema: 6 Dinge, für die man sich als Mama nicht schämen oder rechtfertigen muss

Die Bemerkung des Arztes habe sie dennoch verunsichert, sagte sie der HuffPost. Sie habe versucht, den Kommentar mit einem Lachen abzutun. “Ich habe mich verurteilt und sehr unwohl gefühlt”, sagte die junge Mutter.

Ihre Familie ermutigte sie, den Post zu schreiben

Nach dem Arzttermin habe sie ihrer Mutter und ihrer Schwester davon erzählt. "Beide sagten 'Du musst das teilen - du bist damit nicht alleine'", sagte Wilton. Erst habe sie Angst gehabt, das Bild von ihrem Körper zu teilen, erzählte sie. Sie habe zuvor nicht mal Bikinibilder auf Facebook gestellt. Aber ihr Mann habe ihr Mut gemacht.

“Er sagte: 'Keiner sollte sich so fühlen, wie du es getan hast - so entblößt und verletzlich'", sagte sie.

Mehr zum Thema: Ich hatte einen Körper, von dem viele träumen - dann bekam ich drei Kinder

Der Facebook-Post verbreitete sich schnell

Die Vielzahl der Reaktionen auf den Facebook-Post hätten sie überrascht, sagte sie. Inzwischen hat ihr Post über 800 Likes und wurde knapp 100 Mal geteilt.

"Du UND dein Mama-Körper seit beide unglaublich!", schrieb eine Nutzerin unter den Post. "Das brachte mich tatsächlich zum Weinen. Dein Kind hat so ein Glück, ein so tolles Vorbild zu haben, das ihn und so viele andere dazu inspirieren wird, selbstbewusst zu sein, auch wenn die Gesellschaft versucht, das zu verhindern!"

Zuerst kommentierten ein paar Freunde und Familienmitglieder - doch plötzlich bezogen noch viel mehr Menschen Stellung: “Auf einmal meldeten sich alte Mitschüler, mit denen ich seit Ewigkeiten nicht gesprochen hatte und dann sah ich, wie oft mein Bild geteilt wurde und die ganzen Likes."

Viele Mütter verstehen Wilton nur zu gut

Einige Mütter, die auch gerade erst Kinder bekommen haben, posteten ebenfalls Bilder ihrer Körper und drückten damit ihre Verbundenheit gegenüber Wilton aus.

"Ich habe zwei wunderschöne Jungen auf die Welt gebracht und ich liebe sie innig!", schrieb eine andere Nutzerin. "Und wenn ich irgendwann den Luxus haben sollte, vor ihnen aufzuwachen, um Sport zu machen, werde ich meinen Körper rocken, so wie er ist!! Keine figurformende Unterwäsche mehr!"

Es gab auch viele Kommentare von Müttern, die selbst nach mehreren Jahren der Geburt immer noch Dehnungsstreifen haben - und die sich nicht dafür schämen.

"Ich bin zwei Kinder per Kaiserschnitt zur Welt gebracht", kommentierte eine Mutter. "Ich liebe meine Tiger-Streifen. Wenn das heißt, dass ich für den Rest meines Lebens 'übergewichtig' bin, dann soll es so sein."

"Sieben Jahre nach der Geburt! Ich stehe zu meinen Mama-Streife", schrieb eine Facebook-Nutzerin stolz zu ihrem Bild, das sie hinzufügte.

Nach der Geburt hat sie keine Bilder mehr gepostet

"Man hat immer das Gefühl, perfekt sein zu müssen und so habe ich mich auch ständig gefühlt - deswegen habe ich auch nie viele Bilder veröffentlicht, nachdem ich unseren Sohn bekommen habe", sagte Wilton.

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Caitlin Wiltons Sohn, Bennet. - Foto: Caitlin Wilton

Sie habe ständig Bilder von Müttern in Bikinis gesehen, sechs Monate nach der Geburt - sie hätten fantastisch ausgesehen. "Ich habe mich gefragt 'warum bin das nicht ich?'. Aber das ist nicht die Realität. Es sollte keinen Druck geben, dass man umbedingt wieder aussehen muss wie vor der Geburt."

Mehr zum Thema: Warum ich froh bin, keine perfekte Mutter zu sein

Der Arzt habe ihr den Tipp gegeben, sie könne ja vor ihrem Kind aufwachen, um Sport zu treiben. Ihre Antwort an ihn in ihrem Facebook-Post: "Ich werde Ihnen bescheid geben, wenn mein Baby mal länger als zwei Stunden schläft. Dann kann ich das vielleicht in Erwägung ziehen."

Inzwischen ist Wilton auf der suche nach einem neuen Arzt.

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der HuffPost Kanada und wurde von Martina Zink aus dem Englischen übersetzt und bearbeitet.

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(lk)

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