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23/11/2017 18:04 CET

"Manifesto": Ist das Kunst-Kino oder kann das weg?

Als schimpfender Obdachloser nicht zu erkennen: Cate Blanchett

Mit dem Film "Manifesto" des Deutschen Julian Rosefeldt hat es eine Kunstinstallation ins Kino geschafft. Eine, die seit nunmehr zwei Jahren durch Museen Deutschlands, Australiens und der USA zog. Eine, in der Cate Blanchett (48, "Carol") in 13 verschiedenen Rollen glänzen, sich als Puppenspielerin, keifender Penner oder zugedröhnte Punkerin ausleben darf. Und eine, die die wiederkehrende Frage aufwirft: Muss Kunst so anstrengend sein?

Eine Manifest-Kollage

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In zwölf Abschnitten, die von einem kürzeren Prolog eingeläutet werden, vermengt Rosefeldt verschiedene Manifeste größtenteils des 20. Jahrhunderts und setzt sie in Person (oder besser in den Personen) von Blanchett als Vorträgerin in die Gegenwart. Karl Marx trifft dabei auf Jim Jarmusch, Wassily Kandinsky auf Werner Herzog.

Als Börsen-Broker dekonstruiert Blanchett die Zukunft, als Arbeiterin einer Verbrennungsanlage sinniert sie über Architektur, als Puppenspielerin über Surrealismus. Spannende Schauwerte, die da künstlerischen Streitschriften entgegengestellt werden. Eine schlichtweg glorreiche Leistung von Blanchett, diese auf 13 unterschiedlichen Weisen dem Zuschauer mal entgegen zu speien, stoisch herunterzurattern oder aber mit der brüchigen Stimme einer Witwe den bierernsten Trauergästen zu vermelden: "Dadaismus ist noch immer scheiße, aber von nun an wollen wir in unterschiedlichen Farben scheißen."

Kunst als Film, Film als Kunst

Die eigentliche Installation bedurfte keine 90 Minuten Aufmerksamkeit. Alle zwölf Segmente liefen simultan ab, sorgten als visuelle und auditive Überforderung für eine Kakofonie der Kunst. Die nach kurzer Zeit vorbei war. Nun die einzelnen Kapitel brav aneinandergereiht im Kino sehen zu können, kann also für Menschen spannend sein, die der Ausstellung bereits beigewohnt haben. Denn sind wir ehrlich, "Manifesto" spricht ohnehin nur Personen an, die den Gang in ein Museum oder den Besuch einer Kunstaustellung nicht scheuen. Wer sich lediglich beim Anblick von Cate Blanchett auf dem Filmposter in die Vorstellung verirrt, wird wohl lange vor dem Abspann wütend wieder herausstürmen.

Fazit:

"Manifesto" ist, auch wenn andere Schauspieler darin zu sehen sind, eine "One Woman Show". Die Wandelbarkeit von Frau Blanchett ist atemberaubend, die rezitierten Streitschriften in ihrer Verkopftheit interessant. Ja, es ist Kunst und nein, es kann nicht weg. Aber die Menschen müssen deswegen auch noch lange nicht zu ihr. Wer auf die oft handlungsarmen Filme und die Bildsprache von Terrence Malick (73, "Knight of Cups") steht, dürfte auch mit dem Kino-Theaterstück "Manifesto" glücklich werden.

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