POLITIK
20/11/2017 07:11 CET | Aktualisiert 20/11/2017 07:58 CET

Nach dem Jamaika-Aus: Muss Merkel jetzt gehen?

Axel Schmidt / Reuters
Kanzlerin Angela Merkel in Berlin nach dem Scheitern der Jamaika-Gespräche

  • Die Jamaika-Verhandlungen sind gescheitert

  • Damit kommt auch die Debatte um Merkels Zukunft wieder auf

“Es ist ein Tag mindestens des tiefen Nachdenkens, wie es weitergeht in Deutschland. Aber ich will Ihnen sagen, ich als Bundeskanzlerin, als geschäftsführende Bundeskanzlerin, werde alles tun, das dieses Land auch durch diese schwierigen Wochen gut geführt wird."

Mit diesen Worten beendete Kanzlerin Angela Merkel ihre Rede nach dem Scheitern der Jamaika-Verhandlungen in der Nacht zum Montag.

Durchaus überraschend: Merkel sagte zwar, was sie in den kommenden Wochen tun wird – aber darüber hinaus?

Kein Wunder, dass schon jetzt die Spekulationen ins Kraut schießen: Bedeutet das Ende von Jamaika auch ein Ende von Merkel als Kanzlerin und Vorsitzende der CDU?

Tut Merkel sich einen Wahlkampf nochmal an?

Bisher lässt sich das nicht mit Sicherheit sagen. Wahrscheinlich ist, dass es im Frühjahr Neuwahlen gibt, denn die SPD hat erneut eine große Koalition ausgeschlossen.

Dass Merkel sich einen aufreibenden Wahlkampf noch einmal antut, ist eigentlich schwer vorzustellen. Allerdings stellt sich die Frage: Wer sollte es außer Merkel machen? Und wie würde die CDU ohne Merkel bei einer Wahl abschneiden?

Die Antwort: Die CDU hat derzeit niemanden, der sie erfolgreich durch einen Wahlkampf führen könnte. Hinzu kommt: Es ist wahrscheinlich, dass die CSU angesichts ihrer Personaldebatten nicht viel besser abschneidet als bei der Wahl im September.

Ohne Merkel droht der Union der Absturz

In der Unionsspitze um Merkel wird laut Informationen der dpa befürchtet, dass Deutschland italienische Verhältnisse drohen.

CDU und CSU, so die Sorge, könnten bei einer Neuwahl noch weit unter ihr Ergebnis von 32,9 Prozent bei der Bundestagswahl am 24. September fallen - ohnehin schon das schlechteste seit 1949. Auch die SPD, so geht die Rechnung, könne womöglich nicht profitieren, so dass es eventuell in diesem Fall auch für eine Neuauflage der großen Koalition nicht mehr reichen könnte.

Ohne Merkel droht der Union also ein Absturz.

Hinschmeissen passt nicht zu Merkel

Freilich: das sind Spekulationen, in den kommenden Wochen kann noch viel passieren.

Wie es weitergeht, darüber will Merkel am Vormittag mit ihrem Parteivorstand beraten. Einen Grund zum Rückzug von der CDU-Spitze sehen ihre Leute jedenfalls vorerst nicht. In ihrem Umfeld heißt es: “Dass sie einfach die Brocken hinwirft, würde überhaupt nicht zu ihr passen.”

Hier lest ihr Angela Merkels Rede aus der Nacht zum Montag im Wortlaut

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Mit Material der dpa

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(amr)

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