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22/11/2017 20:41 CET | Aktualisiert 22/11/2017 21:00 CET

Bier, Schnaps, Wein? Forscher haben herausgefunden, was ihr nicht trinken solltet, wenn ihr einen lustigen Abend haben wollt

  • Kein geselliger Abend ohne Alkohol - doch jeder reagiert anders auf Bier, Schnaps oder Wein

  • Wie genau sich der Konsum verschiedener Spirituosen auf die Gemütslage auswirkt, wollen nun Forscher herausgefunden haben

  • Im Video seht ihr, was passieren kann, wenn man aufhört Alkohol zu trinken

Wer um 3 Uhr nachts schon mal auf der Tanzfläche in Tränen ausgebrochen ist, weiß: Alkohol bringt die Gefühlswelt gehörig durcheinander.

Wie genau sich der Konsum verschiedener Spirituosen auf die Gemütslage auswirkt, wollen nun Forscher in eine Studie herausgefunden haben. Das Global Drug Survey hat das Trinkverhalten von 30.000 Probanden zwischen 18 und 34 Jahren untersucht und dabei herausgearbeitet, wie unterschiedlich Menschen auf Alkoholtypen wie Wodka, Rotwein und Bier reagieren.

Die Wissenschaftler glauben, dass ihre Ergebnisse dabei helfen, ein größeres Bewusstsein für Alkoholprobleme zu schaffen.

Alkohol macht Männer aggressiv und Frauen entspannt

Die Probanden sollten angeben, wie sie sich fühlen, nachdem sie eine bestimmte Alkoholsorte zu sich genommen haben: energiegeladen, entspannt, sexy, selbstbewusst, müde, aggressiv, krank, rastlos oder weinerlich.

Ihre Antworten zeigen: unterschiedliche Typen von Alkohol rufen unterschiedliche Emotionen hervor.

Harter Alkohol wurde demnach eher mit negativen Emotionen assoziiert. 30 Prozent der Befragten gaben zu, dass der Konsum von Wodka, Rum oder anderen Spirituosen sie aggressiv mache.

Gleichzeitig fühlte sich der Großteil der Probanden durch den Konsum von Spirituosen selbstbewusster und mehr energiegeladen, als zum Beispiel nach einem Glas Bier oder Wein. 43 Prozent der Befragten gaben an, sich durch Wodka oder Schnaps sexy zu fühlen.

Rotwein sorgte dagegen bei mehr als der Hälfte der Befragten für Entspannung. 53 Prozent gaben an, sich danach lockerer zu fühlen. 50 Prozent sagten dasselbe über den Konsum von Bier.

Bemerkenswert war auch, dass die befragten Männer fast alle Sorten von Alkohol eher mit Aggression assoziierten.

Weibliche Probanden empfanden dagegen in der Regel alle Emotionen außer Aggression, wenn sie tranken.

Wer oft und viel trinkt, tendiert dazu, von Alkohol aggressiv zu werden – egal welche Art von Alkohol er konsumiert.

Zudem lässt sich aus den Antworten der Probanden ablesen, dass Menschen, die regelmäßig Alkohol trinken, zunehmend darauf angewiesen sind, um positive Emotionen zu erzeugen. Im Verhältnis war die Zahl der Probanden, die angaben, sich nach dem Konsum energiegeladen zu fühlen, bei routinierten Trinkern fünf Mal höher, als bei Gelegenheitstrinkern.

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Professor sieht niedrige Alkoholpreise als Gefahrenquelle

“Spirituosen wie Rum, Gin und Wodka werden seit eh und je mit Gewalttätigkeit in Verbindung gebracht”, kommentiert der britische Professor Mark Bellis, einer der Autoren der Studie, die Ergebnisse. Bellis ist unter anderem Direktor des Zentrum für Öffentliche Gesundheit an der Liverpooler John Moores Universität.

Ihm zufolge sei es deshalb bedenklich, dass Spirituosen nach wie vor einfach und günstig zu erwerben seien. “Eine Flasche Wodka kostet am Kiosk oft nicht mehr als 15 Euro”, sagt Bellis. “Wenn man das herunter rechnet, kostet ein Shotglas nicht mal einen Euro.”

Die niedrigen Preise würden nicht nur eine Bedrohung für die Gesundheit der Konsumenten darstellen, sondern – aufgrund des gesteigerten Aggressionspotenzials – auch für die Sicherheit der Menschen in ihrem Umfeld.

Über drei Millionen Menschen sterben jedes Jahr an den Folgen von übermässigem Alkoholkonsum. Übermäßiges Trinken kann zu Herzproblemen und Lebererkrankungen führen und das Schlaganfallrisiko erhöhen.

Suchtexperte: "Müssen mehr für die Prävention tun"

Eytan Alexander vom britischen Zentrum für die Behandlung von Suchtkrankheiten sagte der HuffPost: “Abhängigkeit ist eine komplizierte Krankheit, deren Ursachen sich nicht immer eindeutig festmachen lassen.”

Jedoch hänge Alkoholsucht häufig mit Depressionen und Angstzuständen zusammen, da Menschen, die unter psychischen Erkrankungen leiden, häufig auf Alkohol zurückgreifen würden, um ihren seelischen Schmerz oder ihr Unwohlsein zu lindern.

“Darum ist es nicht nur wichtig, dass wir Alkoholikern dabei helfen, trocken zu werden, sondern auch, dass wir mehr in Sachen Prävention tun”, sagte Alexander weiter.

Vor allem eine Sache lasse sich anhand der Studie erkennen, sagt Dr. John Larsen von der britischen Präventionsorganisation “Drinkaware” gegenüber der HuffPost: Dass die Probanden, die angegeben haben, sich nach dem Trinken aggressiv zu fühlen, offensichtlich damit rechnen, wenn sie zu den jeweiligen Alkoholtypen greifen. Denn die Befragung wurde im nüchternen Zustand durchgeführt.

“Man muss also davon ausgehen, dass die Leute diesen Gemütszustand bewusst herbeiführen wollen”, so Larsen. Oder die negative Wirkung zumindest in Kauf nehmen.

Dieser Text erschien zuerst bei der britischen Ausgabe der HuffPost und wurde von Anna Rinderspacher übersetzt und gekürzt.

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(mf)

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