NACHRICHTEN
20/11/2017 18:31 CET | Aktualisiert 21/11/2017 08:36 CET

Fünf Spanier haben ein Mädchen vergewaltigt - das Vorgehen des Richters ist ein Skandal

  • Fünf Männer sollen eine 18-Jährige in Pamplona vergewaltigt haben

  • Ein WhatsApp-Chat deutet darauf hin, dass die Tat von langer Hand geplant war - das zuständige Gericht lässt die Nachrichten jedoch nicht als Beweismittel zu

  • Im Video oben: Anonymous deckt eine Vergewaltigung auf - jetzt werden sie selbst dafür verurteilt

Die Anschuldigungen wiegen schwer: Fünf junge Spanier sollen im Juli 2016 beim Stierkampffest in Pamplona eine 18-Jährige vergewaltigt haben. Die Staatsanwaltschaft fordert 22 Jahre Haft für jeden der Angeklagten.

Auf den ersten Blick scheint die Beweislage eindeutig. Denn die Angeklagten, die aus Sevilla stammen, hatten die Vergewaltigung wohl gefilmt und die Videoaufnahmen über eine WhatsApp Gruppe mit Namen “Das Rudel” mit ihren Freunden geteilt – “Eine Schlampe auf Reisen” oder “Eine unter fünf” sollen die Titel der Videos lauten. Das berichtet unter anderem die spanische Zeitung "ABC".

Aus dem Nachrichtenverlauf gehe außerdem hervor, dass die Männer schon vor ihrer Reise nach Pamplona geplant hatten, während der Feierlichkeiten eine oder mehrere Frauen zu vergewaltigen, schreibt unter anderem die Zeitung “El Mundo”.

So hätten die Männer über den Einsatz des Betäubungsmittels Chloroform diskutiert. “Als erstes müssen wir Chloroform besorgen und Seile, damit wir die Finger frei haben, denn wir wollen sie danach alle vergewaltigen”, soll eine Nachricht an das “Rudel” gelautet haben.

Doch das zuständige Gericht hat die Nachrichten nicht als Beweismittel zugelassen. Ein Fehler, meint der Strafverteidiger José Antonia Tuero. "Meiner Meinung nach hätten diese Nachrichten zugelassen werden müssen, denn sie zeigen, mit welchem Vorsatz diese Männer nach Pamplona gefahren sind", sagte Tuero gegenüber "El Mundo".

Gericht handelt zu Gunsten der Angeklagten

Zugelassen ist hingegen der Bericht eines Privatdetektivs, den die Verteidigung angeheuert hatte, um das vermeintliche Opfer zu beschatten.

Die spanische Zeitung “El Periodico” berichtet, der Mann habe die 18-Jährige ein Wochenende lang beobachtet und sich angesehen, was sie in sozialen Netzwerken wie Instagram und Facebook gepostet habe. Außerdem sollen die Aufzeichnungen einer Sicherheitskamera, die in der Nähe des Hauses in dem das mutmaßliche Opfer wohnt angebracht ist, studiert werden.

Die umstrittene Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass die junge Frau weiterhin ein normales Leben führt und nicht traumatisiert sei, schreibt “El Periodico”.

Mehr zum Thema: Ich stand kurz vor dem Selbstmord - wie ich es geschafft habe, mich aus der Missbrauchshölle zu befreien

Das Maß ist voll

Die Empörung über das Vorgehen des Richters ist groß. Es handle sich dabei um "patriarchalische Justiz", finden Feministen und machen ihrem Ärger unter dem Hashtag #JusticiaPatriarcal Luft. "Soll sie etwa daran schuld sein?" fragt eine Twitter Nutzerin und erklärt: "Es wundert mich nicht, dass Vergewaltigungen in Spanien nicht angezeigt werden."

Viele pflichten ihr bei: Unter dem Motto “Wir sind das Rudel” versammelten sich am 17. November tausende Menschen vor dem Justizministerium in Madrid, um gegen die Entscheidung zu demonstrieren – “Schwester, ich glaube dir” stand auf einigen Plakaten. Andere forderten: “Auf dem Heimweg sollte man frei sein, nicht tapfer”.

Wie die Verhandlung ausgeht, wird sich erst am 24. November zeigen. Eines steht jedoch fest: Das gesellschaftliche Erdbeben, das durch die Vorwürfe gegen Hollywood-Produzent Harvey Weinstein ausgelöst wurde, ist noch lange nicht vorüber.

2017-07-23-1500833626-3203653-DerHuffPostWhatsAppNewsletter6.png

Die wichtigsten News des Tages direkt aufs Handy - meldet euch hier an.

(lp)

Sponsored by Trentino