POLITIK
20/11/2017 17:10 CET

"Mini-Kurz": ARD-Moderator rechnet knallhart mit FDP-Chef Lindner ab

dpa
Deppendorf war wütend

  • ARD-Journalist Ulrich Deppendorf macht FDP-Chef Lindner für das Scheitern von Jamaika verantwortlich

  • Lindner habe sich aus der Verantwortung gestohlen und wolle ein "Mini-Kurz" sein

Viele Vorschusslorbeeren hatte das Projekt Jamaika bekommen.

Das britische Magazin "Economist" zum Beispiel versprach sich vom schwarz-gelb-grünen Bündnis ein zukunftsgerichteteres Deutschland. Deutsche Medien schrieben teils euphorisch über einen "Glücksfall für Deutschland".

Auch die Sondierer selbst betonten während der Gespräche immer wieder, dass Jamaika bei allen Schwierigkeiten ein vielversprechendes Experiment sei.

Umso größer war der Frust bei vielen, als die angestrebte Koalition in der Nacht auf Montag krachend scheiterte. Journalisten und politische Beobachter fremdelten besonders mit der Art und Weise, wie die FDP und ihr Parteichef Christian Lindner die Gespräche platzen ließen.

Besonders klare Worte fand ARD-Moderator Ulrich Deppendorf bei Twitter. Seine Kritik zielte vor allem auf Lindner ab, der wenige Minuten vor Mitternacht vor den Kameras der Hauptstadtjournalisten den Rückzug der Liberalen erklärt hatte.

"Einst machte sich Lindner als Generalsekretär vom Acker, jetzt stiehlt er sich aus der Staatspolitischen Verantwortung, nun will er den Deutschen Mini-Kurz geben", kritisierte Deppendorf.

Alle Finger zeigen auf Lindner

Lindner war im Jahr 2011 als FDP-Generalsekretär zurückgetreten, als sich die Partei bereits in der Krise befand. Lindner musste daher nach der Wahlschlappe der Liberalen im Jahre 2013 keine persönlichen Konsequenzen ziehen.

Am heutigen Montag warfen Politiker von Union und Grünen, ebenso wie zahlreiche politische Beobachter, Lindner wiederholt egoistisches Handeln vor.

Zudem betonen die Grünen, Lindner habe die CSU in den Sondierungsgesprächen am Ende "rechts überholt".

Deppendorf sieht darin offenbar einen Beweis, dass der FDP-Chef nationalliberale Positionen ähnlich des österreichischen Kanzlers Sebastian Kurs vertreten wolle. Der ARD-Mann bemerkte zudem: "Die AFD freut sich schon und lobt indirekt Lindner."

Lindner selbst rechtfertigte die Entscheidung seiner Partei am Nachmittag mit einer "Verantwortung gegenüber unseren politischen Grundüberzeugungen". Vorstand und Fraktion hätten einstimmig die Entscheidung der Verhandlungsführer begrüßt , sagte Linder am Montagnachmittag in Berlin nach entsprechenden Treffen.

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(lp)

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