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23/11/2017 17:36 CET | Aktualisiert 24/11/2017 08:33 CET

Vater macht verstörende Videos von seinen Kindern - jetzt bekommt er die Konsequenzen zu spüren

  • Mehrere Millionen Menschen haben die Videos von Greg Chism bereits gesehen

  • Der Vater zeigt darin verstörende Streiche, die er seinen Töchtern spielt

  • Er verdiente damit viel Geld - nun aber hat das ein Ende

Jede Minute laden Nutzer auf YouTube 300 Stunden an Videomaterial hoch. Besonders beliebt sind sogenannte “Prank-Videos”. Auch die Industrie mit Kindervideos wächst enorm. Diese Videos orientieren sich oft nur rein am Gewinn, werden nach vielgesuchten Schlagworten produziert und enthalten oft verstörende Inhalte.

Ein alleinerziehender Vater hat sich diese Masche zu Nutzen gemacht. Greg Chism startete seinen YouTube-Kanal "Toy Freaks" vor etwa zwei Jahren. Zuerst erschienen nur harmlose Videos seiner zwei Töchter Victoria (9) und Annabelle (7). Später wurde der Inhalt dann verwirrender und verstörend.

Chism veröffentlichte Videos, in denen seine Töchter spielen, Babys zu sein. Sie werden darin gezwungen, zu essen, sie übergeben und bepinkeln sich. Millionen von Menschen schauen sich diese Videos an. Kinder und Erwachsene, die sich wie Babys verhalten, sind inzwischen ein eigenes Genre auf YouTube.

Für Kinder sind diese Videos unangebracht

Der Vater begann immer stärker, nach einem bestimmten Schema zu arbeiten. Wie er in einem Video auf YouTube erklärt, analysierte er die Klicks. Nach und nach passte er seinen Inhalt an - er veränderte die Titel, die Beschreibung, die Suchwörter.

Die mit Schlüsselwörtern gefüllten Zeilen zahlen sich aus. 8,53 Millionen Abonnenten erreichte der Kanal und war damit unter den Top 100. Das bekannteste Video mit dem Titel "Bad Baby Real Food Fight Victoria vs Annabelle & Freak Daddy Toy Freaks Family" hatte 622 Millionen kumulative Klicks.

Der Erfolg lockte schnell Nachahmer. Fan-Kanäle entstanden und veröffentlichten animierte Videos von Chism und seinen Töchtern. Auch die setzen auf vielgesuchte Schlagworte. So erreichte ein Video, in dem Victoria ihren Vater bepinkelt, laut dem Nachrichtenportal "BuzzFeed" neun Millionen Aufrufe. Inzwischen hat YouTube es gelöscht sowie zahlreiche ähnliche Videos.

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Vor allem beliebte Superhelden oder oft gesuchte Phrasen, wie "Nursery Rhymes" oder "Learning Colours" finden sich in den Titeln solcher Videos wieder. Diese enthalten dann zum Teil gewalttätige oder sexuelle Inhalte. Für die Kinder, die diese Videos durch den Algorithmus ausgespielt bekommen, also absolut unangebracht.

Besonders Chisms "Pranks" sorgten für Entrüstung. Regelmäßig stellte er Videos online, in denen er seine Töchter in der Badewanne mit verschiedensten Tieren 'überraschte'. Etwa mit einer Kröte oder einem Hummer. Die Szenen wirken grausam.

Vor allem Annabelle, der jüngere der beiden Töchter, ist die Panik ins Gesicht geschrieben. Sie schreit, bittet ihren Vater mehrmals aufzuhören und springt auf den Rand der Badewanne. Dort steht sie dann panisch kreischend und schluchzend, bis ihr Vater endlich das Tier entfernt.

Viele Nutzer fanden dieses Verhalten unmöglich und abstoßend. Chisms Videos bewegten sich an der Grenze zum Missbrauch, kritisierten sie. Nachdem sich immer mehr Nutzer über den Inhalt des Channels beschwerten, hat YouTube jetzt reagiert und den Kanal gelöscgt. Die Begründung: Die Videos verletzen die Richtlinien zur Sicherung des Kindeswohls.

Ob der Vater zusätzlich mit einer Anklage zu rechnen hat, ist nicht bekannt.

YouTube blockierte zwei weitere Kanäle des Vaters

Kurz nachdem der Kanal Toy Freaks gelöscht wurde, blockierte YouTube auch zwei weitere Kanäle, die Chism betrieb. Die Videos auf "Freak Family Vlogs" und "Freak World" sind ebenfalls nicht länger verfügbar. Dem Vater entgehen so große Einnahmen - pro 1000 Klicks, erhalten YouTuber zwischen einem und zwei Euro.

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Nach dem netzweiten Aufschrei aufgrund zahlreicher dieser Kindervideos, die nach Schlagworten produziert wurden, hat YouTube zudem seine Regeln verschärft. Das Unternehmen löscht nun nach und nach entsprechende Kanäle oder entzieht ihnen die Werbung und somit die Finanzierung.

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“Wir haben vor kurzem unsere Richtlinien verschärft, um Inhalte mit Minderjährigen zu verbieten, bei denen wir besorgniserregende Signale erhalten", erklärt das Unternehmen in einem Statement. "Es ist nicht immer klar, ob die Person, die das Video hochlädt, bewusst unsere Regeln verletzt. Wir werden diese Videos allerdings entfernen, um unsere Nutzer und Kinder zu schützen."

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(lk)