POLITIK
22/11/2017 19:46 CET | Aktualisiert 23/11/2017 07:44 CET

Die Schöne und die Biester: Die verdächtige Rolle von Trumps Vertrauter Hope Hicks in der Russland-Affäre

Jonathan Ernst / Reuters
Hope Hicks, die Kommunikationsdirektorin des Weißen Hauses unter Trump

  • Hope Hicks ist eine der loyalsten Mitarbeiterinnen von US-Präsident Donald Trump

  • Im gesamten Wahlkampf war sie Trumps persönliche Pressesprecherin - und ist deshalb nun im Visier von Sonderermittler Robert Mueller

  • In der Russland-Affäre könnte Hicks für Mueller zu einer Art Kronzeugin werden

Die nackten Zahlen in der Russland-Affäre des Teams von Donald Trump sind vernichtend: 51 Meetings, Telefonate oder E-Mail-Gespräche. 19 persönliche Treffen mit Vertretern oder Verbindungspersonen des Kremls. Und 12 Personen aus dem unmittelbaren Umfeld des heutigen US-Präsidenten, die während des Wahlkampfs und vor seinem Amtseid im Januar Kontakte nach Russland hatten.

Eine dieser Personen ist Hope Hicks.

Die 29-Jährige hat unter Trump eine steile Karriere hingelegt. Als Model und PR-Bearbeiterin ohne politische Erfahrung wurde sie zu seiner persönlichen Pressesprecherin. Heute ist sie Kommunikationsdirektorin im Stab des mächtigsten Mannes der Welt.

Hicks ist ein knallharter Profi. Schon während des Wahlkampfs führte kein Weg zu Trump an ihr vorbei: Sie allein entschied, welche Medienmitarbeiter Zugang zu ihrem Kandidaten erhielten; sie entschied auch, welche Informationen zu Trump selbst gelangten.

Niemand ist dem politischen Phänomen Donald Trump je so nah gekommen wie Hope Hicks. Es ist genau diese Nähe, die Sonderermittler Robert Mueller nun für seine Ermittlungen in der Russland-Affäre ausnutzen will.

Hope Hicks: Die Frau, die alles gesehen hat

In den US-Medien gilt Hicks als "the woman, who has seen everything" - die Frau, die alles gesehen hat. Tatsächlich war Hicks während vieler der zentralen Ereignisse in der Russland-Affäre anwesend:

Zwei Tage nachdem Trump gewählt wurde, sagte der russische Vize-Außenminister Sergej Raybkov, die russische Regierung habe während des Wahlkampfs Kontakte zu Trumps Team gehabt. Hicks stritt diese Kontakte kategorisch ab - eine offensichtliche Lüge.

Hicks wusste laut eigener Aussage, dass Trumps außenpolitischer Berater Carter Page sich während mehrerer Besuche in Moskau mit Vertretern der russischen Regierung traf. Laut der "Washington Post" wusste sie auch, dass Paul Manafort Kontakte nach Russland pflegte.

Wie das US-Magazin "The Altantic" schreibt, wurde Hicks auch darüber informiert, dass sich Donald Trumps ältester Sohn, Donald Trump Jr., mit Wikileaks austauschte - der Enthüllungsplattform, die auch die vermutlich durch russische Hacker gestohlenen E-Mails des Wahlkampfteams von Hillary Clinton verbreitete.

Hicks war laut einem Bericht der "Washington Post" anwesend, als Trump einen brisanten Brief an das Justizministerium verfasste, in dem er sich über FBI-Direktor James Comey und dessen Ermittlungen über die Russland-Kontakte des US-Präsidenten ausließ. Hope war auch anwesend, als Trump entschied, Comey zu feuern.

Robert Muellers Anklageschrift gegen Trump-Berater George Papadopoulos lässt zudem den Schluss zu, dass auch er Hicks über seine Kontakte und Aufenthalte in Russland informierte.

Mueller wird Hicks laut einem Bericht des Magazins "Politico" in den nächsten Tagen verhören - und das womöglich nicht nur als Zeugin, sondern auch als Verdächtige.

Mehr zum Thema: Trumps Eleven: Das sind die wichtigsten Verdächtigen in der Russland-Affäre

Hat Hope Hicks Trump beim Verschleiern geholfen?

Denn die Vermutung liegt nahe, dass Hicks geholfen hat, die vielen Russland-Kontakte von Donald Trumps Team zu vertuschen - so, wie sie es direkt nach der Wahl bereits tat. So, wie sie es in den Fällen von Carter Page und George Papadopoulos tat.

Und so, wie es im Umfeld Trumps üblich ist. Denn egal, ob es nun Jared Kushner, Carter Page, Paul Manafort oder sogar Justizminister Jeff Sessions waren: Sie alle haben Treffen mit russischen Regierungsmitarbeitern verschwiegen.

Mehr zum Thema: Neue Enthüllungen zeigen, wie Donald Trump Jr. und Jared Kushner heimlich Kontakte nach Russland knüpften

Hicks könnte in dieser Verschleierungskampagne eine besondere Rolle zugekommen sein, vermutet Seth Abamson, Juraprofessor an der University of New Hampshire.

Er bezeichnet Hicks als "Mailwäscherin". Sie habe Donald Trump womöglich über all die sensiblen Mails und Treffen im Zusammenhang mit Russland informiert, so, dass dieser später behaupten könne, diese nie persönlich gesehen zu haben.

Was immer Mueller aus Hicks herausbekommt, ihre Vernehmung an sich ist bereits ein Anzeichen dafür, dass die Ermittlungen in der Russland-Affäre weit fortgeschritten sind.

Adam Goldberg, ein ehemaliger Anwalt des Weißen Hauses unter Bill Clinton, sagte "Politico": "Wenn du jemanden hast, die die rechte Hand der Person war, die dein Hauptziel ist, die unter Eid detaillierte Fragen beantworten muss - dann bist du in deinen Ermittlungen sehr weit vorangekommen."

Muellers Hauptziel ist Donald Trump. Hope Hicks könnte ihn direkt zu ihm führen.

Mehr über Donald Trumps Chaos-Präsidentschaft:

Was alle wissen sollten, die glauben, dass Donald Trump bald des Amtes enthoben wird

Trump profitiert von der starken US-Wirtschaft - doch diese 6 Fakten sollten dem US-Präsidenten Sorge bereiten

Trump ist eine Zumutung. Aber was nach ihm kommen könnte, wäre noch schlimmer

Donald Trump will die USA spalten - mit dieser perfiden Taktik will er sein Ziel erreichen

Sonderermittler Robert Mueller: 5 Dinge, die ihr über den Mann wissen solltet, der Donald Trump zu Fall bringen könnte

Trumps Eleven: Das sind die wichtigsten Verdächtigen in der Russland-Affäre

(mf)

Sponsored by Trentino