LIFESTYLE
21/11/2017 17:38 CET | Aktualisiert 21/11/2017 17:40 CET

Der 4-Jährige trägt eine Narbe am Arm - sie zeigt, was ihm im Bauch der Mutter zugestoßen ist

  • In Deutschland kommen pro Jahr mehr als 60.000 Frühchen zur Welt

  • Die Babys und ihre Eltern brauchen in der Zeit nach der Geburt viel Durchhaltevermögen

  • Die Geschichte einer Amerikanerin aber zeigt, dass sich der harte Kampf auszahlt

Winzig, dünn und angeschlossen an zahlreiche Kabel und Schläuche - so kämpfen Frühchen in Brutkästen um ihr Leben. Die Windeln sind noch viel zu groß, eine Sauerstoffmaske überdeckt das kleine Gesicht und ringsherum ertönt ein ständiges Piepen.

Die Technik soll den Mutterleib ersetzen, den die Säuglinge zu früh verlassen haben. Dank der fortgeschrittenen Medizin überleben heute über 80 Prozent der Frühchen.

Für die Eltern ist die Situation ein Albtraum. Sie leben in den Anfangswochen auf der Frühchenstation. Abends müssen sie sich von ihrem Baby verabschieden, in der stetigen Hoffnung, dass in der Nacht kein Anruf von der Klinik kommt. Die Angst um das Leben ihres Kindes sowie die Ungewissheit über die gesundheitlichen Folgen, sind für Eltern eine große Herausforderung.

Seine Narbe ist ein Symbol für die schwierige Zeit

Umso schöner ist es für die Eltern, wenn sie die Gewissheit haben, dass sich die harte Zeit ausgezahlt hat. Wenn das Kind sich gut entwickelt hat und die vorzeitige Geburt keine schwerwiegenden Folgen nach sich zieht.

So war das für die Amerikanerin Kirby Corbey und ihren nun vier Jahre alten Sohn Emmett. Er hat immer noch eine Narbe an der Rückseite seines Arms. Sie ist ein Symbol für die schwierige Zeit, die er als Frühchen hatte.

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Corbey erlitt während ihrer 32. Schwangerschaftswoche einen Gebärmutterriss. Die Ärzte mussten Emmet per Kaiserschnitt entbinden. Bei der Geburt wog er nur 1800 Gramm. Der Uterus hatte Emmets Arm davor so sehr gequetscht, dass eine Narbe zurückgeblieben ist.

Mehr zum Thema: Frühgeburt: Jedes Gramm ist wie ein Versprechen

“Sein rechter Arm und die Hälfte der Plazenta rutschten durch den Riss und die Gebärmutter zog sich drumherum zusammen", sagte Corbey der HuffPost US. "Fünf Stunden konnte kein Blut in seinem Arm fließen. Aber glücklicherweise wurden so zumindest innere Blutungen verhindert."

69 Tage verbrachte Emmet auf der Frühchenstation

Emmet hatte blaue Flecken am ganzen Körper, als seine Mutter ihn das erste Mal sah. Sein rechter Arm war doppelt so groß wie sein linker. "Er hing zu Beginn kraftlos herunter. Später war Emmet bei der Physiotherapie. Faszinierenderweise ist er jetzt sogar Rechtshänder."

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Während der ersten fünf Tage seines Lebens litt Emmet an Krampfanfällen. Nach 69 Tagen auf der Frühchen-Intensivstation durfte Corbey ihn mit nach Hause nehmen. Die PEG-Sonde zur Ernährung wurde erst einen Monat später entfernt.

Vor seinem ersten Geburtstag musste Emmet erneut ins Krankenhaus. Er litt an einer viralen Hirnhautentzündung, die weitere Krampfanfälle auslöste.

Mehr zum Thema: Wissenschaftler haben eine neue Methode gefunden, um Frühchen zu retten

Vier Jahre, nachdem er zu früh auf die Welt kam, ist Emmett heute ein glückliches, gesundes und intelligentes Kind. Er liebt es, sich als Superheld zu verkleiden und mit Hunden zu spielen.

Für Corbey war die Zeit auf der Frühchenstation hart. Ihr Rat für Eltern in der gleichen Situation: "Feiert die kleinen Fortschritte. Euer Baby kämpft so tapfer. Jede kleine Verbesserung bedeutet so viel für ihre winzigen Körper! Seid stolz auf sie und euch bei jedem Meilenstein, den ihr erreicht."

Jährlich werden in Deutschland mehr als 60.000 Kinder zu früh geboren - davon 8000 vor der 30. Schwangerschaftswoche. Umgerechnet entspricht das einer Frühgeborenenrate von 8,6 Prozent. Eine der höchsten in ganz Europa.

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(lk)

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