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21/11/2017 12:25 CET | Aktualisiert 21/11/2017 17:42 CET

Mitten in Bremen liegt dieser unscheinbare Stein - er erinnert an ein bestialisches Verbrechen

  • Gesche Gottfried hat im 19. Jahrhundert 15 Menschen ermordet

  • Ihr Fall bewegt auch heute noch Autoren und Filmemacher

  • In ihrer Heimatstadt Bremen erinnert ein Pflasterstein an die abscheulichen Verbrechen

  • Oben im Video: Es sieht aus wie ein Stein - im Inneren verbirgt sich die gruselige Wahrheit

Was ist eigentlich mit den Bremern los? Diese Frage stellen sich Touristen zwangsläufig, wenn sie vor dem Dom stehen. Denn: Nicht selten kommt es vor, dass Einwohner der Hansestadt auf dem Domplatz auf einen Pflasterstein spucken.

Hinter dem unscheinbaren, auf den ersten Blick völlig normal wirkenden Stein steckt nämlich eine tragische Geschichte. Die Geschichte von Gesche Gottfried - einer berüchtigten Massenmörderin, die im 19. Jahrhundert ihr Unwesen in der Hansestadt trieb und insgesamt 15 Menschen tötete.

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Lange Zeit ahnte niemand, wozu Gesche Gottfried fähig war. Sie galt sogar als "Engel von Bremen". Weil sie sich aufopferungsvoll um ihre sterbenden Verwandten und Freunde gekümmert haben soll. Nur: diese Menschen starben, weil Gottfried sie mit Arsen vergiftete.

Viele Bürger Bremens gingen von tragischen Unglücken aus

Mit dem Gift brachte sie ihren ersten Ehemann im Jahr 1813 um. Damals war Gottfried, die in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen war, 28 Jahre alt. Das tödliche Mittel bekam sie von ihrer Mutter - allerdings eigentlich, um gegen eine Mäuseplage vorzugehen.

Mit dem Rest tötete Gesche Gottfried noch acht weitere Menschen, unter anderem ihre Mutter, ihren Vater, zwei Töchter und ihren Bruder.

Die Bremer gingen jedoch zunächst von einer tragischen Unglücksserie aus. Viele bedauerten Gottfried für ihre Verluste.

Doch auch nach diesen Morden hörte die Frau nicht auf zu töten. Sechs Jahre nach den ersten acht Morden schickte sie ihre Magd in eine Apotheke.

Dort sollte ihr die Mitarbeiterin Mäusebutter besorgen. Diese besteht zu zwei Anteilen aus Butterschmalz und Arsenik.

Irgendwann kam ihr Vermieter Gottfried auf die Spur

Dann verteilte Gesche Gottfried weiter kleinere Dosen des Gifts. Bis ihr Vermieter ihr irgendwann auf die Spur kam. Johann Rumpff bemerkte weiße, undefinierbare Kügelchen in einem Stück Schinken und suchte seinen Hausarzt auf. Dieser untersuchte seinen Fund und konnte ihn als Arsen identifizieren.

Am 6. März 1828 wurde Gesche Gottfried schließlich festgenommen. Sie verbrachte drei Jahre in Haft, ehe sie öffentlich hingerichtet wurde.

Ihr Schafott stand an jener Stelle, an der heute der sogenannte Bremer Spuckstein liegt. Eine andere Geschichte besagt, dass genau an dieser Stelle der heruntergeschlagene Kopf der Giftmörderin liegengeblieben sein soll.

Die Hinrichtung fand am 21. April 1831 statt - es war die letzte, die jemals öffentlich in der Hansestadt Bremen ausgeführt wurde.

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(Gipsabguss der Totenmaske von Gesche Gottfried, der sich im Focke-Museum in Bremen befindet/ Copyright: Jürgen Howaldt)

Fassbender, ZDF und Co.: Gesche Gottfried polarisiert auch heute noch

Welches Motiv hinter den Massenmorden von Gottfried steckte, konnte nie abschließend geklärt werden. Darüber rätseln auch heute noch einige Regisseure und Schriftsteller.

Der bekannte deutsche Regisseur Rainer Werner Fassbinder verfilmte das Leben der Gesche Gottfried unter dem Namen "Bremer Freiheit". Er sah die Mörderin als Opfer ihrer Zeit. Frauen hatten damals keinen hohen Stand, Gottfried galt als hochintelligent, konnte sich allerdings nicht entfalten.

Der Bremer Schriftsteller Peer Meter hat sich 22 Jahre lang mit Gottfried und ihren abscheulichen Verbrechen für sein Buch "Gesche Gottfried, Eine Bremer Tragödie" beschäftigt. Er will das letzte Geheimnis der Frau herausgefunden haben: Gottfried soll sexsüchtig gewesen sein.

"Was kaum einer weiß, Gesche Gottfried war eine wunderschöne Frau. Wenn sie mit rauschendem Rock und großem Hut über den Marktplatz schritt, schaute ihr jeder Kerl hinterher. Und sie lebte ihre Sexualität völlig frei aus", schreibt Meter.

Ihr Leben soll nun erneut verfilmt werden und im ZDF zu sehen sein. Das verriet die bekannte deutsche Filmproduzentin Regina Ziegler dem Branchendienst "DWDL".

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(ujo)

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