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20/11/2017 12:56 CET

Seit 70 Jahren verheiratet: Wieso der Palast die Ehe von Queen Elisabeth II. und Prinz Philip verhindern wollte

imago/United Archives
Queen Elizabeth II. und Prinz Philip feierten am 20. November 1947 ihre Hochzeit in London

  • Queen Elisabeth II. und Prinz Philip feiern ihren 70. Hochzeitstag

  • Nicht alle im Palast waren mit der Hochzeit der beiden einverstanden

  • Ein Biograf meint: Der Prinz sei einfach zu lustig gewesen

70 Jahre verheiratet. Damit stellen Queen Elizabeth II. (91) und Prinz Philip (96) in der Geschichte der britischen Royals einen Rekord auf. In Deutschland spricht man bei einem solchen Jubiläum oft von einer Gnadenhochzeit.

Schon mit 13 Jahren verliebte sich Elizabeth in den schneidigen Philip, ihren Cousin dritten Grades. Es sei Liebe auf den ersten Blick gewesen, sagte die Queen. Irgendwann begannen sie sich Liebesbriefe zu schreiben...

Ausdauer auch in der Liebe

Während des Krieges war er Marineoffizier bei der Navy, sie engagierte sich als Mechanikerin. In dieser Zeit sollen sie sich nur einmal, 1943, bei einem gemeinsamen Weihnachtsfest der königlichen Familie wiedergesehen haben.

Drei Jahre später verlobten sich die beiden beim nächsten gemeinsamen Aufenthalt im schottischen Schloss Balmoral. Am 9. Juli 1947 gab das britische Königshaus die Verlobung der 21-jährigen Kronprinzessin mit dem 26-jährigen Prinz Philipp von Griechenland und Dänemark bekannt.

Wilson: “Komplett die falsche Person“

Nicht alle im Palast waren glücklich mit dieser Wahl: Prinz Philip hatte deutsche Verwandtschaft, was so kurz nach dem Zweiten Weltkrieg nicht sonderlich hoch im Kurs stand.

Wäre es nach den Beratern der Queen gegangen, wäre eine Hochzeit der beiden wohl nie zustande gekommen. Vor allem die Umgangsformen des Prinzen störten den Palastvertretern gewaltig.

Er war einfach zu lustig, “komplett die falsche Person“, sagte der britische Kolumnist und Autor der Queen-Biographie A. N. Wilson auf einem Literaturfestival. Dies berichtet das Nachrichtenportal “The Telegraph”.

Außerdem passte seine Religionszugehörigkeit nicht, der Prinz war kein Anglikaner. Vor der Hochzeit konvertierte Prinz Philip aber von der griechisch-orthodoxen zur anglikanischen Kirche.

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Hochzeit und Liebesglück

Trotz aller Warnungen feierten die beiden am 20. November 1947 Hochzeit in der Londoner Westminster Abbey. Schneeweißes Seidenkleid der damaligen Kronprinzessin war mit unzähligen Perlen und Kristallen bestickt.

Mehr als 200 Millionen Menschen verfolgten die Trauung weltweit live an den Rundfunkgeräten.

Nach der Hochzeit zogen die beiden auf die bis 1964 zum Vereinigten Königreich gehörende Insel Malta, wo er als Marineoffizier stationiert war.

Von 1949 bis 1951 lebten sie in der Villa Guardamangia in der Hauptstadt Valletta. Die Queen soll diese Zeit später als glücklichste Jahre ihres Lebens bezeichnet haben.

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Königin und Prinzgemahl

Das Paar bekam vier Kinder: Prinz Charles (*1948), Prinzessin Anne (*1950), Prinz Andrew (*1960) und Prinz Edward (*1964). Dass das dritte Kind erst zehn Jahre nach dem zweiten zur Welt kam, lag vermutlich auch daran, dass aus der Prinzessin zwischenzeitlich eine Königin geworden war.

Denn 1952 folgte Elizabeth ihrem überraschend verstorbenen Vater, König Georg VI. (1895-1952), als Monarchin. Die traurige Nachricht von seinem Tod überbrachte ihr ihr Mann während einer Kenia-Reise.

Die Krönung fand am 2. Juni 1953 statt. Von da an musste er immer einen Schritt hinter ihr gehen. Irgendwie passend dazu sagte die Queen anlässlich der Goldenen Hochzeit, er habe ihr "Kraft und Rückhalt" gegeben. Philip gab seine aktive Karriere bei der Marine auf.

Königliche Krisen

Kraft brauchte die Königin bei ihrer langen Regentschaft auch oft. Das Paar machte schwere Stunden durch, als binnen kurzer Zeit die Ehen von drei seiner Kinder scheiterten.

Im "Schreckensjahr" 1992 stand am 20. November - genau am Hochzeitstag vor 25 Jahren - Schloss Windsor in Flammen. Fünf Jahre später starb Ex-Schwiegertochter Diana bei einem Autounfall. Das Volk trauerte, die Queen schwieg. Das nahmen ihr die Briten übel. Heute fliegen ihr wieder die Herzen zu.

Die US-amerikanische Zeitschrift "People-Magazine" berichtete zudem 1954 von einem Vorfall in Australien. Damals wurde die Königin dabei gefilmt, wie sie einen Tennisschläger und Schuhe nach Prinz Philip warf.

Von Oktober 1956 bis Februar 1967 lebte er allein in Australien. Die Presse berichtete damals von einer weiblichen Begleiterin. Doch mit ihrem offiziellen Statement sollte die Queen aus heutiger Sicht Recht behalten: "Es ist falsch, dass es eine Missstimmung zwischen der Königin und dem Herzog von Edinburgh [Prinz Philip] gibt."

Brandreth: "Die Queen trägt die Krone, aber ihr Ehemann hat die Hosen an"

Konflikte trage das Paar nie nach außen, sagt Adelsexperte Rolf Seelmann-Eggebert (80) der Deutsche Presseagentur. Philip sei der einzige, der Kritik an der Königin äußern dürfe. Dies verdeutliche ihre tiefe Verbundenheit.

"Er hat ihr die Meinung gesagt und ist auch mal wütend aus dem Zimmer gerannt." Für Biograf Gyles Brandreth steht fest: "Die Queen trägt die Krone, aber ihr Ehemann hat die Hosen an."

Und heute?

Die Zeiten ändern sich: Seit August dieses Jahres absolviert der bislang so fleißige Prinz Philip keine offiziellen Veranstaltungen mehr und auch seine ausdauernde Ehefrau gibt nach und nach immer mehr Pflichten ab.

Ihren Hochzeitstag feiern die Jubilare bei einem Dinner mit Familie und Freunden auf Windsor Castle.

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Mit Material von dpa.

(cho)