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18/11/2017 12:42 CET | Aktualisiert 20/11/2017 07:31 CET

"Ich will, dass Deutschland deutsch ist": Musikstar Morrissey sorgt im "Spiegel"-Interview für Eklat

Mark Makela / Reuters
Der Sänger Morrissey provoziert gern.

  • Der Sänger Morrissey hat dem "Spiegel" ein provozierend dummes Interview gegeben

  • Darin schwadroniert er über die angebliche Vergewaltigungshauptstadt Berlin

  • Und er erklärt, warum er sich wünscht, dass "Deutschland deutsch bleibt"

Mit den Smiths und als Solokünstler schrieb Morrissey Musikgeschichte. Nun ist er mit einem neuen Album zurück - und vermittelt darauf stellenweise einen obskuren Eindruck. Britische Medien spekulieren schon: Ist Morrissey ein "Angry White Man" geworden?

Das zumindest legt nun auch ein aktuelles Interview mit dem "Spiegel" nahe, das derzeit in den sozialen Netzwerken hohe Wellen schlägt.

Kein Wunder, denn der Sänger erklärt darin, dass er Trump töten würde, wenn er könnte, dass Berlin die "Vergewaltigungshauptstadt" sei und dass "Deutschland deutsch" bleiben müsse.

Das sind die umstrittenen Passagen des Morrissey-Interviews im Wortlaut

Auf die Frage, ob er einen Knopf drücken würde, der Trump tot umfallen lassen könnte, antwortet Morrissey: "Wür­de ich, für die Si­cher­heit der Mensch­heit."

Zum Ausstieg der Briten aus der EU sagt er: "Der Aus­gang des Brex­it-Re­fe­ren­dums fas­zi­niert mich, weil er ein Sieg für die De­mo­kra­tie war... Er ist der größ­te de­mo­kra­ti­sche Sieg in der Ge­schich­te der bri­ti­schen Po­li­tik seit vie­len, vie­len Jah­ren."

Auf die Frage, ob er die EU für ein "deutsches Imperium" halte, antwortet der Musiker: "Ja. Und so den­ken vie­le Men­schen. Viel­leicht ist das der Grund, war­um die Men­schen für den Brex­it ge­stimmt ha­ben."

Dann kommt er auf die Situation in Deutschland zu sprechen: "Ich bin trau­rig, dass Ber­lin die Ver­ge­wal­ti­gungs­haupt­stadt ge­wor­den ist", sagt er an einer Stelle. Und er hat auch einen Schuldigen ausgemacht.

Auf die Nachfrage der Journalisten, wie er denn darauf komme, antwortet Morrissey: "Ja, ja! We­gen der of­fe­nen Gren­zen. Vie­le Men­schen den­ken, es war ein Feh­ler von An­ge­la Mer­kel, dass sie am An­fang sag­te: 'Kommt, kommt alle her!' Und dann: 'Huch, huch, doch nicht!'"

Der "Spiegel" hakt nach: "Sie sind also da­ge­gen, Flücht­lin­ge auf­zu­neh­men?" Darauf folgt wohl die Antwort, die für den größten Wirbel sorgt:

Morrissey: "Okay, re­den wir über den Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus. Ich will, dass Deutsch­land deutsch ist. Ich will, dass Frank­reich fran­zö­sisch ist. Wenn man ver­sucht, al­les mul­ti­kul­tu­rell zu ma­chen, hat man am Ende gar kei­ne Kul­tur mehr. Alle eu­ro­päi­schen Län­der ha­ben vie­le, vie­le Jah­re für ihre Iden­ti­tät ge­kämpft. Und jetzt wer­fen sie sie ein­fach weg. Ich fin­de das trau­rig."

Und der Sänger legt noch einen drauf. Denn er scheint sich auch nicht zu schade zu sein, den deutschen Angriffskrieg unter Hitler zu loben, wenn er sagt: "Ich den­ke, je­des Land soll­te sei­ne Iden­ti­tät be­wah­ren. Mil­lio­nen Men­schen sind für die deut­sche Iden­ti­tät ge­stor­ben. Wenn Sie mei­nen, sie hät­ten Re­spekt ver­dient, dann müs­sen Sie ihr Land be­schüt­zen."

Auch im Heimatland von Morrissey schlägt das Interview schon Wellen. So twitterte der Berliner Korrespondent des "Guardian", Philip Oltermann:

Auch den Fans stößt das Interview übel auf. Einer fragt auf Twitter: "'Vergewaltigungshauptstadt Berlin wegen der offenen Grenzen'. Braucht jemand paar Smiths-Platten?"

Ein anderer postet als Kommentar zu der Frage nur ein Gif mit einem Kaminfeuer:

"Wer gibt einen Scheiß, was er denkt?"

Ganz überraschend kommen die Aussagen Morrisseys allerdings nicht.

Mal lobte er den Brexit-Wegbereiter und Rechtspopulisten Nigel Farrage, mal bezeichnete der militante Vegetarier den Amoklauf des Norwegers Anders Behring Breivik als "Nichts" im Vergleich zum Betrieb von Fast-Food-Restaurants.

Außerdem sprach er den "Mainstream-Medien" jede Glaubwürdigkeit ab, als Fernsehsender im französischen Präsidentschaftswahlkampf die Nationalistin Marine Le Pen nicht zur Siegerin eines TV-Duells erklärten.

Auf die Goldwaage sollte man die Aussagen des Sängers aber nicht legen, mahnt der "Welt"-Journalist Alan Posener. Er zetert: "Wer gibt einen Scheiß, was er denkt? Wann hört diese Idiotie, Popstars zum Thema Politik zu befragen, endlich auf? Es ist ja auch scheißegal, was Theresa May (die britische Premierministerin, Anm. d. Red.) über Morrissey denkt, oder?"

Mit Material der dpa

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(lm)