WIRTSCHAFT
19/11/2017 11:19 CET | Aktualisiert 19/11/2017 11:29 CET

Otto-Chef Birken warnt Managerkollegen: Dürfen uns nicht davonstehlen

dpa
Alexander Birken, Vorstandsvorsitzender der Otto Group

  • Wie sehr schaden gierige Superreiche dem Staat?

  • Der Chef der Otto Gruppe mahnt: Manager müssten sich stärker am Gemeinwohl orientieren

  • Das helfe auch der Wirtschaft

Der Wahlerfolg der AfD, steigendes Misstrauen gegenüber den Eliten, wachsende Zweifel an der Demokratie: Wie stark sich die deutsche Gesellschaft gespalten hat, zeigten in den vergangenen Monaten immer wieder Umfrageergebnisse.

Die Debatte über die Ursachen für diese Spaltung ist komplex. Fakt ist aber: Vor allem bei den Eliten scheint es kaum Verständnis dafür zu geben, welchen Anteil sie daran haben.

Mehr zum Thema: "Paradise Papers": Liebe Eliten, wundert euch nicht, wenn die Menschen AfD wählen, es liegt auch an eurem Verhalten

"Vertrauen schwindet in beachtlichem Maße"

Darauf weist jetzt - durchaus überraschend - des Chef des Hamburger Handels- und Dienstleistungskonzerns Otto Group, Alexander Birken, hin. Er ruft vor dem Hintergrund der Diskussion um Steuerflucht und hohe Boni seine Managerkollegen zu verantwortlichem Handeln auf.

"Das Vertrauen breiter Bevölkerungsschichten in die Wirtschaft und unser freiheitliches Wirtschaftssystem schwindet in beachtlichem Maße", sagte Birken der dpa. "Das hat klar mit den als illegal oder illegitim empfundenen Skandalen zu tun: Finanzkrise, Dieselgate oder Paradise Papers, um nur einige zu nennen."

Das könne Wirtschaftsverantwortliche nicht kalt lassen. Vor allem weil der Verlust des Vertrauens in die Wirtschaft auch das Wirtschaftssystem an sich untergrabe.

"Wer als nicht verantwortlich wahrgenommen wird, der kann auch nicht auf freiheitlichen Spielraum pochen", erklärte der Otto-Chef. "Ich sehe die Gefahr, dass uns die Politik auch im Handel das Heft aus der Hand nimmt."

Dabei müssten Unternehmen wertorientiertes Handeln nicht an der Garderobe der Globalisierung und Digitalisierung abgeben.

"Wir brauchen radikale Offenheit"

"Wir dürfen uns nicht davonstehlen, wenn uns eine solidarische Aufgabe wie das Textilbündnis Mühe und Geld abnötigt", forderte Birken. "Wir müssen uns öffnen, um gemeinsam mit den Gewerkschaften und der Zivilgesellschaft das Tarifsystem in eine Zukunft zu führen."

Etablierte Firmen müssten sich neu erfinden und ihre Kultur massiv verändern.

"Weg von starren Hierarchien und Silodenken, hin zu radikaler Offenheit, Transparenz und unternehmerischen Freiräumen an der Unternehmensbasis."

Birken steht seit Januar dieses Jahres an der Spitze der Otto Gruppe und hat bereits zuvor als Strategie-Vorstand in dem Konzern einen Prozess des Kulturwandels angestoßen.

Hoffentlich schließen sich ihm andere Unternehmenschefs an.

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