POLITIK
19/11/2017 10:14 CET | Aktualisiert 19/11/2017 16:20 CET

Verdachtsfälle von Vergewaltigung steigen in der Bundeswehr sprunghaft an

Florian Gaertner via Getty Images
Bundeswehrsoldatin (Symbolfoto)

  • Die Zahl der ge­mel­de­ten Se­xu­al­straf­ta­ten bei der Bun­des­wehr ist sprung­haft ge­stie­gen

  • Besonders die Ver­dachts­fäl­le von Ver­ge­wal­ti­gung haben sich stark er­höht

Nach An­ga­ben des Bun­des­ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums ge­gen­über der "Bild am Sonntag" (BamS) wur­den bis zum 14. No­vem­ber 2017 elf Vor­fäl­le an­ge­zeigt, bei denen ein Bun­des­wehr­an­ge­hö­ri­ger eine Ka­me­ra­din oder einen Ka­me­ra­den ver­ge­wal­tigt oder dies ver­sucht haben soll. Im ge­sam­ten Vor­jahr hatte es nur fünf Mel­dun­gen ge­ge­ben.

Das Bun­des­ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um geht al­ler­dings nicht davon aus, dass es plötz­lich viel mehr Ver­ge­wal­ti­gun­gen gibt, son­dern dass sich die Dun­kel­zif­fer ver­rin­gert, weil immer mehr Opfer die Tat an­zei­gen. Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin Ur­su­la von der Leyen (CDU) gegenüber der "BamS":

"Se­xu­el­le Über­grif­fe, die wir in der Ge­sell­schaft äch­ten, ahn­den wir eben­so in der Bun­des­wehr. Wir wol­len in der Trup­pe ein Klima der Of­fen­heit, in dem sich jeder und jede traut, Un­recht und Ge­walt zu mel­den. Es ist ein po­si­ti­ves Zei­chen, dass Vor­ge­setz­te und Mann­schaf­ten häu­fi­ger Vor­fäl­le an­zei­gen."

Auch Verdachtsfälle von sexuellen Übergriffen nehmen zu

Ge­stie­gen sind auch die Mel­dun­gen von Bun­des­wehr­an­ge­hö­ri­gen bei Ver­ge­wal­ti­gun­gen, die au­ßer­halb der Trup­pe ver­übt wur­den von Tä­tern aus dem pri­va­ten Um­feld. Im Ver­gleich zum Vor­jahr er­höh­te sie sich in die­sem Jahr von drei auf acht Fälle.

Auch die Ge­samt-Ver­dachts­fäl­le von se­xu­el­len Über­grif­fen haben stark zu­ge­nom­men. Dar­un­ter fällt alles vom Be­rüh­ren eines Ober­schen­kels bis zur Ver­ge­wal­ti­gung. Im ver­gan­ge­nen Jahr gab es 128 Mel­dun­gen, bis zum 30. Sep­tem­ber die­ses Jah­res be­reits 187.

Laut Bun­des­wehr wur­den et­li­che Alt­fäl­le noch ein­mal ge­mel­det, weil Be­trof­fe­ne mit dem Um­gang nicht zu­frie­den waren.

Ansehen der Bundeswehr leidet nicht

Ob­wohl An­fang des Jah­res ei­ni­ge Fälle von Se­xu­al­straf­ta­ten, De­mü­ti­gun­gen durch Vor­ge­setz­te und Rechts­ex­tre­mis­mus in­ner­halb der Bun­des­wehr be­kannt ge­wor­den waren, hat dies den Ruf der Trup­pe bei den Bür­gern nicht be­schä­digt.

Das Zen­trum für Mi­li­tär­ge­schich­te und So­zi­al­wis­sen­schaf­ten gibt jedes Jahr eine re­prä­sen­ta­ti­ve Be­völ­ke­rungs­be­fra­gung in Auf­trag. Da­nach sehen 80 Pro­zent der Bür­ger die Bun­des­wehr po­si­tiv, nur 16 Pro­zent ne­ga­tiv. Das sind die bes­ten Werte seit 2011 (75 Prozent po­si­tiv, 21 Prozent ne­ga­tiv).

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