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23/11/2017 13:00 CET | Aktualisiert 23/11/2017 13:02 CET

US-Wirtschaftsmagazin stellt sich die Welt ohne Angela Merkel vor – es ist ein Schreckensszenario

Hannibal Hanschke / Reuters
US-Wirtschaftsmagazin stellt sich die Welt ohne Angela Merkel vor – es ist ein Schreckensszenario

  • Die Bundesregierung ist zerrüttet

  • Kostet das Polit-Chaos Angela Merkel den Posten?

  • Ein US-Wirtschaftsmagazin warnt vor einer Welt ohne die Kanzlerin

Jamaika ist gescheitert, was nun? Gemeinsam mit den Parteivorsitzenden will Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in diesen Tagen alle Optionen noch einmal abwägen. Auch Angela Merkel steht in diesen Gesprächen zur Diskussion - das Aus für Jamaika ist auch eine schwere Niederlage für die Kanzlerin.

Damit hat auch die Diskussion über eine Zeit nach der Ära Merkel begonnen.

Das US-Wirtschaftsmagazin “BloombergBusinessweek” hat das Szenario durchgespielt und kommt zu dem Schluss: Eine Welt ohne Merkel als Kanzlerin wäre ein furchterregender Ort.

Anführerin der freien Welt

Denn bei allen Klagen über die Innenpolitik der letzten Jahre, dürfe man eines nicht vergessen: Deutschland habe sich in den vergangenen zwölf Jahren unter Merkel zu einer globalen Führungsmacht entwickelt.

“Ihre pragmatische Einstellung und ihre liberale Herangehensweise haben der mütterlichen Bundeskanzlerin – spätestens seit der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten – gar den Titel der 'de facto Anführerin der freien Welt' eingebracht”, schreibt “Bloomberg”.

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Ein stattliches Lob von einem Medium, dessen Heimatland diesen Titel historisch für sich und sein Staatsoberhaupt beansprucht hat.

Angesichts der beunruhigenden Verbindungen zwischen Donald Trumps Beraterstab und der russischen Regierung sei Angela Merkel zudem auch ein wichtiger Gegenpol zu Russlands Präsident Wladimir Putin.

Merkel, die in der DDR aufgewachsen ist und Russisch spricht, sei vor allem in der Ukraine-Krise richtungsweisend gewesen, schreibt "Bloomberg". “Sie hat Österreich, Griechenland, Italien und andere zögerliche EU-Staaten davon überzeugt, wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland zu verhängen, um die russische Regierung wegen ihres Vorgehens in der Ukraine in die Schranken zu weisen."

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Wer soll autoritären Staatschefs wie Putin die Stirn bieten, wenn Angela Merkel nicht mehr im Amt ist? “Ohne sie als Führungskraft, besteht die Gefahr, dass die Sanktionen aufgehoben werden, ehe Putin seine Truppen aus der Ostukraine abgezogen hat”, vermutet Frederick Kempe vom Thinktank “Atlantic Council” im Gespräch dem Wirtschaftsmagazin.

Die Befürchtung der "Businessweek": Ohne Angela Merkel könnte Europa noch tiefer im Sumpf des Populismus versinken und sich weiter aus der Weltpolitik zurückziehen, wie es die Briten durch den Brexit und die USA unter Trump getan haben.

Politikexperte Kempe sagte dem Magazin: “Emmanuel Macron mag zwar mehr Verantwortung übernommen haben, aber machen wir uns nichts vor: was Wirtschaft und Weltpolitik angeht, ist kein anderes Land in Europa in der Lage in Deutschlands Fußstapfen zu treten."

Eine EU ohne Merkel – unvorstellbar

Auch für die Europäische Union würde Merkels Abgang nur Unheil verheißen. Um diese zu reformieren, gelte eine Allianz der Kanzlerin mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron als unabdingbar, merkt “Bloomberg” an.

Ohne Merkel dürfte sich diese Aufgabe, die unter anderem eine stärkere Zusammenarbeit der Sicherheitskräfte, ein Einwanderungsgesetz und ein gemeinsames Budget für die Eurozone vorsieht, wesentlich schwieriger gestalten.

Denn für jeden anderen Kanzlerkandidaten seien die Kompromisse, die Angela Merkel bereit ist einzugehen, sehr riskant. “Niemand besitzt ihr Durchsetzungsvermögen oder hat das Vertrauen so sehr auf seiner Seite wie sie”, zitiert das Wirtschaftsmagazin den Direktor des Holbrooke Forums in Berlin, Jan Techau.

Beides sei jedoch nötig, um die nötigen Zugeständnisse zu machen.

Nach aktuellem Stand können Techau und "Bloomberg" jedoch beruhigt sein: Angela Merkel denkt nicht ans Aufhören. Sollte es zu Neuwahlen kommen, will die CDU-Chefin nochmal als Kanzlerin antreten.

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(jg)