POLITIK
20/11/2017 08:40 CET | Aktualisiert 20/11/2017 09:23 CET

"In Jamaika eingeschlafen und in Belgien aufgewacht": So reagiert das Netz auf die gescheiterten Jamaika-Sondierungen

dpa
FDP-Chef Christian Lindner

  • Deutschland steuert auf ungewisse Wochen zu

  • Gibt es Neuwahlen? Warum ließ die FDP die Verhandlungen platzen

  • Manche Beobachter sehen die verfahrene Situation auch mit Humor

Deutschland ist “in Jamaika eingeschlafen und in Belgien aufgewacht”. Der für viele Menschen überraschende Abbruch der Jamaika-Verhandlungen durch die FDP sorgt in sozialen Medien für Diskussionen.

"Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren", sagte FDP-Chef Christian Lindner vergangene Nacht vor Journalisten.

Viele stellen sich nun die Frage, welche Verantwortung die FDP am Scheitern der Verhandlungen trägt.

Lakonisch teilte eine Journalistin der “Süddeutschen Zeitung” ein Foto des FDP-Plakats, auf dem ein damals noch dynamischer Christian Linder ins Land ruft: “Nichtstun sei Machtmissbrauch”.

"Berlin bleibt im politischen Klein/Klein stecken"

Und was hat die FDP durch das Scheitern von Jamaika gewonnen? Wird die Partei als der sturste Verhandlungspartner in Erinnerung bleiben wollen - auch wenn die Folgen dramatisch sein könnten?

Auch “Zeit”-Redakteur Jochen Bittner lässt kein gutes Haar an dem Verhalten der FDP:

"Jamaika war nicht regierungsfähig"

Aber nicht alle sind entsetzt, “Stern”-Herausgeber Andreas Petzold etwa sagt “Ist besser so! Selbst wenn sie sich auf #Jamaika geeinigt hätten - die eckigen Klammern wären vier Jahre im Hinterkopf geblieben…”

“Zeit”-Journalist Henning Sußebach überlegt schon, wie diese Zusammenarbeit in einer Jamaika-Koalition ausgesehen hätte: “Wer Sondierungsgespräche derart abrupt verlässt wie beschrieben - egal, ob spontan oder geplant - ist nicht regierungsfähig. Man stelle sich das mal am Kabinettstisch vor.” Das ist möglicherweise auch wieder wahr.

Kommt jetzt die Minderheitsregierung

Oder eben doch ganz anders, wie “Spiegel”-Mann Markus Feldenkirchen zu später Stunde noch in die Diskussion einwarf: “Alles läuft auf eine rot-grüne Minderheitsregierung unter Duldung der CDU hinaus. #Jamaika”

Nur einer freut sich über das politische Chaos der vergangenen Nacht: Die AfD. “Es war nämlich unser fulminanter Wahlerfolg, der den Sondierern im Nacken saß”, sagt AfD-Co-Chef Jörg Meuthen.

Klar, dass die Rechtspopulisten das Scheitern feiern. Dass die AfD am Ende bei Neuwahlen besser abschneidet, ist durchaus wahrscheinlich.

"Zack, mögliche GroKo-Verhandlungen"

Aber auch ein anderes Szenario, das in den vergangenen Wochen immer mal diskutiert wurde, ist in den nächsten Tagen durchaus denkbar:

Wie auch immer. In den nächsten Tagen wird die FDP einen guten Grund dafür liefern müssen, wie es zu dem überraschenden Abbruch kam.

Was aber jetzt schon klar ist: "Erst machte sich die @spdde vom Acker, jetzt folgt die @fdp. "German Mut" sieht anders aus", bringt Ex-"FAZ"-Herausgeber Hugo Müller-Vogg auf den Punkt. Recht hat er. Leider.

Über alle aktuellen Entwicklungen nach dem Jamaika-Aus hält euch unser News-Blog auf dem Laufenden

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