POLITIK
20/11/2017 10:45 CET

Dieses deprimierende Foto bringt die politische Stimmung unseres Landes nach dem Jamaika-Aus auf den Punkt

  • Kurz nach dem Scheitern der Jamaika-Verhandlungen traten die Spitzenpolitiker vor die Presse

  • Vor allem ein Foto bringt die politische Stimmung unseres Landes auf den Punkt

Es war schon fast ein Uhr, als Angela Merkel und Horst Seehofer in der Landesvertretung von Baden-Württemberg vor die Presse traten. Hinter ihnen standen Spitzenpolitiker von CDU und CSU. Beim Einmarsch der beiden Parteivorsitzenden klatschten sie noch. Bis zum Ende jedoch halten sie die Inszenierung nicht durch.

Es entsteht ein Foto, das mehr über die politische Stimmung im politischen Berlin aussagt als tausend Analysen.

presse union

FDP-Ausstieg kam für alle Gesprächspartner überraschend

Selbst Jürgen Trittin war in dieser Nacht voll des Lobes für die Union. Seine Partei hätte sogar die Umgestaltung der Mütterrente mitgemacht, sagte der Grünen-Politiker im ZDF. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet Jürgen Trittin einst die Zustimmung zu einem CSU-Prestigeprojekt im Fernsehen verkünden würde?

Umgekehrt fand auch Horst Seehofer sehr warme Worte für die Grünen und ihre Verhandlungsführung. Offenbar scheint dort, weitgehend unbemerkt von weiten Teilen der Öffentlichkeit, etwas zusammengewachsen zu sein.

Die Niedergeschlagenheit in den Gesichtern der Anwesenden hat einen anderen Grund: Offenbar kam der Ausstieg der Liberalen aus den Sondierungsgesprächen für alle Gesprächspartner überraschend.

Noch um 19 Uhr twitterte FDP-Generalsekretärin Nicola Beer, dass die FDP-Inhalte zu "einem großen Teil abgebildet“ seien:

Davon wollte Beer dann schon Stunden später nichts mehr wissen:

Was dazwischen passiert ist, das bleibt das Geheimnis von FDP-Chef Christian Lindner und der engeren Führungsspitze seiner Partei. Jürgen Trittin vermutete Sonntagnacht im ZDF, dass der Rückzug aus den Gesprächen seitens der FDP schon im Vorfeld geplant worden sei.

Die Zeiten einer vertrauensvollen Zusammenarbeit sind vorbei

Von dem mangelnden Willen zur Zusammenarbeit, den Christian Lindner ausgemacht haben will, sprachen weder Union noch Grüne. Und eine Tischvorlage mit einem Zwischenstand der Sondierungsgespräche vom 15. November zeigte, dass Union und FDP in weit mehr Punkten Gemeinsamkeiten haben als Union und Grüne.

Noch am Sonntagnachmittag hätten viele politische Beobachter in Berlin eher damit gerechnet, dass die Grünen oder die CSU am Ende die Reißleine ziehen.

Was Christian Lindner sich von diesem Schritt verspricht? Vielleicht spekuliert er auf Neuwahlen. Vielleicht will er seine Partei vom "Umfaller“-Image befreien. Aber all das bleibt Spekulation.

Was er in jeden Fall erreicht hat, kann man in den Gesichtern der Unionspolitiker ablesen: Seit Sonntagabend sind die Zeiten vorbei, in denen CDU, CSU und FDP vertrauensvoll zusammenarbeiten konnten.

Mehr zum Thema: News-Blog zum Abbruch der Jamaika-Verhandlungen

(sma)