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21/11/2017 16:40 CET

Emmy für "Familie Braun": Kaum jemand kennt die ZDF-Serie

Kai (Vincent Krüger, l.) und Thomas (Edin Hasanovic) in "Familie Braun"

Mit Jubelschreien haben die Produzentinnen Beatrice Kramm und Lucia Haslauer in New York den International Emmy Award entgegengenommen und eine starke Konkurrenz aus Kanada, Argentinien und Brasilien hinter sich gelassen. Sie erhielten die goldene Trophäe für ihre Miniserie "Familie Braun".

Noch nie gehört? "Familie Braun" wurde für das Internet produziert und auf Youtube gezeigt. Das ZDF hat das Format ab dem 12. Februar 2016 im Rahmen der Reihe "Das kleine Fernsehspiel" (ab 22:30 Uhr) ausgestrahlt. Am 23. November zeigt der Sender ab 00:45 Uhr noch einmal alle Folgen im TV, die auch in der Mediathek zu finden sind. Das muss man über die preisgekrönte ZDF-Produktion wissen.

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Wer spielt mit und worum geht es?

In acht superkurzen Episoden (von jeweils 3:40 bis 7:07 Minuten) wird die Geschichte der beiden Berliner Neonazis Thomas (Edin Hasanovic) und Kai (Vincent Krüger) erzählt, die in einer WG im Plattenbau wohnen. Vincent Krüger (*1991) gehörte zum Beispiel von 2011 bis 2016 zum Ensemble der Daily Soap "Gute Zeiten, schlechte Zeiten". Er spielte Vince Köpke. Edin Hasanovic (25) ist im deutschen TV ebenfalls kein Unbekannter. Er hatte bereits Auftritte in "Tatort"-Folgen oder der Serie "KDD - Kriminaldauerdienst". In Matthias Schweighöfers Amazon-Serie "You Are Wanted" war er ebenfalls zu sehen.

In "Familie Braun" steht eines Tages eine attraktive Afrikanerin mit einem kleinen dunklen Mädchen vor der Tür von Thomas und Kai. Die Frau soll nach Eritrea abgeschoben werden, zuvor möchte sie ihre sechsjährige Tochter Lara (Nomie Laine-Tucker) bei ihrem leiblichen Vater abgeben: Thomas hatte nämlich vor Jahren einen längst vergessenen One-Night-Stand mit der Frau aus Eritrea. Nun muss sich der rechtsradikale Herr Papa mit seinem dunkelhäutigen Kind arrangieren...

Entsetzt fragt sein Kumpel Kai: "Du hast eine Negerin geknallt?" Thomas antwortet eher hilflos: "Sie war damals heller!"

Pro und Kontra

Dass tatsächlich jemand die "Brauns" bei der Erstausstrahlung gesehen hat, beweist das Lob des "Welt"-Autors Hendryk Broder, der über Dialoge wie dem oben stehenden urteilte: "Ausgerechnet das Haus am Lerchenberg" habe sich "im Umgang mit Nazis etwas Neues einfallen" lassen: "das Mittel der Komödie, in der auch Sätze fallen, die im Normalfall mit dem Entzug der Sendelizenz bestraft würden". Irgendjemand im ZDF habe "tatsächlich begriffen, dass die Nazis Pappkameraden sind, über die gelacht werden darf."

Dagegen befand die Kritikerin Heike Kunert von "Zeit online": "Man sitzt vor einer grauenhaften Fernsehsendung und kann einfach nicht aufhören zu gucken. Ähnlich wie man eine Tüte Kartoffelchips auf Gedeih und Verderb aufessen muss. Anders als die ZDF-Miniserie 'Familie Braun' hat eine Tüte Kartoffelchips immerhin einen Inhalt".

Das sah die Emmy-Jury ganz anders. Sie zeichnete die Serie aus. Damit kann man mit den Brauns jetzt in der Königsklasse lachen.

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