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22/11/2017 14:36 CET | Aktualisiert 22/11/2017 17:36 CET

Republikanischer Senator soll Minderjährige missbraucht haben – Trump verteidigt ihn

Joshua Roberts / Reuters
Republikanischer Senator soll Minderjährige missbraucht haben – Jetzt äußert sich US-Präsident Donald Trump

  • Dem US-Politiker Roy Moore wird von fünf Frauen vorgeworfen, sie sexuell belästigt zu haben, als sie noch minderjährig waren

  • Der Republikaner aus Alabama bestreitet alle Anschuldigungen und erhält zudem Rückhalt aus der eigenen Partei

  • Nun hat sich auch US-Präsident Trump zu den Vorwürfen gegen Moore geäußert

"Du bist nur ein Kind, und ich ein Staatsanwalt - niemand wird dir jemals glauben", soll Roy Moore zu Beverley Young Nelson gesagt haben. Als er sie angeblich versuchte zu vergewaltigen, vor 40 Jahren.

Nelson, die damals 16 Jahre alt war, ist eine von zehn Frauen, die dem radikalen Senatskandidaten aus Alabama - der für seine rassistischen, frauenfeindlichen und homophoben Einlassungen bekannt ist - vorwerfen, sie als Minderjährige sexuell belästigt und missbraucht zu haben.

Nachdem er sich zwei Wochen lang um ein Statement gedrückt hatte, hat sich nun US-Präsident Donald Trump erstmals zu den Vorwürfen gegen Moore geäußert.

“Er (Moore, Anm. d. Red.) sagt, dass es nicht passiert ist und man sollte ihm da zuhören”, erklärte Trump gegenüber Journalisten am Dienstag. Ob er der Meinung sei, dass an den Vorwürfen etwas dran ist, wollte er nicht sagen. Stattdessen merkte er an, dass die Vorfälle, die die Frauen schildern, nun auch schon 40 Jahre zurück lägen.

("Er hält zu dem Perversen" - so kommentieren New Yorker Zeitungen Trumps Aussagen zu Moore)

Die zögerliche bis verharmlosende Reaktion der Republikaner auf die heftigen Anschuldigungen der zehn Frauen hat einmal mehr gezeigt, dass Moral und Anstand in der Partei keine Rolle mehr spielen.

Trump-Beraterin: ”Brauchen jede Stimme für die Steuerreform”

Auch der Frage, “Ist ein Kinderschänder besser geeignet für das Amt des Senators als ein Demokrat”, wich das amerikanische Staatsoberhaupt aus. Das Weiße Haus hatte zuvor erklärt, dass die Wähler in Alabama selbst entscheiden müssten, ob Moore für den Senat geeignet sei.

Allerdings hielt Trump mit Hinblick auf Moores demokratischen Herausforderer Doug Jones fest: “Wir brauchen keinen Liberalen im Senat.”

Die Republikaner befürchten vor allem, dass Jones' Wahl zum Senator sie ihre Steuerreform kosten könnte. Auf die Frage eines Fox-News-Journalisten, ob sie hinter Roy Moore stehe, erklärte Trump Beraterin Kellyanne Conway: “Wir brauchen jede Stimme für unsere Steuerreform und Doug Jones wird dagegen stimmen.”

16 Frauen werfen Donald Trrump sexuelle Belästigung vor

Dass sexueller Missbrauch für sie kein Ausschlusskriterium für ein politisches Amt ist, haben die Republikaner bereits mehr als deutlich gezeigt. Schließlich haben sie einen Mann, dem ähnliche Vorwürfe gemacht werden, zum Präsidenten wählen lassen.

Erinnern wir uns: Im Oktober 2016, der heißesten Phase des Präsidentschaftsrennens, sorgte eine Tonbandaufnahme für Wirbel. Auf dieser behauptete Donald Trump, wer berühmt sei, könne Frauen zwischen die Beine fassen, wenn er es wolle.

Dass es sich dabei nicht nur um “Prahlereien, wie sie in jeder Männerumkleide stattfinden” handelte, wie Trumps Team damals die Aussagen des heutigen Präsidenten rechtfertigte, wurde kurze Zeit später klar: Insgesamt 16 Frauen brachten vor einem Jahr Belästigungsvorwürfe gegen Donald Trump vor.

Mehr zum Thema: Der Missbrauchs-Skandal in Hollywood erschüttert die USA - dabei sollten wir nicht vergessen, was Trump vorgeworfen wird

Trump: “Freue mich, dass diese Anschuldigungen ans Licht kommen”

Unfassbar heuchlerisch erscheint deshalb Trumps Antwort auf die Frage eines Reporters, was er zur Welle der Abrechnung sage, die gerade durch die USA ziehe und das Fehlverhalten unzähliger prominenter und hochrangiger Männer offenlegt.

“Frauen sind etwas ganz besonderes”, entgegnete der Präsident. “Ich glaube, dass wir gerade eine sehr besondere Zeit erleben und ich glaube, dass sie unserer Gesellschaft gut tut.”

Und weiter: "Ich glaube, dass es vor allem gut für Frauen ist und ich freue mich sehr, dass diese Sachen nun ans Licht kommen."

Allerdings scheint es ihn nur dann zu freuen, wenn die Vorwürfe sich gegen einen seiner politischen Gegner richten. So verurteilte Trump die Anschuldigungen gegen den demokratischen Senator Al Franken sofort scharf auf Twitter. Ob sie stimmen oder nicht, schien in diesem Fall keine Rolle zu spielen.

Was die Vorwürfe gegen ihn selbst angeht, beteuert der amerikanische Staatschef weiterhin, dass alle 16 Frauen lügen würden.

Dieser Artikel erschien zuerst bei der amerikanischen Ausgabe der HuffPost und wurde von Anna Rinderspacher übersetzt und ergänzt.

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(mf)

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